Augsburgs Premierensieg: Gänsehaut und Urvertrauen

Von Nils Lehnebach

Als letztes Team der Liga hat auch Augsburg ein Spiel gewonnen. Gegen Bremen überzeugte der FCA mit neuer Stabilität und einem überfallartigen Start. Der Club profitiert davon, dass die Fans auch nach schlechten Partien gelassen bleiben.

Bundesliga: Augsburg jubelt erstmals Fotos
Getty Images

Augsburgs Anhänger haben ziemlich bescheidene Wochen hinter sich. Null Siege, nur zwei Tore und zehn Gegentreffer: Ihre Mannschaft erlebte einen deftigen Fehlstart in der Bundesliga, war Tabellenschlusslicht. Pfiffe? Schmähgesänge? Protestaktionen? Nicht beim FCA. Als das Team zuletzt zu Hause 3:1 gegen Leverkusen verlor und dabei chancenlos war, gab es Applaus von den Rängen.

Nun weiß man allerdings auch in Augsburg, dass man nur mit schönen Gefühlen und guter Stimmung die Klasse nicht halten kann.

Deshalb würde man "am liebsten" gegen Bremen gewinnen, auch für die Fans, hatte Trainer Markus Weinzierl vor dem Spiel gesagt. Gesagt, getan. Seine Mannschaft bot gegen Werder die beste Saisonleistung, gewann verdient 3:1 (2:1) - und verbesserte sich zunächst auf Platz 15. Dabei waren nicht einmal zwei Minuten gespielt, als Tobias Werner die Führung erzielte und einen ersten Jubelsturm auslöste. Und die Stimmung auf den Rängen wurde nicht mehr schlechter.

"Es ist sensationell, was das Publikum veranstaltet. Das wird uns durch die Saison tragen," sagte Sportdirektor Manfred Paula nach dem Schlusspfiff. Er hatte sich als einer der Ersten aus der Jubeltraube gelöst. Die Spieler, allen voran Werner, der auf dem Zaun als Einpeitscher die Gesänge vorgab, feierten noch minutenlang mit ihren Anhängern.

"Wir haben diesen Sieg auch für unsere Fans geholt", sagte Innenverteidiger Ragnar Klavan, und Torschütze Daniel Baier lobte die "großartigen Fans". Nun ist es nichts Außergewöhnliches, dass Spieler sich bei ihren Anhängern bedanken, es gehört vielmehr zum guten Ton. In Augsburg aber wirkt es glaubhaft. Zumal die Zuschauer wissen, dass ihr Urvertrauen nicht unbegründet ist. Auch in der vergangenen Saison erwischte das Team einen Fehlstart, siegte erstmals am neunten Spieltag. Am Ende sicherte der Club souverän den Klassenerhalt.

Neue Stabilität in der Defensive

Trotzdem hätten bei den bisher gebotenen Leistungen Fans anderer Bundesligisten sicher anders reagiert. Zumal die Augsburger Mannschaft sich vor der Saison für die Verhältnisse des Clubs opulent verstärkte - und so neue Erwartungen geweckt wurden. Für das Mittelfeld wurde der ehemalige Bayern-Profi Andreas Ottl verpflichtet, der Sturm mit dem ehemaligen Mainzer Torjäger Aristide Bancé aufgebessert. Dazu wurden mit Ja-Cheol Koo, Giovanni Sio (beide Wolfsburg) und Knowledge Musona (Hoffenheim) Spieler ausgeliehen, die für mehr als nur für den Kampf um den Klassenerhalt stehen.

Allein - die Ergebnisse stimmten nicht. Vor der Partie gegen Bremen setzte Trainer Weinzierl sechsmal auf eine unterschiedliche Startelf, Erfolg brachte keine. Erst beim 0:0 gegen Hoffenheim am vergangenen Wochenende zeigte sich das Team verbessert, stand in der Defensive deutlich sicherer als zuvor.

Nun baute Weinzierl gegen Bremen erneut auf den defensiven Block aus den Innenverteidigern Klavan und Sebastian Langkamp sowie den Sechsern Baier und Kevin Vogt. Ein Quartett, das die neue Defensivstärke verkörpert und gegen Werder erfolgreich war. Das einzige Gegentor fiel durch einen direkt verwandelter Freistoß von Kevin de Bruyne, ansonsten hatten die Gäste kaum klare Chancen.

"Wir haben in der Abwehr wieder eine gute Kompaktheit gezeigt", sagte Sportdirektor Paula. Und auch Weinzierl freute sich über die "sehr gut organisierte Defensive". Es scheint, als ob Augsburgs Anhänger künftig häufiger feiern können - sogar nach Siegen.

FC Augsburg - Werder Bremen 3:1 (2:1)
1:0 Werner (2.)
1:1 De Bruyne (19.)
2:1 Hain (32.)
3:1 Baier (72.)
Augsburg: Amsif - Verhaegh, Sebastian Langkamp, Klavan, De Jong - Vogt, Baier - Musona (86. Petrzela), Werner - Hain (72. Ottl), Moravek (57. Bance)
Bremen: Mielitz - Fritz, Prödl, Sokratis, Schmitz (46. Gebre Selassie) - Junuzovic - De Bruyne, Hunt - Arnautovic (69. Petersen), Elia (62. Füllkrug) - Akpala
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 28.133
Gelbe Karten: Bance, Musona - Schmitz

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1. Koo...
spon-facebook-1070490199 06.10.2012
...ist ebenfalls aus Wolfsburg ausgeliehen und nicht aus Leverkusen.
2. Die sagenhafte Karriere des Andreas Ottl...
netroot 25.11.2012
...startet bei Bayern München - richtige Lorbeeren verdiente er sich nur in Nürnberg - dafür war er sich aber zu fein - danach Totalversager beim Absteiger Hertha BSC und nun Auswechselspieler beim nächsten Absteiger... - Das nenne ich Karriere - ist wohl langsam an der Zeit in der Regionalliga zu kicken, oder Tankstellenalkoholiker zu werden...
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