Australiens Keeper Mark Schwarzer Immer Pech mit Deutschland

Er hat deutsche Eltern, einen deutschen Pass - und erlebte in Deutschland einige seiner bittersten Niederlagen. Australiens Torwart Mark Schwarzer glaubt trotz der blamablen Auftaktpleite gegen die DFB-Elf ans WM-Achtelfinale. Das Spiel gegen Ghana dürfte für ihn zum Nerventest werden.

AP

Er hatte sich so auf das Spiel gefreut - und dann das. "Es ist der wahr gewordene Traum, für Australien gegen Deutschland zu spielen", sagte Mark Schwarzer vor der Partie gegen die DFB-Elf. Doch der Traum wurde für den Keeper der "Socceroos" zum Alptraum. Vier Tore gelangen der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, und zumindest beim zweiten Treffer der Deutschen durch Miroslav Klose machte Schwarzer eine schlechte Figur. Australiens Trainer Pim Verbeek sagte nach dem Spiel: "Diese Niederlage müssen wir erst mal verdauen. Wir haben jetzt zwei Endspiele." Das erste gegen Ghana an diesem Samstag (seit 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Der 37 Jahre alte Keeper gab im Juli 1993 sein Debüt in der australischen Nationalmannschaft. Seitdem hat er 76 Länderspiele absolviert, mehr als sechsmal so viele wie die drei deutschen WM-Torhüter Manuel Neuer (sieben Länderspiele), Hans-Jörg Butt (drei) und Tim Wiese (zwei) zusammen. Wenn man so will, ist Schwarzer der erfahrenste deutsche Torwart in Südafrika. Aber er spielt für die "Socceroos", weil seine Eltern Doris und Hans-Joachim 1967 von Stuttgart nach Down Under auswanderten.

Die Karriere Mark Schwarzers beginnt in seinem Geburtsort Sydney, wo er in einer Schülermannschaft spielt, sein Vater ist der Trainer. Weil der aber keinen Spieler findet, der sich freiwillig ins Tor stellt, beordert Papa Schwarzer kurzerhand den eigenen Sohn zwischen die Pfosten. "Es war wahrscheinlich die beste Entscheidung, die mein Vater je gemacht hat", sagt Schwarzer viele Jahre später.

Fiebern mit der DFB-Elf 1986 in Mexiko

Als Teenager schwärmt er für Rudi Völler, Karl-Heinz Rummenigge und Toni Schumacher. Daher wartet er immer gespannt auf die Pakete von Onkel Dieter aus Freiburg, der ihm die Trikots seiner deutschen Helden ins ferne Sydney schickt. Bei der WM 1986 in Mexiko hocken Schwarzer junior und senior gemeinsam vor dem Fernseher und drücken der DFB-Elf die Daumen, die im Finale 2:3 gegen Argentinien verliert. "Ich habe damals jedes Länderspiel verfolgt", so Schwarzer, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und perfekt Deutsch spricht, mit leichtem schwäbischen und amerikanischen Einschlag.

Nicht zuletzt die Sprachkenntnisse sind der Grund, weshalb er 1994 im Alter von 21 Jahren den Sprung nach Europa wagt und vom australischen Club Marconi Fairfield zu Dynamo Dresden in die Bundesliga wechselt. Doch mit dem sächsischen Dialekt hat der Deutsch-Australier Schwierigkeiten: "Ich verstand zunächst gar nichts." Und auch sportlich läuft es in Dresden nicht gut. Hinter dem Russen Stanislaw Tschertschessow ist Schwarzer die Nummer zwei, absolviert nur zwei Spiele und steigt mit Dynamo ab.

Er geht zum 1. FC Kaiserslautern, doch auch dort muss er sich mit der Reservistenrolle zufriedengeben. Unter Trainer Friedel Rausch kommt er auf vier Bundesliga-Einsätze, Otto Rehhagel degradiert ihn in der Saison 1996/97 gar zur Nummer drei hinter Andreas Reinke und FCK-Urgestein Gerry Ehrmann. Später sagt Schwarzer über seine Zeit in der Bundesliga einmal, sie sei "zeitweise bitter" gewesen, "aber es waren doch gute Lehrjahre".

Den Durchbruch schafft er in England. Im Oktober 1996 wechselt er für umgerechnet rund 230.000 Euro in die zweite Liga zu Bradford City. Rund ein halbes Jahr später sind dem Premier-League-Club FC Middlesbrough die Dienste des Keepers knapp zwei Millionen Euro Ablöse wert.

