Darmstadt-Kapitän Sulu Solche Karrieren gibt es eigentlich nicht mehr

Er war nie in einem Jugendleistungszentrum, spielte lange nur bei Provinzvereinen. Nun ist Darmstadts Kapitän Aytac Sulu mit 30 einer der torgefährlichsten Abwehrspieler Europas. Ein Aufstiegswunder.

Aytac Sulu
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Aytac Sulu

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Die kuriose Karriere des Aytac Sulu ist eine Geschichte der kleinen Namen und großen Aufstiege. In der Jugend spielte er für den FV Nußloch und die SG Heidelberg-Kirchheim. Über Stationen wie Sandhausen, den VfR Aalen, Gençlerbirligi Ankara und den österreichischen Zweitligisten Rheindorf Altach landete er vor drei Jahren beim SV Darmstadt 98, der damals gegen den Sturz in die Viertklassigkeit kämpfte. Nur wegen des Zwangsabstiegs von Kickers Offenbach durfte die Mannschaft in der dritten Liga bleiben.

Danach ging es aufwärts, für Darmstadt und für Sulu. Der Klub schaffte erst den Sprung in die zweite und im vergangenen Sommer sogar in die erste Bundesliga. Und Sulu wurde erst zum Leistungsträger, dann zum Kapitän und in dieser Saison zu einem der torgefährlichsten Innenverteidiger Europas. Mit 30 Jahren ist seine Karriere auf dem Höhepunkt.

Das Restprogramm von SV Darmstadt 98

Spieltag Gegner Heim/Auswärts
30. FC Ingolstadt H
31. 1. FC Köln A
32. Eintracht Frankfurt H
33. Hertha BSC A
34. Borussia Mönchengladbach H
Beim 2:1-Erfolg gegen den Hamburger SV am Samstag erzielte Sulu sein siebtes Saisontor, das sechste per Kopf. Einen der stets gefährlichen Freistöße von Konstantin Rausch aus dem Halbfeld verwertete er in der 38. Minute zum 1:0 und brachte seine Mannschaft damit auf Kurs für einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Es war der erste Sieg der Darmstädter seit dem 7. Februar. Acht Spiele hatte die Mannschaft vor der Reise nach Hamburg nicht gewonnen.

"Ich bin stolz auf meine Mannschaft und darauf, wie sie mit den Vorfällen vor dem Spiel umgegangen ist", sagte Trainer Dirk Schuster. Die Vorfälle vor dem Spiel, damit meinte er einen Bierdosen-Wurf auf dem Weg zum Stadion, bei dem eine Scheibe des Darmstädter Mannschaftsbusses durchschlagen worden war.

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Und er meinte den kurzfristigen Ausfall von Slobodan Rajkovic. Der Innenverteidiger erlitt beim Warmmachen eine Muskelverletzung. Es kam also noch mehr auf Sulu an, und der Kapitän wurde seiner Rolle gerecht - nicht nur wegen seines Treffers. Er stand in der Abwehr sicher, köpfte viele Bälle aus der Gefahrenzone und gewann mehr als 70 Prozent seiner Zweikämpfe. Zwei Drittel seiner Pässe fanden ihr Ziel.

Dass sich die Darmstädter tapfer halten in der Bundesliga, wird oft mit Angreifer Sandro Wagner und bisher zwölf Saisontoren erklärt. Die wahre Galionsfigur des Teams ist allerdings Sulu, ein in Heidelberg geborener Vollbartträger, der eine Karriere hinlegt, wie sie im Zeitalter der Nachwuchsleistungszentren eigentlich nicht mehr vorgesehen ist.

Sein Debüt als Profi gab er im Alter von 25 Jahren. Die laufende Saison ist seine erste überhaupt in der Bundesliga. Als Ein-Mann-Abwehrbollwerk und Kopfballungeheuer bei Standards ist Sulu entscheidend daran beteiligt, dass die Darmstädter auf einem guten Weg zum Klassenerhalt sind. Mit ihrer Stärke bei Ecken und Freistößen haben die Hessen eine wichtige Waffe. "Für uns ändert sich nichts", sagte Sulu nach dem Sieg in Hamburg, durch den der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Punkte wuchs: "Wir wissen, dass wir vom ersten bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfen."



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johannesraabe 11.04.2016
1.
Darmstadt kann man als kleines Leicester des deutschen Fußballs bezeichnen. Maximal wenig Geld im Vergleich zu den anderen und dennoch besser als viele andere Vereine. Darmstadts Vorteil ist, dass sie frische Strukturen und Ideen haben. Nicht so wie der rostige Dino von der Elbe, der vor sich hin vegetiert und seine Schulden von A nach B verschiebt. In der nächsten Saison werden wir noch größere Unterschiede sehen. Das Retortenmonster aus Leipzig wird sich festbeißen und der 1.FC und der SCF werden es dem HSV dem SVW und vor allem dem FCKöln gewaltig schwer machen.
wiesel 11.04.2016
2. Villeicht würden sie gerne
Leicester mit Darmstadt vergleichen, aber Leicester profitiert genauso wie die anderen Premierleauge Vereine von den Hohen TV einnahmen, und hat bei weitem mehr Geld zu Verfügung. Dies sieht man auch daran, dass Leicester durchaus Transfers im zweistelligen Millionenbereich getätigt hat, die sich Darmstadt niemals leisten könnte
rolli 11.04.2016
3.
Mindesten 80% der Talente bleibt dem DFB pro Jahr verborgen. Dahinter steckt auch die von Mayer-Vorfelder eingebrachte These, dass wer des bis 12 nicht zu einem Grossverein gebracht habe, eigentlich seinen Traum bereits ausgeträumt habe und ohnehin nichts wert sei. Genau so agiert der DFB und die darin etablierten Vereine. Und hinzu kommt noch etwas, was ich den Faschismus der Trainer bezeichne. Nicht wer gut Fussball spielen kann, sondern wer dem Trainer passt und in dessen Konzept passt wird gefördert. Und dann noch der Egoismus der Vereine, die gute Spieler nicht für Lehrgänge melden. Man kann im Vergleich zu 2000 sehr gute Fortschritte feststellen, aber das betrifft die Jugendförderung nur ganz wenig. rolli
herzbube 11.04.2016
4. Provinz
der Sieg von Darmstadt ist auch ein Sieg gegen die verschuldete Möchtegern "Weltstadt"
viceman 11.04.2016
5. darmstadt ist eine truppe,
der man den klassenerhalt absolut wünschen muß. eine mannschaft, die sich auch durch die widrigkeiten mit fehlentscheidungen nicht aus dem tritt bringen ließ, die nicht jammern , sondern weiterkämpfen. das ist noch "sportsgeist" ...
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