Von Saskia Aleythe
Hamburg - Lange mussten die mitgereisten Borussia-Fans in Hannover bangen, dann konnten sie sich doch noch in die Arme fallen und die neue Chance auf den Klassenerhalt bejubeln. Nach dem beeindruckenden 1:0-Erfolg bei Hannover 96 lauert die Borussia mit nur noch zwei Punkten Rückstand hinter Eintracht Frankfurt, die auf dem Relegationsplatz steht. Es sah nach dem sicheren Abstieg aus, die Fans stellten sich schon auf Partien gegen Paderborn und Erzgebirge Aue ein, doch nun ist in Gladbach die Hoffnung zurückgekehrt.
"Wir alle haben den Glauben, dass wir es noch packen", sagte Torschütze Marco Reus, der seinen Club im Spiel gegen Hannover lange Zeit auf eine Zerreißprobe gestellt hatte. Eine Großchance nach der nächsten ließ Reus ungenutzt - und erlöste die Gladbach-Anhänger dann doch noch mit einem Treffer in der 76. Minute. Das wusste sogar der Gegner zu würdigen. "Reus setzt das Ding genau unter die Latte - das hat er einfach gut gemacht", sagte 96-Torwart Ron-Robert Zieler.
"Wir haben einen guten Lauf"
Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre ließ sich trotz hartem Restprogramm und Querelen in der Führungsriege nicht beunruhigen - und hatte schon letztes Wochenende gegen Tabellenführer Borussia Dortmund für eine Überraschung gesorgt. Mit einem 1:0-Erfolg verhinderte Gladbach die vorgezogene Meisterfeier des BVB.
"Wir haben einen guten Lauf, und das müssen wir ausnutzen", sagte Kapitän Filip Daems nach dem zweiten Sieg hintereinander. Auch Favre versichert: "Die Spieler haben viel Überzeugung, den Abstieg zu verhindern." Im Spiel der Gladbacher erinnert nichts mehr an die miserable Hinrunde, in der unter dem damaligen Trainer Michael Frontzeck gerade einmal zehn Punkte geholt wurden. Mit 22 Punkten in der Rückrunde steht Gladbach in der Tabelle der zweiten Saisonhälfte auf dem achten Rang.
Vor allem die gestärkte Defensive sowie besseres Zweikampfverhalten haben die Borussia wieder ins Rennen gebracht und sorgen für Optimismus im Verein. "Das Vertrauen kommt langsam. Die Mannschaft arbeitet gut, hart und konzentriert. Sie geht gut mit dem Druck um", sagte Favre. Der 53-Jährige weiß, dass die Lage noch immer ernst ist: "Egal gegen wen, wir müssen Punkte machen, sonst sind wir tot."
Nur ein Sieg für Konkurrent Frankfurt in der Rückrunde
Für zusätzliche Hoffnung sorgt der Blick auf Tabellennachbar Eintracht Frankfurt. Dort liegen die Nerven blank. In Mainz gingen die Frankfurter 0:3 unter und mussten auf dem Heimweg von einer Polizeieskorte vor wütenden Fans geschützt werden.
"Das Erreichen des Relegationsplatzes ist jetzt unser großes Ziel", sagte Trainer Christoph Daum, der als Retter nach Frankfurt geholt worden war und nach fünf Spielen noch immer auf den ersten Sieg wartet. Kapitän Patrick Ochs war wütend über die Leistung der Mannschaft: "Was wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, war eine absolute Frechheit. Wir hatten Angst und müssen froh sein, nicht 0:4 oder 0:5 verloren zu haben." Im Gegensatz zu den Gladbachern bot Frankfurt eine katastrophale Rückrunde: In 15 Spielen holte der Club lediglich einen Sieg und ist damit abgeschlagener Letzter der Rückrunden-Tabelle.
Während Gladbach im Saisonfinale noch gegen Freiburg und in Hamburg punkten will, wartet auf Frankfurt zunächst Daums Ex-Club FC Köln. Danach muss die Mannschaft jedoch noch in den Ruhrpott: Im letzten Spiel trifft der Club auf Meister Borussia Dortmund.
mit Material von sid und dpa
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