Ausnahmespieler Lionel Messi: Die Schwächen des Fußballgotts

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Gut, besser, Messi: Ganz Fußball-Europa schwärmt nach der Champions-League-Gala vom Angreifer des FC Barcelona. Hier genießt der Argentinier mittlerweile Gott-Status - in seiner Heimat nicht. Dort pfeifen die Fans ihn aus.

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Jetzt geht er wieder los, dieser Mega-Hype um Lionel Messi, bei dem kein Superlativ verboten ist. Während sein Trainer beim FC Barcelona, Josep Guardiola, den Argentinier noch vergleichsweise unaufgeregt als "ein Geschenk" bezeichnet, spricht Bayer Leverkusens Coach Robin Dutt schon von einem "Außerirdischen". Messis Teamkollege Carles Puyol ist aber auch diese Spähre nicht genug, er hält den Angreifer für den "Fußballgott".

Messi, Messi, immer wieder Messi: Fünf Tore erzielte der Angreifer beim 7:1-Sieg Barcelonas im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bayer Leverkusen. Das hat in der Geschichte dieses Wettbewerbs noch niemand geschafft. Eine herausragende Leistung eines herausragenden Spielers, keine Frage. Und natürlich ist Messi gegenwärtig der beste Fußballer der Welt - aber nur, wenn er das Trikot des FC Barcelona trägt.

Barça und Messi, das ist wie ein Symbiose. Wie Topf und Deckel. Das hat es so im europäischen Club-Fußball möglicherweise noch nie gegeben. Aber Messi hat bislang nur in Barcelona funktioniert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er derart überragende Leistungen auch in anderen Teams zeigt. Nur hat er das eben noch nicht zeigen müssen.

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Lionel Messi: Kleiner Mann ganz groß
Die Fußball-Fans in seiner Heimat wissen nur zu gut um dieses Problem: In Argentinien warten sie seit Jahren darauf, dass Messi endlich den Durchbruch schafft. Dass er mal mehr als zwei gute Spiele am Stück für die "Albiceleste" abliefert. Vor allem aber, dass der dreimalige Weltfußballer Argentinien endlich mal wieder einen großen Titel beschert, wie er sie mit Barcelona seit Jahren feiert. In der argentinischen Nationalmannschaft ist Messi überaus irdisch. Dort ist er häufig nicht mal ein Göttchen.

Barça übernahm die Therapiekosten für Messi

Um den Fußballer Lionel Messi zu verstehen, muss man seine Biografie kennen. Mit 13 Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Spanien aus, kam zum FC Barcelona. Messi litt damals unter Wachstumsstörungen. Die teuren Therapiekosten übernahm der Verein. "Was der Club für mich tat, als ich klein und schwach war, kann ich ihm nie zurückgeben. Sie müssten mich rauswerfen, damit ich Barça verlasse", hat Messi einmal gesagt. Es ist diese emotionale Ebene, die Spieler und Club so eng verbindet. Auch wegen ihr ruft Messi solche Leistungen im Barça-Trikot ab.

Dazu kommt die spielerische Dimension. Vor mehr als 20 Jahren hat das niederländische Fußball-Idol Johan Cruyff, von 1988 bis 1996 Trainer des FC Barcelona, dem Club das einst von Ajax Amsterdam perfektionierte 4-3-3-System verpasst. Dazu kam im Laufe der Jahre dieses virtuose Kurzpass-Spiel, genannt Tiki-taka. In La Masia, der Jugendakademie des FC Barcelona, werden Teams und Spieler nach genau dieser Spielphilosophie ausgebildet.

Messi, 24, spielt seit elf Jahren so. Barcelonas Mittelfeldstratege Xavi, 32, war nie bei einem anderen Club als Barça. Dessen genialer Partner hinter den Spitzen, Andres Iniesta, 27, wechselte mit zwölf Jahren zum Verein. Von den elf Spielern der Barcelona-Startelf, die am 28. Mai vergangenen Jahres im Champions-League-Finale Manchester United vorführte, wurden sieben in La Masia ausgebildet. Bester Spieler des Endspiels: Lionel Messi.

Bei Argentinien muss Torjäger Messi den Vorbereiter geben

Sicher, Messi ist ein hervorragender Dribbler. Seine Spielintelligenz ist enorm, seine Sololäufe sind eine Augenweide, seine Technik ist außergewöhnlich. Aber bei aller individueller Klasse ist Messi vor allem ein Systemspieler. Er hat seine Talente dem Barça-Spiel perfekt angepasst, kann sie dort voll ausleben.

Es gibt aber auch den anderen Lionel Messi. Der in der Nationalmannschaft förmlich unter seinen Mitspielern leidet, weil diese ihn und sein Spiel nicht verstehen. Vielleicht versteht aber auch Messi das argentinische Spiel nicht, in dem er eine andere Rolle einnimmt als in Barcelona. Im Club spielt er im Angriff mal rechts, mal links, mal zentral. Vor allem aber wartet er meist auf so geniale Zuspiele wie von Xavi vor dem 1:0 gegen Leverkusen. Oder wie von Cesc Fàbregas vor dem 3:0.

