Ausschreitungen bei FCK gegen KSC Nach dem Abpfiff begann die Prügelei

Nach dem Südwest-Derby zwischen Kaiserslautern und Karlsruhe prügelten sich die Fans im Stadion. Das hat es in der Bundesliga seit Jahren nicht mehr gegeben. In der Kritik stehen Polizei und Ordner. Schon am Vortag waren KSC-Offizielle bedroht worden.

Aus Kaiserslautern berichtet

DPA

SPIEGEL ONLINE Fußball
Srdjan Lakic, der Stürmer des 1. FC Kaiserslautern, versuchte gerade vor einer Journalisten-Traube den sportlichen Verlauf eines einseitigen Südwestderbys zwischen dem FCK und dem Karlsruher SC zu erklären, als er von einer wütenden Stimme aus den Lautsprechern unterbrochen wurde: "Die Anhänger beider Vereine" sollten damit aufhören, auf der Südtribüne aufeinander einzuprügeln, forderte der Lauterer Stadionsprecher: "Unterlassen Sie das sofort, Sie begehen schwere Straftaten."

Die Spieler beider Zweitligisten schüttelten in der Interviewzone genervt den Kopf. Kurz darauf zogen sich die Verantwortlichen beider Lager zur Beratung zurück.

Draußen verhallten die Worte des Stadionsprechers derweil ungehört - mitten auf der Südtribüne prügelten Karlsruher und Lauterer Fans weiter aufeinander ein. Als das Gros der 39.000 Zuschauer die Ränge bereits verlassen hatte, waren etwa hundert Anhänger des KSC über eine als Absperrung dienende Plane geklettert und in Richtung Heimkurve gerannt.

Solche Planen gelten seit ein paar Jahren als probater Schutz gegen Fans, die die angrenzenden Blöcke entern wollen. Allerdings nur dann, wenn auf der anderen Seite Ordner stehen. Das war am Samstag in Kaiserslautern nicht der Fall. Offenbar hatten die Sicherheitskräfte Minuten nach dem Abpfiff nicht mehr damit gerechnet, dass sich in den Reihen der verbliebenen 300 bis 400 KSC-Fans im Gästeblock noch so viele Gewaltbereite befinden würden.

Offiziell 18 Verletzte nach vier Minuten Prügelei

Von der Heimkurve aus eilten den Karlsruhern zwei Minuten später etwa hundert FCK-Fans entgegen, auf halber Strecke lieferten sich beide Gruppen eine Prügelei, die drei bis vier Minuten dauerte. Erst dann kamen Polizeieinheiten, die die Kontrahenten in ihre Blöcke zurücktreiben konnten. Nach Angaben der Polizeidirektion Westpfalz, deren Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE am Sonntag auf die Pressemitteilung verwies, gab es insgesamt "18 Verletzte, darunter jeweils sechs Ordner und Anhänger".

Doch auch nach der Prügelei im Stadion dauerte es noch eine Weile, bis die Lage im Griff war, auch bei der Abreise sollten beide Fanlager noch mit der Polizei zusammenstoßen. Noch 35 Minuten nach Spielschluss musste der Stadionsprecher KSC-Schläger dazu auffordern, den Bereich hinter der Südtribüne - ein ausschließlich mit FCK-Fans gefüllter Sitzplatzbereich - zu räumen. "Das ist eine polizeiliche Anordnung, der sie Folge zu leisten haben."

Zu diesem Zeitpunkt war die Pressekonferenz längst in Gange, die ungewöhnlich spät - 45 Minuten nach Abpfiff - begonnen hatte. Doch das sportliche Geschehen trat auch hier in den Hintergrund. FCK-Trainer Kosta Runjaic zeigte sich schockiert über die Randale: "Aus meiner Sicht darf so etwas in einem Stadion nicht passieren. Da müssen sich die Verantwortlichen Gedanken machen. Meinen Job habe ich mit der Mannschaft jedenfalls gut absolviert."

Tatsächlich ist es in der Ersten und Zweiten Bundesliga seit Jahren nicht mehr vorgekommen, dass sich rivalisierende Fangruppen innerhalb des Stadions prügeln. Am Samstag wurde das kriminelle Treiben dadurch begünstigt, dass die Polizei alle ihre Kräfte hinter die Gästetribüne beordert hatte, um bei der Abreise der KSC-Fans Schlimmeres zu verhindern. Warum nicht einmal ein kleines Kontingent in der Nähe der an die KSC-Kurve angrenzenden Bereiche blieb, dürfte polizeiintern hinterfragt werden. Der FCK hat derweil bereits angekündigt, "die Vorfälle genau zu analysieren und gegebenenfalls auch bauliche Veränderungen durchzuführen", wie FCK-Sprecher Stefan Rosskopf am Sonntag erklärte. Er geht von einer spontanen Aktion im Stadion aus.

