Augenthaler-Nachfolger Wolf soll das Wunder von Nürnberg vollbringen

Mit einem Bein steht der Tabellenvorletzte 1. FC Nürnberg bereits in der zweiten Liga. Doch Präsident Michael Adolf Roth glaubt noch an die Rettung. Wolfgang Wolf, der den entlassenen Klaus Augenthaler beerbt, traut der FCN-Boss zu, den Klassenerhalt zu schaffen.


Der neue FCN-Coach Wolfgang Wolf: Vertrag auch für die zweite Liga gültig
DDP

Der neue FCN-Coach Wolfgang Wolf: Vertrag auch für die zweite Liga gültig

Nürnberg - Die Nürnberger Vereinsführung reagierte mit dem Rauswurf von Augenthaler und dessen Assistenten Thomas Brunner auf die bedrohliche Lage des "Clubs" in der Fußball-Bundesliga. Vier Spieltage vor Saisonende haben die Franken als Tabellenvorletzter vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Zuletzt erzielten die Nürnberger in vier Spielen nacheinander kein Tor. Nach dem 0:4 am vergangenen Samstag in Hamburg verdichteten sich die Anzeichen für eine Trennung von Augenthaler, der insgesamt drei Jahre und zwei Monate in Nürnberg arbeiten durfte.

Nachfolger des früheren Bayern-Profis wird Wolfgang Wolf, der bis Anfang März den Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg trainiert hatte. Der 45-Jährige leitete am Mittwoch bereits erstmals das Training. "Das war die richtige Entscheidung für den Verein. Es geht nicht um mich oder die Fans, es geht nur um den FCN", sagte Präsident Michael Adolf Roth, der vor der Entscheidung das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gesucht, aber offenbar keinen großen Rückhalt bei den Profis für Augenthaler gespürt hatte.

"Wir haben bis fünf vor zwölf an Augenthaler festgehalten", fügte Roth hinzu und räumte selbstkritisch ein: "Wir hätten schon früher handeln müssen." Die Entscheidung gegen Augenthaler war bei einer Vorstandssitzung am Dienstagabend gefallen. Um 22 Uhr nahm Roth Kontakt zu Wolf auf, der sich umgehend ins Auto setzte und um 7.30 Uhr am Mittwochmorgen seinen Vertrag unterschrieb. Es folgte noch ein kurzes Gespräch zwischen dem alten und dem neuen Trainer. In seiner ersten Amtszeit (1979 bis 1982) hatte Roth sechs Trainer verschlissen, in seiner Ära seit Oktober 1994 ist Wolf nun der neunte Chefcoach.

Roth wittert Verschwörung der Fans

"Das wird eine große Herausforderung. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, aber es ist nicht unmöglich", so Wolf, der bei den Franken einen auch für die zweite Liga gültigen Vertrag bis Juni 2005 unterschrieb. Der Ex-Profi des 1. FC Kaiserslautern und der Stuttgarter Kickers ("Ich bin ein Typ, der solche Situationen liebt. Ich krempel gerne die Ärmel hoch") wird bei der Heimpartie am Samstag gegen 1860 München erstmals auf der Bank sitzen. "Der Ausgang dieses Spiels wird entscheidend sein. Das wird das Spiel der Spiele. Und wenn wir es schaffen, am letzten Spieltag ein Endspiel gegen Leverkusen zu haben, dann bleiben wir auch in der Liga", glaubt Wolf.

Roth hatte bereits Mitte März eine Entlassung Augenthalers nicht ausgeschlossen. Nach dem 0:3 gegen Hertha BSC hatten die Anhänger des Vereins in einer einmaligen Solidaritätsbekundung eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Weltmeister von 1990 gefordert. Der FCN-Boss, der jüngst angekündigt hatte, mit Augenthaler notfalls auch in die zweite Liga abzusteigen, wittert hinter der ungewöhnlichen Fan-Aktion mittlerweile anscheinend eine gezielte Aktion. So musste auch Fankoordinator Bernd Brommberger am Mittwoch seinen Posten räumen.

Siebter Trainerwechsel der laufenden Saison

Augenthaler, der über die bevorstehende Entlassung bereits in der Nacht zum Mittwoch von Manager Edgar Geenen informiert worden war, hatte beim FCN einen Vertrag bis zum Sommer 2004. Im März 2000 hatte er sein Amt angetreten und Nürnberg 2001 in die Bundesliga geführt. Augenthaler verließ am Mittwoch das Vereinsgelände am Valznerweiher ohne einen öffentlichen Kommentar. Vorher hatte er sich noch von der Mannschaft verabschiedet.

Augenthaler ist der siebte Chefcoach, der in dieser Saison vorzeitig seinen Posten verliert. Vor ihm hatte es in der Spielzeit 2002/2003 bereits Andreas Brehme (1. FC Kaiserslautern), Hans Meyer (Borussia Mönchengladbach), Klaus Toppmöller (Bayer Leverkusen), Peter Pacult (TSV 1860 München), Frank Neubarth (FC Schalke 04) und Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg) erwischt. In der Geschichte der Bundesliga ist es die 270. Trainerentlassung.



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