In Argentinien haben sie so exzellente Vorbereiter nicht. In der Nationalmannschaft soll Messi selbst der Vorbereiter sein. Er soll die Vorlagen für die Stürmer Gonzalo Higuaín und Sergio Agüero geben. Eingespielt ist das alles nicht. Mehr noch: Messi wirkt in der "Albiceleste" meist wie ein Fremdkörper. Wie jemand, der seinem natürlichen Lebensraum entrissen wurde.

Zudem wird Messi bei Argentinien als Spielmacher in ein Schema gepresst. So etwas widerspricht dem Fußball-Freigeist zutiefst, weil er damit seiner Genialität und seiner Unberechenbarkeit beraubt wird. Vor allem aber leidet Messis Torgefahr darunter:

  • Für Barcelona erzielte er in insgesamt 306 Pflichtspielen 225 Tore, rund 0,7 Treffer pro Partie.
  • In der Nationalmannschaft sind es in 65 Spielen gerade einmal 18 Tore (0,3 Treffer pro Partie).

Viermal ist Messi mit Argentinien angetreten, um einen großen Titel zu holen. Bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 scheiterte das Land jeweils im Viertelfinale, ebenso bei der Copa América 2011, als der sensible Messi sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde. Im Finale der Copa 2007 wurden Messi und Co. von Brasilien vorgeführt, sie verloren 0:3.

Argentiniens größte Fußball-Legende Diego Maradona, der sein Land 1986 zum Weltmeistertitel führte, ist auch einst nach Europa gewechselt, wo seine erste Station Barça war. Maradona hat einmal gesagt: "Lionel Messi wird besser, als ich es je war." In Barcelona würden sie das sofort unterschreiben. In Argentinien warten sie noch darauf.

