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Bayern-Profi Ribéry: Die Krönung des Filou

Von Sebastian Winter, München

DPA

Erst das Triple, nun die Auszeichnung zum besten Fußballer Europas: Für Franck Ribéry ist es der persönliche Höhepunkt einer großen Spielzeit. Seit sechs Jahren ist er schon für den FC Bayern aktiv, überstand Täler und Affären. Mit jetzt 30 Jahren ist er so wertvoll wie nie zuvor.

Die große Bühne ist nicht Franck Ribérys bevorzugter Aufenthaltsort, jedenfalls wenn diese abseits des Fußballplatzes liegt. Am vergangenen Samstag noch hatte der Franzose nach seinem Kopfballtor gegen Nürnberg sein Trikot ausgezogen und war wie ein wilder Stier über den Rasen der Münchner Arena geflitzt, die Emotionen hatten ihn überwältigt. Doch jetzt, während der etwas steif inszenierten Wahl zu Europas Fußballer des Jahres in Monaco, wirkte Ribéry fast verlegen.

Als die Entscheidung zu seinen Gunsten gefallen war, lächelte der 30-Jährige ein bisschen - mehr nicht. Immerhin hatte er Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, den vierfachen Weltfußballer, hinter sich gelassen. "Das ist ein sehr spezieller Moment, es ist sehr, sehr schön", sagte Ribéry: "Ich danke meinen Mitspielern, den Fans, auch meiner Frau und meinen Kindern. Wir hatten ein tolles Jahr." Brave Sätze. Dabei hatte er diesen Titel so sehr herbeigesehnt, auch als Anerkennung seiner Leistungen.

Ribéry ist jemand, der nach Anerkennung lechzt. Ein einfacher Mann, das hat er selbst immer betont. Allerdings mit vielen Facetten, auch düsteren: Da ist seine Kindheit in einem Problemviertel der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer. Der Autounfall, der dem damals Zweijährigen das Gesicht entstellte. Die Zeit im Fußball-Ausbildungszentrum von Lille, Schulprobleme, Hänseleien, die Rückkehr zu seinem Vater, dem er auf der Baustelle half. Sein Debüt beim Erstligisten Metz war furios, sein Abgang ein halbes Jahr später zu Galatasaray Istanbul eine Farce - Ribéry war in eine Nachtclub-Schlägerei verwickelt und überwarf sich mit den Vereinsbossen in Metz.

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Franck Ribéry: Ein Franzose in Bayern
Der Wechsel nach Istanbul forcierte seine Karriere, er wurde für die Bayern interessant, im Juni 2007 verpflichteten sie ihn von Olympique Marseille. In einer Zeit, in der Oliver Kahn noch spielte und Ottmar Hitzfeld Bayern-Trainer war. Das ist eine gefühlte Ewigkeit her. Umso erstaunlicher, dass dieser impulsive Fußballer zu einer so großen Konstante im Bayern-Spiel werden konnte. Und dass er als Familienvater eine unappetitliche Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten überstand.

Am Donnerstag also stand er im Reichenparadies Monaco, in dunklem Anzug und Krawatte, und dankte seiner Familie. Keine zwei Kilometer von seiner französischen Heimat entfernt, wo er nie so verehrt wurde wie in München - auch nicht als Teil der Nationalmannschaft.

Ribéry will nur auf dem linken Flügel spielen

Die Bayern-Anhänger lieben dagegen Ribéry. Gegen Nürnberg erhoben sie sich bei seiner Auswechslung mal wieder von ihren Sitzen und applaudierten. "Er fühlt sich sehr wohl. Das hat es ja bisher auch noch nie gegeben, dass er sechs Jahre in einem Verein gespielt hat", sagte Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Ribéry hat in München eine neue Rolle gefunden. Er ist nicht mehr nur der technisch brillante, aber hitzige und verletzungsanfällige Filou, der Spitzbube. Das ist er auch noch, schlau und trickreich auf dem Platz. Aber Ribéry ist vor allem zu einem Stützpfeiler in Pep Guardiolas System geworden und einer der ganz Wenigen, die der neue Bayern-Trainer bislang auf seiner Position auf dem linken Flügel beließ. Guardiola weiß warum: Der unberechenbare Dribbelkünstler Ribéry hat dort seine größten Stärken. Und er will auch dort spielen, nirgendwo anders. Als Guardiola ihm anbot, hinter den Spitzen zu spielen, lehnte Ribéry ab.