Alles andere als spontan dürfte hingegen die Aktion gewesen sein, die bereits am Freitag ihre Schatten auf das Derby zwischen den beiden Erzrivalen geworfen hatte. 20 Vermummte hatten KSC-Manager Jens Todt und einen weiteren Karlsruher Offiziellen, die sich im Außenbereich ihres Hotels aufhielten, aufgefordert, "die Stadt zu verlassen". Die KSC-Verantwortlichen alarmierten daraufhin die Polizei. Die wiederum zeigte sich in einer Bilanz des Derbys "fassungslos über die Gewaltbereitschaft beider Fanlager - von Seiten der FCK'ler vor dem Spiel und den Karlsruhern nach dem Spiel".



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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
contrador 05.10.2014
1. Ich war vor Ort...
...und finde den Ruf nach Maßnahmen als Reaktion auf die Vorfälle übertrieben. Ich bin mit dem Sonderzug aus Karlsruhe angereist und muss sagen, dass der begleitete Transfer zum Stadion eigentlich recht gut geklappt hat. Die paar 1000 Fans aus Karlsruhe wurden zwar mit Leuchtraketen beschossen, doch hielt sich die Gefahr tatsächlich in Grenzen (Geschosse langsam und aus weiter Entfernung abgefeuert) Im Stadion selbst kam es zu einzelnen Provokationen, die das für mich gesunde Maß ein wenig überschritten haben. Bereits während des Spiels gab es Drohungen und auch wurden einige Becher in bzw. aus angrenzenden Blöcken geworfen. Bemerkenswert fand ich, dass es kaum Polizei an den Block-Grenzen gab. Das Problem liegt für mich in der geringen Toleranzschwelle vieler Stadionbesucher. Statt mit der ein oder anderen Spruch umzugehen, fahren viele doch aus der Haut. Ich selbst bin nach dem Spiel durch tausende FCK-Fans zum Hauptbahnhof gelaufen. Ich habe Gruppen zwielichtiger Fans gemieden und hatte so nie Sorge, dass mir was passieren könnte. Einige Frotzeleien, klar, aber das verbuche ich unter Fankultur. Alles in allem glaube ich, dass außer den Ordnern gestern niemand zu Schaden gekommen ist, der es nicht darauf angelegt hat. Was wir brauchen sind etwas mehr Polizei vor den Blöcken (vielleicht reichen auch einfach 3 Kameras) und ein paar Sprecher der organisierten Fanszene, die sich dfür ensetzen, dass es cleverer ist, cool zu bleiben oder Scharmützel verbal auszutragen. Umbauen ja, aber nur im Kopf!
movfaltin 05.10.2014
2. Rechtschreibung
Wer sich so konsequent den Grundschulrechtschreibregeln verweigert wie der verantwortliche SPON-Schreiber ("sie" als Anrede), sollte besser in einer anderen Sprache schreiben. Die englische Version von SPON hat erschreckenderweise drastisch mehr Niveau als die deutsche. Sollte der Beitrag in hochalkoholisiertem Zustand live aus der Fankurve geschrieben worden sein, und zwar mit der einen Hand, die gerade nicht dreschend geschwungen wurde - dann nötigt mir das immerhin doch Respekt ab. Embedded journalism at its best.
woistmeinaccount 05.10.2014
3. Und diesen Chaoten vom KSC soll die Stadt Karlsruhe einen Stadionneubau schenken??
Und diesen Chaoten vom KSC soll die Stadt Karlsruhe einen Stadionneubau schenken?? Geht's noch? Wenn diese Chaoten so auf Randale gebürstet gehen gäbe es derzeit bessere Kampfzonen als hiesige Fussballstadien. Hoffentlich gibt es aussagefähige Photos der Schläger.
Trainspotter 05.10.2014
4.
Solange keine unbeteiligten Fans, die mit Gewalt nichts zu tun haben wollen, dabei nicht zu Schaden gekommen sind, ist es nur halb so schlimm. Sollen diese Chaoten sich doch die Köpfe einschlagen!
Geridan 05.10.2014
5.
Wann werde ich als Steuerzahler nicht mehr für diese Fußballspiele aufkommen müssen? Lasst die Vereine für die Polizeieinsätze zahlen, legt die Kosten auf die Ticketpreise um. Wenn dann die Fußballspiele unattraktiv für die (subjektiv und polemisch: nicht so zahlungskräftigen) Idioten geworden sind und diese sich andere Möglichkeiten suchen um ihrer Lust zu fröhnen, ist zumindest der Fußball als Alibi nicht mehr vorhanden und es sollte leichter für die Behörden sein diese Leute aufzuspüren und zu belangen. Fußballfans wehrt euch, mir als Außenstehender sind ja wie bei so vielen Entscheidungen die Hände gebunden und ich kann nur tatenlos zusehen wie meine Steuergelder zum Fenster hinausgeworfen werden.
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