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Beförderung beim FC Baku: Vom Konsolen-König zum Fußballmanager?

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Plötzlich war Vugar Huseinzade berühmt. Weltweit berichteten Medien, der 21-Jährige sei nur deshalb Manager beim FC Baku geworden, weil er jahrelang erfolgreich den "Football Manager" von Sega gespielt habe. Stimmt das? Ein Anruf beim Konsolen-Zocker.

Vugar Huseinzade: Big Boss in Baku Fotos
Viktoriya Melnik / FC Baku

BBC, "Bild am Sonntag", "Stern" oder ESPN - weltweit staunten Zeitungen und Nachrichtenseiten über diese Geschichte: Ein 21-Jähriger wird neuer Sportdirektor des aserbaidschanischen Erstligisten FC Baku. Seine Qualifikation? Jahrelange Erfahrung im Zocken einer Computer-Simulation, dem "Football-Manager", so war zu lesen. Es klang, als sei der Traum zahlloser Jugendlicher wahrgeworden. Es klang zu verrückt, um wahr zu sein.

Der FC Baku ist international bisher wenig in Erscheinung getreten. Bekannter ist da schon Neftschi Baku. Der Lokalrivale spielte in der Europa League, schied aber mit nur drei Punkten als letzter der Gruppe H aus. Der FC Baku spielt zwar nicht international, verfügt aber immerhin über jede Menge Geld. Mit einem Jahresetat von rund 20 Millionen Euro spielt er finanziell in einer Liga mit Bundesliga-Clubs wie dem 1. FC Nürnberg. 20 Millionen Euro, verwaltet von einem 21 Jahre alten Computerspiel-Fan?

"Ich weiß auch nicht genau, wie das Gerücht entstehen konnte", sagt Vugar Huseinzade SPIEGEL ONLINE. Er ist tatsächlich der neue Sportdirektor des FC Baku, auch sein Alter stimmt, 21 ist er erst. Die Sache mit dem Computerspielen allerdings, die sei so nicht ganz richtig: "Auch wenn ich seit 2002 'Football Manager' spiele. Und das sehr erfolgreich."

Mitte November, als er den Posten gerade angetreten hatte, wurde Huseinzade von der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" interviewt. Die Journalisten waren auf ihn aufmerksam geworden, weil er im Rennen um den freigewordenen Posten immerhin den ehemaligen Weltklassestürmer Jean-Pierre Papin ausgestochen hatte. Zudem wurde Huseinzade zwar in Baku geboren, ist aber schwedischer Staatsbürger. Seine Familie zog in den neunziger Jahren nach Stockholm.

"Mir wird meine Computerspiel-Erfahrung schon noch helfen"

"Mit diesem Interview hat alles angefangen", erinnert sich Huseinzade. Aserbaidschanische und russische Medien verbreiteten dann ihre Version: Einzig Huseinzades Erfahrung mit der PC-Simulation sei ausschlaggebend gewesen für die Beförderung vom Berater des Vizepräsidenten zum Sportdirektor. Plötzlich war die Story in der Welt, Huseinzade aber kann darüber nicht lachen.

Er habe gegenüber der Geschäftsführung zwar damals erwähnt, dass er gerne "Football-Manager" spiele. Ihm ist aber wichtig, dass die Leute wissen, dass er sich mit Management auskennt, sagt er nun. Schließlich hat er in Boston an einer angesehenen Universität studiert.

Doch reicht ein Studium allein, um den mit rund 300 Angestellten größten Club des Landes zu führen? Ein bisschen muss Huseinzade zurückrudern. "Da wird mir meine Computerspiel-Erfahrung dann schon helfen", sagt er. "Ich habe eine ganz gute Ahnung, worum es in dem Job geht. Vielleicht nicht zu 100 Prozent - aber zu 90 Prozent schon." Dass es solche Äußerungen waren, die das Gerücht entfachten, glaubt Huseinzade nicht. Am liebsten würde er darüber auch nicht mehr sprechen.