Im Sommer-Trainingslager am Gardasee dirigierte er die Nebenleute, reagierte säuerlich auf noch so kleine Fehler und wirkte sehr fokussiert. Es sei gut, dass nun ein neuer Trainer mit einer anderen Philosophie komme, auch wenn es nicht einfach sei, betonte er immer wieder. Nun wird er zu einem Schlüssel im Bayernspiel werden. Gerade in dieser Phase, in der der Champions-League-Gewinner mitten im Systemwandel steckt und in der viele Bayern-Spieler nicht mehr so recht wissen, wo sie nun eigentlich genau stehen sollen. Mit 30 ist Ribéry so gut und wertvoll wie nie zuvor in seiner Münchner Zeit.

Insgesamt 36 Stimmen fielen auf Ribéry, 13 auf Messi, ganze drei auf Ronaldo. Es war eine deutliche Entscheidung. Ribéry verließ Monaco bereits eine halbe Stunde nach seiner Wahl. Er reiste mit Rummenigge nach Prag, zum europäischen Supercup gegen Chelsea.

Das Eden-Stadion ist eine verhältnismäßig kleine Fußball-Bühne. Ribéry wird dennoch froh sein, wieder Rasen zu betreten.

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insgesamt 56 Beiträge
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1. optional
raber 30.08.2013
Verdiente Krönung. Ribéry ist ein wertvoller Spieler und kann mit allen Finessen spielen.
2. traurig ist eher
robrien 30.08.2013
was es hier alles durch die Eingangskontrolle schafft. Sachlich falsch und auch ansonsten grenzwertig....
3. Lächerlich
XXYYZZ 30.08.2013
Eine lächerliche Wahl und ein lächerlicher Fanboy-Artikel. Es wird total ausgeblendet, daß mit Ribery ein Spieler ausgezeichnet wurde, der auch im fortgeschrittenen Alter das Prinzip des Fair Play mit Füßen tritt: zu regelmäßigem Treten, Schubsen und Ohrfeigen gesellen sich schnelles Fallenlassen und Lamentieren. Selbst im Champions League-Finale hätte er die rote Karte sehen müssen. Schlimm genug, daß so wenig Schiedsrichter sich trauen, seine Unfair Play zu ahnden. Noch schlimmer, daß Sportjournalisten seine Unsportlichkeiten nicht nur nicht thematisieren oder verniedlichen ("clever gemacht"), sondern auch noch auszeichnen. Erbärmlich, wie Journalisten sich damit als Jubelperser entblößen.
4. Ihr Neider seid lächerlich
atmos1 30.08.2013
Ribery hat es verdient ! Er ist seit Jahren der wichtigste Spieler beim Bayern und maßgeblich am Erfolg beteiligt. Und Ihr Neider und antifussballer kümmert Euch um Eure eigenen Probleme
5. Wahl
Freifrau von Hase 30.08.2013
Keine Ahnung, auf welchem Platz Ribéry bei der Wahl zum Weltfußballer landet. Aber vielleicht können Sie sich in der Zwischenzeit - wenn der Geifer nicht mehr so sprudelt - eine Shift-Taste kaufen? Es sieht immer so nach verpasstem Schulabschluss aus, wenn man alle Regeln der Groß- und Kleinschreibung ignoriert. Ganz abgesehen davon disqualifiziert es den Schreiber, zu irgendetwas seine Meinung abzugeben.
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