Aus für Offenbach Die Kickers, Siggi Held und ich

Erwin Kostedde, Siggi Held, Fluchtlicht-Thriller und der Bestechungsskandal: Was wäre der deutsche Fußball ohne Kickers Offenbach? Ein persönlicher Abschied von einem Kultverein.

imago

Von


Ich bin kein Fan von Kickers Offenbach, eher ein Sympathisant. Denn seit ich als kleiner Junge vom Fußball infiziert wurde, begleitet mich das Schicksal des Vereins vom Bieberer Berg. Was den Club damals für mich interessant machte, war womöglich schon der Name: Andere Teams hießen Eintracht, Borussia oder Fortuna.

Die Kickers aber klangen exotisch und machten mich neugierig, als sie im August 1970 im Pokalfinale den großen 1.FC Köln schlugen. Vom Triumph der Offenbacher Underdogs über WM-Helden wie Overath und Löhr erfuhr ich im Radio, als ich selber bei uns zu Hause in Ostfriesland mit dem Ball trainierte, weil ich doch auch mal so gut wie Franz Beckenbauer werden sollte. Dass es so weit nicht kam, ist eine andere Geschichte.

Aber Offenbach gab es jetzt auf meinem Globus. Und schon im nächsten Sommer spielten die Hessen wieder eine wichtige Rolle in meinem Leben: An einem langweiligen Feriensonntag übertrug das Fernsehen, wie Kickers-Präsident Canellas auf seiner Geburtstagsfeier ein Tonband anschaltete und den Bundesliga-Skandal aufdeckte. Eine Welt brach zusammen: Fußballer, die sich kaufen ließen - und es dann auch noch abstritten bis zum Meineid.

Drei Jahre später erwischten mich die Offenbacher wieder. Denn sie spielten gegen meine Bayern - und gewannen 6:0. Dabei hatten Beckenbauer, Maier und Müller doch noch wenige Wochen zuvor den Europacup gewonnen, waren in meinen Augen also auf Jahre unschlagbar. Aber bei den Kickers schoss ein gewisser Erwin Kostedde zwei Tore. Kaum ein Spieler hat mich seitdem so fasziniert wie der dunkelhäutige Mittelstürmer, nach dessen Vornamen später denn auch eines der besten deutschen Fanzines benannt wurde.

Dann verlor sich meine Verbindung zu den Offenbachern für viele Jahre. Erst als Erwachsener gab es ein Wiedersehen mit einem ihrer Idole: Der frühere Kickers-Nationalstürmer Siggi Held trainierte mittlerweile die Mannschaft Maltas - wenn auch mit absehbar bescheidenem Erfolg. Doch weil mein Urlaub auf der Sprachlerninsel nicht ganz so prickelnd war, sorgte mein Interview mit einem der alten Stars für Abwechslung. Zu Gast in seinem Haus, bot mir Siggi schließlich sogar seine Badehose an, um im Pool schwimmen zu können. Ein perfekter Tag…

Eines der sagenumwobenen Flutlichtspiele von Hermann Nuber, den Kremers-Zwillingen oder Winfried Schäfer habe ich leider nie gesehen. Doch einmal verschlug es mich doch auf den legendären Bieberer Berg - mit einem Kumpel zu einem Regionalligaspiel gegen den VfR Mannheim, irgendwann Anfang dieses Jahrtausends. Auch wenn ich einer von immer noch mehr als 5000 Zuschauern war - das langsame Sterben der Kickers hatte da schon begonnen.

insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
to5824bo 08.06.2013
1. 1974
"Drei Jahre später erwischten mich die Offenbacher wieder. Denn sie spielten gegen meine Bayern - und gewannen 6:0. Dabei hatten Beckenbauer, Maier und Müller doch noch wenige Wochen zuvor den Europacup gewonnen, waren in meinen Augen also auf Jahre unschlagbar." Nicht nur das. Die waren ein paar Wochen vorher sogar Weltmeister geworden - und Hoeneß und Schwarzenbeck auch. Und dann kriegten die alle zusammen bei den Kickers die Hucke voll.
ogniflow 08.06.2013
2. "Traditions-Liga"
Nach der idiotischen Reform der Regionalliga haben die meisten Vereine keine Chance mehr hochzukommen. Einfach eine eigene Liga gründen: Rot-Weiss Essen Kickers Offenbach FC Magdeburg Fortuna Köln Waldhof Mannheim Alemannia Aachen CZ Jena Wattenscheid 09 Hessen Kassel VFB Lübeck MSV Duisburg Lok Leipzig SSV Ulm Tennis Borussia Berlin Wuppertaler SV Rot-Weiß Oberhausen Das wird lustig, preiswert und stimmungsvoll. Endlich keine Spiele mehr gegen Ingolstadt II. Bald kommen ja auch noch Osnabrück, Bochum, 1860,Saarbrücken,Bielefeld,....dazu. Die Bayern können dann ja gegen die Hoffenheims und Red Bulls dieser Welt spielen.
esnike 08.06.2013
3. schade
ofc! ich fuehle mit allen fans der kickers. als (ehemals gluehender) anhaenger von rwe weiss ich, was in euch vorgeht. bei der dfb mafia haben Klubs wie die kickers und rot weiss essen leider keine Lobby. die frankfurter mafia zentrale kümmert es einen feuchten Kehricht , wo das herz des deutschen fussballs schlägt. hafenstrasse und biederer Berg werden totgeschlagen. schalker Betrüger und Münchener Geldsäcke werden hofiert. schade....und, ach ja: es lebe die LIGA DEPORTIVA DE ALAJUELA (mein neuer heimatklub....)
frundsberg45, 08.06.2013
4. Möge er in Frieden ruhen der "OFC"
Zitat von sysopimagoErwin Kostedde, Siggi Held, Fluchtlicht-Thriller und der Bestechungsskandal: Was wäre der deutsche Fußball ohne Kickers Offenbach? Ein persönlicher Abschied von einem Kultverein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/aus-fuer-offenbach-die-kickers-siggi-und-ich-a-904473.html
Ich wohne im Westkreis für mich ist dieser Verein nur ein Synonym für Skandal, Randale und nochmals Skandale. Mit würde einmal interessieren mit welchen Unterlagen dieser Verein überhaupt die Mittel erhielt, ein neues Stadion zu bauen, dass im Eigentum der Stadt steht. Hier wäre auch die Rolle des Offenbacher Oberbürgermeisters Schneider zu untersuchen, der schon mit dem Neubau des Klinikums gescheitert ist und selbiges für 1,00 an die Sana verkaufen musste, die Altschulden verbleiben natürlich bei der Stadt. SPD-Sumpf wohin man blickt. Nein, die Kickers dürfen gerne in der 4. Liga werkeln. Dieser Verein hat sich selbst das Grab geschaufelt. Ich hoffe, nachdem diesem Trauerladen schon einmal die Lizenz versagt wurde, dass er als DFP Pokalsieger in die Analen der Geschichte eingeht und in keiner Profi-Liga mehr auftaucht, weder in der 3. noch. 2. noch 1. Bundesliga. Schadenfreude ist doch die schönste Freude! Goodbye Kickers, sicherlich die Fans tun mir leid, aber die Mitglieder sind selbst schuld wenn jetzt die Profi GmbH Insolvenz anmeldet. Und auch die Mitarbeiter werden wohl teilweise ihren Job verlieren das ist schlimm. Aber so ist das wenn ein Verein als Laienspielschar geführt wird. Gut dass die CDU im Offenbacher Stadtparlament gegen die Stundungspläne der Stadionmiete gestimmt hatte. Das Armenvorhaus von Frankfurt/Main kann auch ohne den OFC leben. Und am Ende siegt die Gerechtigkeit: Denn bei alledem darf man nicht vergessen: Die solide wirtschaftenden Lilien bleiben in der 3. Liga und müssen nicht absteigen. Bravo Ihr Lilien, Solidität und ein gutes Wirtschaften wird doch noch belohnt.
keyjay 08.06.2013
5. ogniflow - wieder ein Nostalgiker
Ja, ja - die bösen reichen Vereine, keine Tradition, nur in der Bundesliga aufgrund wohlhabender Gönner etc. Mit Ihrem Vorschlag einer Traditionsliga bin ich sofort einverstanden. Man könnte diese auch Looserliga nennen. Vorteil wäre, man müsste sich nicht mehr mit Clubs herumschlagen, die keinerlei Ahnung vom wirtschaftlichen Arbeiten hätten wie die Offenbacher Kickers, 1860 München, Alemania Aachen, ... Wäre nur mal spannend zu sehen, was die Mehrheit der Fans sehen wollte. es wäre wahrscheinlich nicht die Looserliga.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.