BVB-Neuzugang Witsel Der Doppel-Axel

Axel Witsel hat erst zwei Pflichtspiele für Borussia Dortmund gemacht und ist jetzt schon einer der Wertvollsten beim BVB. Gegen RB Leipzig glänzte der Belgier in zweifacher Funktion: Als Spielgestalter und als Torschütze.

BVB-Mittelfeldspieler Axel Witsel
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BVB-Mittelfeldspieler Axel Witsel

Aus Dortmund berichtet


Dafür, dass er noch nicht ganz bereit war für 90 Minuten Fußball in der Bundesliga, war er doch ganz schön bereit. Axel Witsel hielt sogar 93 Minuten durch, also die komplette Spielzeit der Partie zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig.

Lucien Favre hatte also ein bisschen geschwindelt, als er seinem Neuzugang zwei Tage vor dem Anpfiff nur eine verminderte Einsatzfähigkeit bescheinigte. Allerdings kann der Trainer des BVB zu seiner Verteidigung vorbringen, dass Witsel tatsächlich nur 73 Minuten bereit gewesen war. Der belgische Nationalspieler war in den ersten 20 Minuten nur anwesend, hechelte den Gegnern hinterher, die ihrerseits den Ball jagten, wie es ihr Trainer Ralf Rangnick mag und damit erfolgreich waren.

Die Dortmunder, vor allem auch beeindruckt durch den frühen Rückstand nach 31 Sekunden durch einen Treffer von Jean-Kevin Augustin, waren in der Anfangsphase sehr deutlich unterlegen. Axel Witsel, der auf der zentralen Position im Mittelfeld zum Einsatz kam, sollte dort für einen kontrollierten Spielaufbau sorgen und entscheidend dazu beitragen, die vordere Linie der weit vorne attackierenden Leipziger zu überspielen. Er brauchte seine Zeit, genau wie die Kollegen, die erst mit dem plötzlichen Ausgleich durch Mahmoud Dahoud in der 21. Minute die Saison begannen.

"Ich habe nicht groß nachgedacht"

Als das erste Spiel dann beendet und mit 4:1 gewonnen war, stand Witsel nicht nur als Kontrolleur des Mittelfeldes mit einer sehr ordentlichen Passquote von 89 Prozent, sondern auch als Torschütze vor den Mikrofonen. "Ich habe da nicht groß nachgedacht. Der Ball war in der Luft, da habe ich zum Fallrückzieher angesetzt", sagte der 29 Jahre alte Belgier zu seinem sehenswerten Treffer.

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Witsel war im Sommer in schwierigen Verhandlungen und mithilfe von etwa 20 Millionen Euro von Tianjin Quanjian losgeeist worden. Vor der Saison bei dem chinesischen Klub hatte er fünf Jahre lang in Russland bei Zenit St. Petersburg sein Geld verdient. Der Fußballexperte Dietmar Hamann schloss daraus, dass Witsel viele Jahre nur auf bescheidenem bis gar keinem (China) Niveau gefordert gewesen sei. Thomas Delaney, der ähnlich viel Geld kostete und zuvor schon bei Werder Bremen in der Bundesliga spielte, sei daher der wertvollere Neuzugang.

Die ersten Wochen der Saison sprechen gegen die These. Witsel war gegen Leipzig der beste Dortmunder Feldspieler. "Er hat die nötige Ruhe im Spielaufbau, und er schießt Tore", lobte Trainer Lucien Favre den belgischen Nationalspieler. Schon im Pokal, beim knappen Sieg gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth hatte Witsel getroffen.

Götze bislang der Verlierer

"Leipzig hatte schon mehr Pflichtspiele und wir haben nicht so angefangen, wie wir das wollten. Aber dann haben wir gut gespielt und vier Tore gemacht. Jetzt ist jeder glücklich", gab Witsel mit einnehmenden Lächeln zu Protokoll. Die bei Dortmunder Neuzugängen übliche Lobpreisung der heimischen Umgebung lieferte er auch ab: "Als ich zum Warmmachen rausgekommen bin, habe ich schon diese positiv verrückte Stimmung in Dortmund gespürt."

Ein Torschuss, ein Tor - Axel Witsel verkörperte die gegen Leipzig ausschlaggebende Effizienz des BVB, der an vielen Stellen noch Verbesserungsbedarf hat. Lucien Favre veranschlagte gar "Stunden", um detailliert zu erzählen, was an Arbeit auf ihn zukomme. In der Grundformation, die er zum Auftakt wählte, waren links und rechts neben Witsel nur zwei Plätze im Mittelfeld frei. Den einen erhielt Delaney, den anderen Mahmoud Dahoud. Für Mario Götze, der mal wieder einen Neuanfang starten wollte, blieb nur der Platz auf der Bank.

Das komme mal vor in einem "sehr breit" besetzten Kader, spielte Sportdirektor Michael Zorc die Personalie herunter. Grundsätzlich sei Götze bereit. Wohl auch für 90 Minuten.



insgesamt 7 Beiträge
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rudig 27.08.2018
1. leider
will der BVB Kagawa los werden. Ich finde, daß er sehr stark im Zweikampf ist und hervorragende Flanken schießt. Besser als z.B. Götze. Würde mich interessieren was andere im Forum dazu meinen?
road_warrior 27.08.2018
2. Oh weh!
Liebe SPON-Redaktion, zwei Dinge: (a) Könntet Ihr bitte bis zum mindestens 10. Spieltag mit Aussagen wie "schon jetzt der wertvollste Neuzugang" warten? Und (b): Didi Hamann ist genauso (oder sogar noch weniger) ein Experte wie Loddar.
Pless1 27.08.2018
3. Natürlich bleibt viel zu tun
Das ist an einem ersten Spieltag auch nicht anders zu erwarten, zumal mit neuem Trainer. Neue im Kader kennen die Laufwege der Kollegen noch nicht so gut etc. Dann auch noch eine Nach-WM-Saison. Dafür war die Vorstellung der Borussia schon sehr gut. Vor allem - das war der große Unterschied zur Vorsaison - hat man sich vom Schock des frühen Gegentores nicht so stark verunsichern lassen, dass es zu einem Einbruch kam. Die Mentalität stimmte! Die Startelf, die sich abzeichnet, lässt leider Spieler auf der Bank zurück, die Vereinsikonen oder Top-Talente sind: Götze, Kagawa, Sahin und auch Weigl werden einen schweren Stand haben. Das ist bitter, aber das ist eben auch Sport. Drei dieser Vier waren schon einmal weg, die jeweiligen Rückholaktionen haben sich allesamt nicht wirklich als sinnvoll erwiesen. Es geht halt nie zurück in die Vergangenheit oder wie der Kölner sagen würde: Watt fott es es fott.
benedetto089 27.08.2018
4.
Habe das Spiel gestern gesehen. Das 4:1 finde ich ist etwas zu hoch aufgefallen. Trotzdem: Schön, das Witsel in die Bundesliga gewechselt ist und auch gleich zündet. Zu hören war ja, dass er auf Gehalt verzichtet hat um nochmal in Europa anzugreifen, spricht auch für ihn. Ich hoffe für den BVB und die Spannung in der Liga, das mal wieder ein Transfer-Coup gelungen ist.
gnarze 27.08.2018
5. Ziemlich reißerisch,
zumal mir Delaney viel besser gefallen hat, aber der hat vermutlich nur genug Glamour....
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