Er kann es kaum erwarten, sein theoretisches Wissen in der Praxis zu testen. Seit knapp einem Monat ist er im Amt, jetzt will er es sich und vor allem den Skeptikern beweisen. Mitunter werde er ein wenig von oben herab behandelt, weil er noch so jung ist. Er ist zuversichtlich, dass sich das ändert, sobald er erste Erfolge vorweisen kann. Derzeit dümpelt der Club nur im unteren Mittelfeld der "Unibank Premyer Liqasi". Die ersten sechs Teams der Zwölfer-Liga spielen in Playoffs um die Meisterschaft. "Die werden wir bald gewinnen", ist sich Huseinzade sicher.

Keine Angst vor den ersten Deals

Als nächstes werde er einen treffsicheren Angreifer verpflichten. "Vielleicht sogar gleich mehrere", 13 Tore in 13 Spielen seien einfach zu wenig. Über Namen will Huseinzade noch nicht sprechen, das wäre schlecht für die Verhandlungen. Ansonsten gehe er aber zuversichtlich in seine ersten Transferdeals, auch dank des Computerspiels: "Ich weiß, wie man mit Spielern und Beratern umgehen muss."

Macht es denn gar keinen Unterschied, ob man vor dem Bildschirm oder vor Menschen aus Fleisch und Blut sitzt? Huseinzade muss kurz überlegen, dann sagt er: "Die Hauptsache ist, man hat verstanden, wie das Geschäft läuft."

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insgesamt 14 Beiträge
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1. In England gibts auch so ein Beispiel
L0k3 07.12.2012
Dort hat ein 5 Liga Club einen Manager angestellt der Jahrelang erfolgreich den Football Manager gespielt hat. Das zeigt meines erachtens nur wie gut die Simulation wirklich ist. Meines erachtens der weltweit einzige realistische Fußball Manager. Ganz im Gegensatz zu EA´s "Egal was ich mache es hat keinerlei Auswirkungen" Fußballkrücke FM.
2. ...
Barbapaps 07.12.2012
Der gute Mann wirkt doch etwas unbedarft, mal sehen wie er sich unterm Strich schlägt. Auf jeden Fall schön zu hören, dass mal ein studierter Wirtschafter den Vorzug vor ehemaligen Spielergrößen bekommt, die scheinbar nur von ihren Namen zehren. @Football Manager: Ich bin selber riesen Fan des FM von SEGA (Bitte nicht mit dem EA Schund verwechseln). Riesige gut recherchierte Datenbanken (es ging auch schon das Gerücht um, dass das Spiel zum Einstieg in die Scoutarbeit genutzt wurde), viele Interaktionsmöglichkeiten in allen relevanten Disziplinen etc. Insofern halte ich es garnicht für so abwegig, dass der FM sogar beim Einstieg etwas helfen kann. @Red: Konsolen-König ist zwar eine pfiffige und geläufige Alliteration, de facto ist der FM aber kein Konsolen Spiel..
3. Warum nicht?
sircumalot 07.12.2012
Das Prinzip wird bestimmt auch in Europa angewandt, wenn man sich die jüngeren Banker ansieht. Da waren einige sicherlich auch mal gut in Wirtschaftssimulationen am 486er...
4.
p0p0c4t3p3t3l 07.12.2012
Wird Zeit, dass ich mich als Pilot bewerbe. Spiele ja auch mittlerweile seit Jahren erfolgreich Flugsimulationen .....
5. Qualifikation
phboerker 07.12.2012
Soll es wirklich einen Unterschied machen, ob man einen Manager rekrutiert, dessen Qualifikation für die Aufgabe nur auf Videospielen beruht, statt eines solchen, dessen Erfahrung lediglich daraus besteht, einen Ball über einen Fußballplatz geschossen zu haben? Ehemalige Fußballer findet man zuhauf in Managerpositionen in Fußballvereinen, da reicht das Spektrum beim Erfolg von einem Hoeneß bis zu einem Preetz.
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