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1. ...
kimba2010 08.03.2012
Zitat von sysopREUTERSGut, besser, Messi: Ganz Fußball-Europa schwärmt nach der Champions-League-Gala vom Angreifer des FC Barcelona. Hier genießt der Argentinier mittlerweile Gott-Status - in seiner Heimat nicht. Dort pfeifen die Fans ihn aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,820068,00.html
Barca hin, Barca her, solange man international keinen Titel mit der Nationalmannschaft geholt hat, ist man kein "ganz Großer" des Weltfussballs. Da kann man noch so ein Schönspieler sein.
2.
HaioForler 08.03.2012
Selbstverstaendlich muss ein Spieler zur Mannschaft passen und umgekehrt, denn mit einem eingespielten Skatpartner erzielt man mehr Siege als ohne. Das ist weder neu noch aendert es etwas ander Genialitaet von Messi. Und eventuell macht es ihm in Argentinien einfach keinen Spass. Weltklasse wuerde er ueberall spielen. So wie bei Barca aber eben nur bei Barca. Der Erfolg von Barca ist auf den Punkt eingedampft ganz wenn auch schwer umzusetzen und nicht ueberall und in jedem Umfeld zu kopieren: zusaetzlich zur Veranlagung und Koennen eines jeden einzelnen Spielers dort kennen die sich 10 Jahre oder laenger, verstehen sich blind. Ist doch nur logisch, dass ein Messi dort mehr knipsen kann, weil man weiss, wie der Pass am besten durchgestochen, der Spieler am besten freigespielt wird. Zudem wird er von einer genialen Mittelachse bedient. Ich moechte nicht wissen, was ein Gerd Mueller bei dieser Mannschaft knallen wuerde, da muessten die Gegner woechentlich das Netz wechseln. Dem wars ebenfalls egal, wie der Pass kam und wieviel Leute um ihn herumstehen. Und heute wird gar noch ohne Libero gespielt, da brauch er ja nur noch um eine Kette herum, einfacher als frueher.
3.
ehochpimali 08.03.2012
typisch deutsche debatte... stets wird vergessen, dass die grossen spieler vergangener tage, wie beispielsweise maradona, in der nationalmannschaft ganz fabelhafte spieler um sich hatten. dabei denke ich an die weltmeisterteams von pele, maradona, zidane usw. auch ohne ihre starspieler waeren diese mannschaften immer mitfavoriten auf den titel gewesen. messi hat meines erachtens das pech, dass die argentinische nationalmannschaft momentan sehr schwach besetzt ist, inklusive nationaltrainer. und jetzt soll bitte niemand mit tevez ankommen. wenn man sich die aktuellen spiele der argentinischen nationalmannschaft anschaut, dann faellt auf, dass messi fuer alles zustaendig ist. bei der letzten wm musste er sich die baelle im eigenen mittelfeld erobern und dann versuchen irgendetwas gescheites mit dem ball anzufangen, immerhin sind viele torvorlagen dabei rausgesprungen...bei christiano ronaldo regt sich auch niemand staendig darueber auf, dass er in der portugisischen nationalmannschaft nichts auf die reihe kriegt (nicht, dass man die beiden auch nur ansatzweise vergleichen koennte, messi spielt in ganz anderen spaehren). auch dieses gerede messi koenne nur in barcelona so ueberragen ist eine merkwuerdige aussage. fussball ist ein mannschaftssport und je besser die mitspieler desto besser kommen auch die eigenen faehigkeiten zum vorschein, wenn man aber sieht wie viele soli messi mit einem tor abschliesst oder die vielzahl seiner torvorlagen betrachtet, verstehe ich nicht, wieso man immer versucht in klein zu reden und auf barcelona zu reduzieren. diese faehigkeiten sind universell... messi hat sein potential nicht mal ausgereizt, dieses jahr fuehrt er sachen vor, die man vorher nur von ronaldinho sehen konnte, und das tempo im passspiel, das er in der lage zu vollfuehren ist, koennen hoechstens noch xavi und iniesta mitgehen, aber auch fuer diese beiden aussergewoehnlichen spieler wird es langsam schwierig, wenn er gut drauf ist. dieses kleinkarierte gehabe von den vielen "experten" geht einem dabei wirklich auf die nerven. "diese" behaupten dann auch, dass schweinsteiger so gut wie xavi ist, oder christiano r. ein kompletterer spieler als messi, weil er ja so gut im kopfballspiel ist...
4.
HaioForler 08.03.2012
Zitat von kimba2010Barca hin, Barca her, solange man international keinen Titel mit der Nationalmannschaft geholt hat, ist man kein "ganz Großer" des Weltfussballs. Da kann man noch so ein Schönspieler sein.
Unsinn. Messi muss nicht Weltmeister werden. Ein Grosser ist er jetzt schon. Und schoen spielen tut er auch. Und wie. Vergessen werden eher Weltmeister wie Schwarzenbeck.
5.
HaioForler 08.03.2012
Zitat von ehochpimalitypisch deutsche debatte... stets wird vergessen, dass die grossen spieler vergangener tage, wie beispielsweise maradona, in der nationalmannschaft ganz fabelhafte spieler um sich hatten. dabei denke ich an die weltmeisterteams von pele, maradona, zidane usw. auch ohne ihre starspieler waeren diese mannschaften immer mitfavoriten auf den titel gewesen. messi hat meines erachtens das pech, dass die argentinische nationalmannschaft momentan sehr schwach besetzt ist, inklusive nationaltrainer. und jetzt soll bitte niemand mit tevez ankommen. wenn man sich die aktuellen spiele der argentinischen nationalmannschaft anschaut, dann faellt auf, dass messi fuer alles zustaendig ist. bei der letzten wm musste er sich die baelle im eigenen mittelfeld erobern und dann versuchen irgendetwas gescheites mit dem ball anzufangen, immerhin sind viele torvorlagen dabei rausgesprungen...bei christiano ronaldo regt sich auch niemand staendig darueber auf, dass er in der portugisischen nationalmannschaft nichts auf die reihe kriegt (nicht, dass man die beiden auch nur ansatzweise vergleichen koennte, messi spielt in ganz anderen spaehren). auch dieses gerede messi koenne nur in barcelona so ueberragen ist eine merkwuerdige aussage. fussball ist ein mannschaftssport und je besser die mitspieler desto besser kommen auch die eigenen faehigkeiten zum vorschein, wenn man aber sieht wie viele soli messi mit einem tor abschliesst oder die vielzahl seiner torvorlagen betrachtet, verstehe ich nicht, wieso man immer versucht in klein zu reden und auf barcelona zu reduzieren. diese faehigkeiten sind universell... messi hat sein potential nicht mal ausgereizt, dieses jahr fuehrt er sachen vor, die man vorher nur von ronaldinho sehen konnte, und das tempo im passspiel, das er in der lage zu vollfuehren ist, koennen hoechstens noch xavi und iniesta mitgehen, aber auch fuer diese beiden aussergewoehnlichen spieler wird es langsam schwierig, wenn er gut drauf ist. dieses kleinkarierte gehabe von den vielen "experten" geht einem dabei wirklich auf die nerven. "diese" behaupten dann auch, dass schweinsteiger so gut wie xavi ist, oder christiano r. ein kompletterer spieler als messi, weil er ja so gut im kopfballspiel ist...
Richtig. Neid, nichts als Neid. Barca ist das Mass aller Dinge und Messi eine absolute Ausnahme. Es ist nun mal so wie es ist. Irgendwann werden andere Mannschaften aufschliessen, aber das kann dauern. Wer ein wneig Ahnung hat wird zugeben dass Barca viele Spiele gezeigt hat, die man vorher im Zusammenspiel so noch nie von anderen Mannschaften bisher gesehen hat. Das muss man neidlos anerkennen. Und es macht Spass zuzusehen. Weiter so.
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Champions League: Überragender Messi schießt Leverkusen ab

Sieger Uefa Champions League
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