Von Birger Hamann
Den Jammer-Kanon stimmte der Kapitän persönlich an: "Das ist ein Schock", sagte Philipp Lahm, Nationalspieler im Dienste des FC Bayern, nach der Verletzung seines Teamkollegen Bastian Schweinsteiger. "Für uns ist es sehr bitter. Und für ihn ist es eine Scheißsituation", ergänzte Mario Gomez, dreifacher Torschütze der Münchner beim 3:2-Sieg gegen den SSC Neapel im Champions-Legaue-Gruppenspiel, in dem sich Schweinsteiger das Schlüsselbein gebrochen hatte. Und Trainer Jupp Heynckes sagte vor dem Hintergrund, dass sein Spielmacher für den Rest des Jahres ausfallen wird: "Er ist der Taktgeber im Mittelfeld, der für Impulse sorgt. Seine Verletzung trifft uns."
Die Reaktionen der Bayern nach der Diagnose waren die üblichen Reflexe, wenn ein Spieler der Güteklasse Schweinsteiger längerfristig ausfällt. So etwas ist ärgerlich, keine Frage. Zumal nach Schweinsteigers Auswechslung gegen Neapel deutlich wurde, wie wichtig er für das Spiel der Bayern ist. Und natürlich gibt es keinen günstigen Zeitpunkt für einen Schlüsselbeinbruch. Aber im Falle des "Motors" (Gomez) der Bayern hätte es viele ungünstigere Momente für einen längeren Ausfall gegeben. Denn bis zur Winterpause werden die Münchner auch ohne ihren Spielgestalter erfolgreich sein.
Ein Grund dafür ist der stark besetzte Kader der Bayern. "Jupp Heynckes wird irgendetwas einfallen, dass wir selbst den Ausfall von Bastian Schweinsteiger kompensieren können", sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des FCB war einer der wenigen bei den Bayern, der die Analyse der Lage nüchtern und sachlich betrieb: "Natürlich schmerzt das sehr, wenn der Spielmacher in überragender Form ausfällt. Aber damit müssen wir fertig werden. Jetzt liegt es an den anderen, dies zu kompensieren." Und Präsident Uli Hoeneß sagte mit Blick auf den Ausfall: "Wir reden hier jetzt über sechs Wochen. Sechs Wochen - das muss der Rest des Kaders auffangen können."
Auch Toni Kroos ist ein Kandidat für die Schweinsteiger-Position, hat auf der Sechs bereits in der Nationalmannschaft mehrfach gespielt und dabei gute Leistungen gezeigt. Allerdings wird der 21-Jährige derzeit eher im zentralen offensiven Mittelfeld gebraucht. Dort vertritt er Thomas Müller, der wiederum im rechten Mittelfeld als Ersatz für Arjen Robben aushelfen muss. Wann der verletzte Niederländer in den Bayernkader zurückkehrt, ist offen.
Schweinsteiger zur Rückrunde gesund und ausgeruht
Im Gegensatz zu Robben, der an einer hartnäckigen Leistenverletzung laboriert, wird Schweinsteigers Schlüsselbeinbruch kaum weitere Komplikationen machen. Schmerzhaft ist er, aber nach jetzigem Stand auch in wenigen Wochen verheilt.
Für die Bayern könnte es sogar von Vorteil sein, wenn Schweinsteiger seine Verletzung in Ruhe auskuriert und ausgeruht in die Vorbereitung zur Rückrunde einsteigen kann. Er wäre dann topfit und womöglich wieder auf dem hohen Niveau der vergangenen Wochen, wenn es darauf ankommt: im April und Mai, wenn es für die Bayern aller Voraussicht nach um die Titel geht.
Die Ausgangslage des Clubs, in Liga, Pokal und Champions League Trophäen zu erringen, ist jedenfalls gut. In der Bundesliga sind die Bayern Erster, haben vier Punkte Vorsprung auf den FC Schalke. Und der Restspielplan der Hinrunde meint es gut mit den Münchnern. Borussia Dortmund (Tabellen-3.), Werder Bremen (4.) und 1. FC Köln (11.) heißen die Gegner zu Hause; auswärts müssen die Bayern beim FC Augsburg (17.), FSV Mainz 05 (15.) und VfB Stuttgart (6.) antreten. Ein Restprogramm, bei dem die Bayern auch ohne Schweinsteiger die nötigen Punkte holen werden, um als Tabellenführer in die Winterpause zu gehen.
Zudem ist ein Erfolg im Achtelfinale des DFB-Pokals beim Zweitliga-12. VfL Bochum Pflicht. Und in der Champions-League-Gruppe A benötigen die Münchner aus den zwei ausstehenden Spielen gegen den FC Villarreal und bei Manchester City nur einen Punkt, um das Achtelfinale zu erreichen. Gewinnt Neapel sein Heimspiel gegen Manchester, reicht dieser eine Punkt sogar zum Gruppensieg.
Herbstmeister, Viertelfinale im Pokal und K.o.-Runde in der Champions League: Die Bayern können in diesem Jahr noch viel erreichen, auch ohne Schweinsteiger. Der sei zwar "nicht eins zu eins zu ersetzen", wie Müller betonte. Mit Blick auf die komfortable Lage in allen drei Wettbewerben fügte der Nationalspieler aber an: "Eigentlich ist das alles Meckern auf hohem Niveau."
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