Von Mike Glindmeier
Hamburg - Schwarzer Freitag für den FC St. Pauli. Erst gab es gegen den FC Erzgebirge Aue die erste Heimniederlage der Saison ( 2:3 nach 1:0-Führung), dann benahm sich erneut ein Anhänger der Hamburger daneben. Schiedsrichter Christian Leicher wurde beim Verlassen des Feldes Richtung Spielertunnel von einem Zuschauer aus der Südkurve mit einem Bierbecher beworfen und soll am Kopf getroffen worden sein.
Es gibt allerdings auch Aussagen von Zuschauern, die den Becherwurf zwar bestätigen, aber eben nicht den Kopftreffer. Mithilfe anderer Fans wurde der Täter identifiziert und von mehreren Sicherheitskräften abgeführt. Die Polizei nahm seine Personalien auf. Der Unparteiische erklärte bei Sport1, er werde den Vorgang, zu dem es vermutlich keine Bilder gibt, im Spielberichtsbogen vermerken.
Der FC St. Pauli will sich vorerst nicht zu dem Vorfall äußern. "Wir warten den Sonderbericht des Schiedsrichters ab", sagte Teammanager Christian Bönig, der sich direkt nach dem Becherwurf beim Schiedsrichter entschuldigte und sich nach dessen Gesundheitszustand erkundigte. Leicher ist demnach bei dem Zwischenfall nicht verletzt worden.
Bislang wurden noch keine Ermittlungen eingeleitet. "Der Kontrollausschuss wartet den Schiedsrichterbericht ab und entscheidet dann über das weitere Vorgehen", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit.
Bei den Verantwortlichen am Millerntor herrscht trotz des gelungenen Saisonstarts gedrückte Stimmung. Zu groß ist die Angst vor einer erneuten empfindlichen Strafe. Denn seit Freitagabend dürfte der Club als Wiederholungstäter gelten, was die möglichen Sanktionen seitens des DFB-Sportgerichts grundsätzlich verschärft. Strafmildernd könnte sich allerdings die Kooperationsbereitschaft der friedlichen Fans mit dem Ordnungsdienst auswirken.
Bereits am 1. April war Schiedsrichterassistent Thorsten Schiffner in der Bundesliga-Partie zwischen St. Pauli und Schalke 04 von einem vollen Bierbecher am Kopf getroffen worden und daraufhin zusammengebrochen. Referee Deniz Aytekin brach die Begegnung damals vorzeitig ab. Die Schalker führten zu diesem Zeitpunkt 2:0.
Der DFB verurteilte St. Pauli zunächst zu einem Geisterspiel, reduzierte die Strafe aber anschließend. Die Hamburger mussten ihr erstes Heimspiel nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga in einem fremden Stadion außerhalb der Hansestadt und unter Teilausschluss der Öffentlichkeit austragen. Der Club zog daraufhin für den Saisonauftakt gegen den FC Ingolstadt (2:0) an die Lübecker Lohmühle. Durch die Spielverlegung entstand dem Verein damals ein Schaden von rund 400.000 Euro.
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