Witsel-Transfer Diesmal ist der BVB eben Barça

Der BVB will den Spieler, der Spieler will zum BVB - aber die bösen Chinesen stellen sich quer. Empörung! Dabei ähnelt das Werben um Axel Witsel auffällig dem Fall Ousmane Dembélé. Mit neu verteilten Rollen.

Axel Witsel
AP

Axel Witsel

Eine Analyse von


Erinnern Sie sich noch an den Transfersommer 2017? Fast auf den Tag genau vor einem Jahr meldete Paris Saint-Germain Vollzug. 222 Millionen für Neymar, Rekord. Zumindest für die Bundesliga war die Geschichte damit aber noch nicht vorbei: Denn der FC Barcelona saß auf einem gigantischen Haufen Geld und hatte einen möglichen Nachfolger des Brasilianers in Dortmund ausgemacht. Es folgte das wochenlange Gezerre um Ousmane Dembélé.

Trainingsstreik, Söldnerdiskussion, schwarz-gelbe Empörung. "Der soll auf der Tribüne versauern", rief manch BVB-Fan, schließlich fanden die beiden Klubs doch noch eine Lösung. Über die Ablösesumme, wie immer, 105 Millionen Euro wurden es. Ein Jahr später droht sich der ganze Ablauf zu wiederholen - diesmal aber steht Borussia Dortmund auf der anderen Seite.

Der Reihe nach: Axel Witsel hat ein starkes WM-Turnier gespielt. Der Belgier organisierte vor der Abwehr das Spiel des Halbfinalteilnehmers, hinter Kevin De Bruyne oder an dessen Seite. Im Rampenlicht standen natürlich andere, Eden Hazard mit seinen Tempodribblings, Romelu Lukaku mit seinen wuchtigen Abschlüssen - aber Witsel gehörte dank seines zuverlässigen Passspiels ebenfalls zu den Gewinnern im belgischen Team. Das hat man auch beim BVB so gesehen und sich bei Witsels Verein Tianjin Quanjian erkundigt. Der schüttelte jedoch den Kopf.

Ein feines Remake: Witsel in der Rolle des Dembélé

"Nervenspiel", "Zuspitzung", "Transferpoker": Aus diesen Zutaten wird nun die aktuelle Berichterstattung über den möglichen Wechsel des Belgiers in die Bundesliga zusammengerührt. Von einem angeblichen Medizincheck war bereits zu lesen, der hat bisher aber noch nicht stattgefunden.

Ousmane Dembélé, Sommer 2017
AFP

Ousmane Dembélé, Sommer 2017

Die Geschichte, die man sich am Stadion Rote Erde erzählt: Borussia Dortmund will den Spieler, der Spieler will zu Borussia Dortmund - aber die bösen Chinesen wollen ihn nicht ziehen lassen. Ein feines Remake: Witsel in der Rolle des Dembélé, der BVB in der des FC Barcelona. Peter Bosz wird von Tianjin-Coach Paulo Sousa verkörpert, der jüngst vehement erklärte: "Witsel wird am 5. August zurückkehren."

Sicher, die beiden Fälle unterscheiden sich auch in mehreren Punkten. Dembélé hatte einen Arbeitsvertrag mit langer Laufzeit und trat schließlich in den Streik. Im Fall Witsel könnte dagegen alles auch sehr viel geräuschloser gehen: Aktuell kreist die Diskussion vor allem darum, ob Witsels Ausstiegsklausel in Höhe von 20 Millionen Euro außerhalb des Transferfensters der Super League gültig ist oder nicht. Und wenn nicht?

Dann wird es trotzdem eine Einigung geben. Wie es immer eine Einigung gegeben hat, seit die ersten Menschen auf einem Marktplatz Güter getauscht haben, und A bereit war, B im Tausch ein Angebot zu machen, dass B über seinen Verlust hinwegtröstete. Oder A eben kein Interesse mehr hatte. Es ist ein ganz normaler Sommertransfer. Eine moralische Aufladung aber ist hier - bei aller echten Liebe - ebenso unangemessen wie im Fall Dembélé. Lassen wir doch bitte die ganze "Herzenswunsch"- und "Steine in den Weg gelegt"-Rhetorik einfach weg.

Oder erinnern Sie sich wirklich nicht mehr an den Transfersommer 2017?



insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
simie 02.08.2018
1.
Dass es in dem Fall jedoch eine Ausstiegsklausel gibt, ändert die Situation doch grundlegend. Schwacher Artikel.
philipp.zuerich 02.08.2018
2.
Sollte es einen Willen und eine Möglichkeit geben nach Europa zu gehen....wechselt er zu nem gescheiten Klub in England, Spanien oder Italien. Und dann ist und bleibt Dortmund die graue Maus Dortmund.
linnewiesler 02.08.2018
3. Eine verpasste Chance für den Spiegel
Also der Artikel grenzt an Verleumdung von Borussia Dortmund und dem Spieler. Dembele hat seinerzeit durch einen Streik den Vereinswechsel erzwungen, ob Barca hier aktiv hingewirkt hat wird im Zweifel nicht nachzuweisen sein, dennoch haben sich genug Experten aus der Szene hier eindeutig positioniert. Nichts dergleichen ist im vorliegenden Fall passiert, startet das Training doch in China erst am 05.08. Sollte Witsel beim Training fehlen, könnt ihr gerne die Geschichte vom bösen Spieler und scheinheiligen Verein bemühen, Stand jetzt jedoch nicht. Aktuell geht es um eine Ausstiegsklausel und die Frage ob diese nur während dem chinesischen Transferfenster gültig ist. Hier wäre für die Fans eine Recherche und Einschätzung, welche Seite sich im Recht wähnen sollte sehr hilfreich und ein echter journalistischer Mehrwert. Leider hat der Spiegel diese Chance nicht genutzt....
Sal.Paradies 02.08.2018
4. Wie immer wird der Kern unterschlagen
Wie so oft, wird hier ein Vergleich generiert, der kein echter sein kann. Warum? SPON, wie man ihn kennt, unterschlägt gefließentlich, dass O.Dembele "keine Ausstiegsklausel" hatte und den BVB mit Trainingsboykott faktisch "erpresste"! Witsel "hat" eine Ausstiegsklausel, wobei diese von den Chinesen in Abrede gestellt wird. PS: Der BVB ist und war noch nie eine "graue Maus", denn diese verortet man ca. 23Km westlich in "Bochum"! Schön wäre, wenn SPON erst einmal journalistische Arbeit verrichtet, also wie es sich z.B. mit den Regularien in CHina verhält, um dann die "richtigen" Schlüsse zu ziehen. Den Fall Dembele mit dem aktuellen vno Witsel gleich zu stellen, ist einfch nur billige dreiste Verleumdung. Da scheint beim SPON noch so richtig die Sommerpause in den Köpfen der Redakteure zu hausen... ;-)
GustavN 02.08.2018
5.
Das alte Prozedere: Wenn ein Spieler von einem schlechteren Verein zum jeweiligen Lieblingsklub wechselt, ist es "ein logischer Schritt". Sobald aber ein Spieler vom Lieblingsverein des Fans zum nächsthöheren Verein will, dann ist der Spieler natürlich geldgeil oder hat einen schlechten Charakter oder eine Legionärsmentalität... Profifußball ist ein milliardenschweres Business - wem das nicht gefällt, muss halt zu seinem Kiezklub gehen, der in der Kreisklasse wirklich noch mit Leidenschaft und Eifer spielt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.