Ausländer mit den meisten Einsätzen in der Premier-League-Geschichte

Bis heute hat Schwarzer 403 Partien in Englands höchster Spielklasse bestritten, mehr als jeder andere ausländische Profi. Er gilt als Torhüter mit gutem Stellungsspiel und guten Reflexen. Bei Flanken kommen ihm seine 1,94 Meter Körpergröße und Sprungstärke zugute. Manchester United und der FC Liverpool klopfen im Laufe der Jahre bei Schwarzer an, der jedoch bleibt elf Jahre lang dem FC Middlesbrough treu, 2008 wechselt er zum FC Fulham.

Trotz - oder gerade wegen - seiner 37 Jahre gilt Schwarzer derzeit als einer der besten Keeper der Premier League. Angeblich will ihn der FC Arsenal für die kommende Saison verpflichten. In England wird er für seine Leistungen geachtet, in seiner Heimat verehren sie ihn. Seit dem 16. November 2005 ist er in Australien ein Volksheld. Im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay kommt es zum Elfmeterschießen. Schwarzer hält zwei Strafstöße, Australien gewinnt 4:2 und qualifiziert sich zum zweiten Mal nach 1974 für eine Weltmeisterschaft, die - passend zu Schwarzers Vita - wieder in Deutschland stattfindet.

Doch Deutschland bringt Schwarzer im Fußball kein Glück. Bei der WM 2006 scheidet Australien im Achtelfinale gegen Italien durch einen fragwürdigen Elfmeter aus, den Francesco Totti in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 1:0-Endstand verwandelt. Ein Jahr zuvor unterliegt die australische Auswahl beim Confederations Cup den Deutschen in Frankfurt 3:4. Und nun die bittere WM-Auftaktniederlage gegen die DFB-Elf in Südafrika. Dabei hätte die unglückliche Beziehung zwischen Schwarzer und Fußball-Deutschland vor zwei Jahren fast ein gute Wendung gefunden.

Angebot vom FC Bayern 2008

Im Sommer 2008 wollte ihn Jürgen Klinsmann zum FC Bayern holen, als zweiten Mann hinter dem unerfahrenen Michael Rensing. Schwarzer sagte in Erwartung der Münchner Ersatzbank ab, weil "damit hätte ich meine WM-Teilnahme riskiert". Stattdessen holten die Bayern Hans-Jörg Butt. Der verdrängte Rensing, wurde Stammkeeper, holte in der abgelaufenen Saison die Meisterschaft und den Pokal und stand im Finale der Königsklasse.

Doch anstatt um den Champions-League-Pokal zu spielen ging es für Schwarzer mit dem FC Fulham im Mai "nur" um die Trophäe in der Europa League. Die Engländer verloren 1:2 nach Verlängerung gegen Atlético Madrid. Für den Fußballer Schwarzer war es mal wieder keine gute Erfahrung mit Deutschland: Das Endspiel fand in Hamburg statt.

insgesamt 323 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Brieli 01.06.2010
1.
Zitat von sysopDeutschlands Gegner sind Australien, Serbien und Ghana. Was ist drin für das Team von Bundestrainer Joachim Löw?
Gruppensieg. Zweiter wird Ghana.
klumpenhund 01.06.2010
2.
Zitat von sysopDeutschlands Gegner sind Australien, Serbien und Ghana. Was ist drin für das Team von Bundestrainer Joachim Löw?
1.) Deutschland, wer sonst dahinter wird es eng: 2.) Ghana, haben zwar viele Verletzte, aber dafür eine intakte Mannschaft und Heimkontinentvorteil 3.) Serbien, könnte eine ähnliche Leistungsdifferenz zwischen Quali und Turnier wie Polen aufweisen 4.) Australien
BeckerC1972, 01.06.2010
3.
Hier tippe ich Deutschland Serbien Ghana Australien
Polar, 01.06.2010
4.
Zitat von sysopDeutschlands Gegner sind Australien, Serbien und Ghana. Was ist drin für das Team von Bundestrainer Joachim Löw?
Das wird noch haarig genug! Dennoch: Deutschland Serbien Australien Ghana
ray05, 02.06.2010
5.
Zitat von PolarDas wird noch haarig genug! Dennoch: Deutschland Serbien Australien Ghana
GER 210 7 GHA 030 3 AUS 021 2 SRB 021 2
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.