Rassismusvorwürfe gegen FSV Zwickau "Das war Wahnsinn"

Schwere Anschuldigungen in der Regionalliga Nordost: Babelsberg-Spieler werfen Trainer und Spielern von Zwickau rassistische Sprüche vor. Der FSV-Coach weist die Anschuldigungen zurück, ein Spieler räumte hingegen Fehlverhalten ein.

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Ein hitziges Regionalligaspiel, ein hitziges Nachspiel: Auf der Pressekonferenz nach der Partie zwischen dem FSV Zwickau und dem SV Babelsberg 03 vom Sonntag (0:0) warf Heimtrainer Cem Efe den Zwickauern Rassismus und Diskriminierung vor, auch anwesende Pressevertreter und Babelsberg-Stadionsprecher Thomas Hintze berichteten von diskriminierenden Aussagen.

Am Montag, einen Tag nach dem Eklat, sagt Efe SPIEGEL ONLINE: "Mein Spieler Enes Uzun hat mir gesagt, dass der Zwickauer Trainer Torsten Ziegner ihn 'Scheiß Türke' genannt hat." Man könne sich sich ja einiges sagen auf dem Platz, auch Beleidigungen gehörten dazu: "Aber das war zu viel. Das war Wahnsinn."

Uzun bestätigte die Aussagen seines Trainers: "Bei der ersten Aktion, als ich den Ball von ihm nehmen wollte, hat mich der gegnerische Trainer als 'Scheiß Türke' beleidigt", sagt der Fußballer SPIEGEL ONLINE. Auch Babelsberg-Kapitän Bilal Cubukcu, der laut eigener Aussage in der Nähe seines Mannschaftskollegen stand, will den Spruch gehört haben. Zudem berichtete er von beleidigenden Sprüchen ("Kanaken") eines Zwickauer Spielers. Laut Uzun sagte ihm Ziegner nach dem Spiel im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg: "Wir sind hier zu Hause."

Ziegner weist Vorwürfe zurück

Auf Anfrage ließ Zwickau-Geschäftsführer Jörg Schade mitteilen, dass der Vorwurf "nach Rücksprache mit Herrn Ziegner" als haltlos zurückgewiesen werde. Dies gelte auch bezüglich des zuvor vom SV Babelsberg erhobenen Vorwurfs, dass eine solche Äußerung durch ein Mitglied der Wechselbank des FSV Zwickau getätigt worden wäre.

Auf der Pressekonferenz auf die Beleidigungen angesprochen hatte Zwickau-Trainer Ziegner ausweichend reagiert, dort gab es allerdings auch noch keinen konkreten Vorwurf gegen ihn selbst: "Das sind ja immer zwei Seiten, die hier betrachtet werden. Mein Kollege (Efe, d. Red.) hat jetzt einen Spieler (Uzun, d. Red.) von sich angesprochen, dass er irgendwas zugeflüstert bekommen hat. Ich glaube ihm das, das mag auch so sein. Aber ich könnte dann auch erzählen, was meine Spieler um die Ohren kriegen. Das ist nun mal so. Die eine Seite erzählt so, die andere Seite erzählt so."

Zwickau-Trainer Ziegner: "Haltlose Vorwürfe"
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Zwickau-Trainer Ziegner: "Haltlose Vorwürfe"

Da rastete Efe aus: "Wenn du sagst: 'Scheiß Türke', dann ist das doch kein normaler Fall mehr, Mann", schimpfte der Coach. Wobei das "du" in diesem Satz auch als "man" interpretiert werden konnte. Ziegner brachte während der Tirade seines Gegenübers keinen vollständigen Satz mehr heraus, einige Male sagte er noch "Ja", dann gab er sein Mikrofon zurück.

Ziegner stand schon einmal im Zentrum von Rassismusvorwürfen: In einer Drittligapartie 2008 zwischen Carl Zeiss Jena und Eintracht Braunschweig soll er seinen Gegenspieler Kingsley Onuegbu als "schwarze Sau" beleidigt haben. Vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurde er deshalb für fünf Meisterschaftsspiele gesperrt. Babelsberg-Trainer Efe sagte zu den mutmaßlichen neuen Diskriminierungen der Zwickauer gegen seine Spieler: "Es kommt nicht zum ersten Mal vor."

Nicht nur der Zwickauer Trainer steht im Verdacht, sondern auch einer seiner Spieler: Stadionsprecher Thomas Hintze will Beleidigungen von Marc-Philipp Zimmermann gehört haben. Dieser soll nach dem Abpfiff an Hintze vorbeigegangen sein und in Richtung Tribüne gerufen haben: "Nur Ausländer und Kanaken hier." Diesen Vorwurf hatten auch die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" erhoben.

Laut Zwickau-Geschäftsführer Schade hat Zimmermann im Gespräch zugegeben, "nur Ausländer hier" gesagt zu haben. Er war demnach zuvor von Babelsberger Zuschauern auf der Haupttribüne mit Bechern beworfen und beleidigt worden. "Unabhängig von der vorausgegangenen Situation hat Herr Zimmermann hier klar gegenüber uns ein Fehlverhalten eingeräumt und bedauert, was disziplinarische Konsequenzen haben wird."

"Der FSV Zwickau, seine Gremien und Mitglieder, verstehen sich als politisch neutral, wobei Dinge wie Toleranz, Menschlichkeit und fairer Sportsgeist aus unserer Sicht unverhandelbare und nicht zur Disposition stehende Werte sind", teilte der Verein mit. Geschäftsführer Schade wies jedoch auch darauf hin, dass man sich in Babelsberg nicht als willkommener Gast gefühlt habe.

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