Auswärtsspielverbot für Köln-Anhänger: Fanvertreter wüten gegen DFB
DFB und DFL greifen durch: Weil Anhänger des 1. FC Köln Pyrotechnik im Stadion abfackelten, werden sie mit einem Auswärtsspielverbot belegt. Fanvertreter kritisieren die Strafe und warnen vor einer Gewalteskalation. Der Fußballbund gibt sich unbeeindruckt - und nimmt den nächsten Club ins Visier.
Hamburg - Stell dir vor, es ist Auswärtsspiel und keiner darf rein. Diese Horrorvorstellung für alle Fußball-Fans ist jetzt in Köln Realität geworden. Am Dienstag hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Bundesligisten wegen mehrfachen Fehlverhaltens seiner Anhänger mit einer harten Strafe belegt. Die Fans der Kölner werden vom Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim am 10. April komplett ausgeschlossen. Es ist das erste Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass eine derartige Strafe ausgesprochen wurde.
Fanvertreter werten diese Art der Sanktion als eine Art Kriegserklärung. "Das Urteil gegen Köln bestraft pauschal alle Fans für das Fehlverhalten einzelner", sagt Sandra Schwedler von der Initiative Pro Fans SPIEGEL ONLINE. "Durch solch überzogene Strafen, die vor allem Unschuldige treffen, geht der DFB auf Konfrontationskurs mit der gesamten deutschen Fanszene", erklärt Schwedler.
DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus verteidigt das Urteil des DFB-Sportgerichts. "In der Vergangenheit wurden durch die Sportgerichtsurteile stets die Clubs getroffen, indem sie hohe Geldbußen leisten mussten. In diesem Fall wurden auch die Fans bestraft. Das soll die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit im Kampf gegen Gewalt und Pyrotechnik im Stadion unterstreichen", sagte Hieronymus.
Man wolle nicht die Fans treffen, die friedlich ein Auswärtsspiel besuchen, beteuert der DFL-Mann. "Aber es muss sichergestellt sein, dass ein Anhänger ins Stadion gehen kann, ohne dabei Angst vor körperlichen Übergriffen haben zu müssen."
"Solche Maßnahmen erhöhen die Gewaltbereitschaft"
So eine Strafe erscheine dafür auf den ersten Blick die "einfachste Lösung" zu sein, sagt dagegen Fanvertreterin Schwedler. Dennoch sprach sie von einem kurzfristigen Denken. Die Maßnahme sei "absolut unverhältnismäßig".
Auch beim Kölner Fanprojekt glaubt man nicht an eine abschreckende Wirkung durch Bestrafung. "Solche Maßnahmen erhöhen eher die Gewaltbereitschaft und erschweren unsere Arbeit zusätzlich", sagte ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Gleichzeitig räumt das Fanprojekt das Fehlverhalten einzelner Anhänger ein. "Man muss wohl schon froh sein, dass es nicht zu einem Geisterspiel gekommen ist", sagte der Sprecher.
Genau das droht nun der Berliner Hertha. Denn gemessen an den Vergehen der Kölner Anhänger, die in erster Linie wegen des Abbrennens von Pyrotechnik bei verschiedenen Auswärtsspiele bestraft wurden, wiegt der Platzsturm von rund 150 frustrierten Berliner Fans nach der 1:2-Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten aus Nürnberg deutlich schwerer. Morgen verhandelt das DFB-Sportgericht über die Sanktionen gegen Hertha. Alles sieht danach aus, als käme es erstmals zu einem Geisterspiel in der Bundesliga-Geschichte.
Strafe auch für Nürnberg
Am Montag waren bereits die Anhänger des 1. FC Nürnberg bestraft worden. An die Fans des Bundesligisten dürfen erstmals in der DFB-Sportgerichtsgeschichte bei zwei Auswärtsspielen keine Stehplatztickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten verkauft werden. Dazu hatte das DFB-Sportgericht den Verein nach Gewaltausbrüchen während des Spiels am 27. Februar beim VfL Bochum verurteilt. Der Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz teilte mit, dass der Sanktionswert bei etwa 100.000 Euro liege.
In der Begründung hieß es: Wegen des unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger in Bochum wird der FCN zu einem Teilausschluss seiner Fans bei den Auswärtsspielen in Freiburg am 17. April und in Hamburg am 1. Mai verurteilt. Der FCN muss Freiburg und dem HSV Schadensersatz in Höhe des entsprechenden Stehplatzkontingents zahlen. Darüber hinaus spendet der Club in diesem Jahr und 2011 je 20.000 Euro an das Jugendamt Nürnberg zur Förderung des örtlichen Fanprojekts.
Verhärtete Fronten
DFL-Chef Hieronymus gibt sich in der Angelegenheit unbeeindruckt. "Diese Leute missbrauchen den Fußball als Plattform für Gewalt. Das können wir nicht akzeptieren. Wir sind keine Freunde von Repressalien, und wir haben in der Vergangenheit auch immer auf den Dialog gesetzt, aber dieses Klientel ist extrem schadhaft für die Bundesliga", so der ehemalige Profi des Hamburger SV.
"Dieses und auch das momentane Verhalten vom DFB, massenhaft Stadionverbote gegen Unschuldige zu verhängen, lässt die Frage offen, ob die Arbeitsgruppe Fandialog unter derartigen Voraussetzungen in der momentanen Form nicht abgeschafft werden sollte", sagt dagegen Fanvertreterin Schwedler, die beim Gewaltproblem die Clubs in die Pflicht nimmt: "Die Vereine und vor allem die Verbände sollen endlich anfangen, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden und mit den Fans gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichberechtigt und auf Augenhöhe."
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