Ballack-Verletzung DFB-Ärzte kämpfen gegen die Zeit

Wird Michael Ballack fit? Oder verpasst der Nationalmannschaftskapitän erneut ein großes Endspiel? Die medizinische Abteilung des DFB versucht, den wichtigsten deutschen Spieler rechtzeitig vor dem EM-Finale gegen Spanien einsatzbereit zu bekommen. Selbst der Gegner hofft mit.


Michael Ballack würde der "Schlüssel" zum Finalsieg gegen Spanien sein, hatte Franz Beckenbauer noch am Samstag prophezeit. Wenige Stunden später ist der allesentscheidende Faktor im deutschen Team vor dem EM-Endspiel zwischen Deutschland und Spanien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht mehr der Kapitän. Jedenfalls nicht mehr gänzlich.

DFB-Kapitän Ballack: Die Zeit wird knapp
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DFB-Kapitän Ballack: Die Zeit wird knapp

Der sonst so kraftvolle deutsche Fußball hängt wieder an einem Muskel, wie schon vor dem WM-Eröffnungsspiel 2006 gegen Costa Rica (4:2). Doch diesmal ist die Genesung der rechten Wade des wichtigsten Spielers weitaus wichtiger. "Es war nicht daran zu denken, dass er am Samstag am Training hätte teilnehmen können", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der nicht fähig war, die Folgen, die die schlechte Nachricht bei ihm ausgelöst hatte, zu verbergen. "Wir müssen sehen, wie sich die Sache über Nacht entwickelt", fasste der 48-Jährige alle Hoffnungen des DFB-Teams zusammen.

Doch so wie sich die Verantwortlichen geben, ist auch mit einer Entscheidung mehrere Stunden vor Spielbeginn nicht zu rechnen. Heute Morgen, beim sogenannten Anschwitzen, war Ballack aus Vorsicht nicht dabei. eine Entscheidung wird wohl beim Warmmachen fallen. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, "es wird alles getan, um ihn fit zu bekommen", so DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. An eine ruhige Vorbereitung auf das wichtigste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft seit dem WM-Finale 2002 (0:2 gegen Brasilien) ist nicht mehr zu denken.

Auch damals fehlte Ballack. Er hatte im Halbfinale gegen Südkorea seine zweite Gelbe Karte gesehen und war gesperrt. "Unter anderem seinetwegen wurde die Regel geändert und werden die Gelben Karten nach dem Viertelfinale gestrichen", sagt der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder heute. "Er hat sich damals für die Mannschaft aufgeopfert. Es wäre ein schwerer Schlag, wenn er jetzt ein zweites Endspiel verpassen würde."

Und selbst der Gegner sieht Ballacks Verletzung nicht als gute Nachricht. "Ich würde es mir wünschen, denn in einem Finale eines so großen Turniers sollen die besten Spieler aufeinandertreffen. Man will sich mit ihnen messen", sagt Spaniens Innenverteidiger Carles Puyol: "Und Ballack ist ein Weltklassespieler."

Doch auch wenn sich Löw "ernsthafte Gedanken" macht und Bastian Schweinsteiger und Tim Borowski als Alternativen aufzählt - Ballack wird nur dann nicht spielen, wenn er über den Platz humpeln müsste. Neunmal musste sich der 31-Jährige in seiner Karriere bislang mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Von der Pleite im Bundesligaendspurt 2000 mit Bayer Leverkusen bei der SpVgg Unterhaching (0:2) bis zum Champions-League-Finale mit dem FC Chelsea gegen Manchester United vor wenigen Wochen. Dort wurde Ballack auf brutalste Weise der Pokal entrissen: 5:6 im Elfmeterschießen.

Die Geschichte würde einen Ausfall noch dramatischer aussehen lassen. Auch wegen ihr würde Ballack aber gleichzeitig keine Kompromisse eingehen. Der deutsche Lenker muss sich nicht für kommende wichtigere Spiele schonen. Drei Wochen Urlaub warten nach dem Finale von Wien, auch an die kommende Saison mit Chelsea wird Ballack in diesen Stunden nicht denken. Wie sich die Wade nach dem Finale gegen Spanien anfühlt, ist nun egal. Wenn sie vorher in irgendeiner Weise einen Einsatz möglich macht, wird der Kapitän die Mannschaft anführen.

"Er hat vor Spielen schon oft nicht mittrainieren können, sich dann aber nahtlos ins Team eingefügt", sagt Ballacks Mittelfeldkollege Thomas Hitzlsperger. "Er hat schon so viele Spiele mit der Mannschaft bestritten, so dass ich da kein Problem sehe. Zudem sind wir optimistisch und der Überzeugung, dass er uns helfen kann, die Trophäe zu gewinnen."

Auch die Worte von Teammanager Oliver Bierhoff nehmen den schlimmsten Befürchtungen ein wenig die Grundlage. "Wir wollten kein Risiko eingehen, deshalb war er beim Abschlusstraining nicht dabei." Also doch eher Vorsichtsmaßnahme statt Endspiel-GAU? Es bleibt müßig, jedes Zitat der Verantwortlichen zu deuten. Sicher ist nur das, was Bierhoff noch anfügt: "Wir geben die Hoffnung nicht auf."

fpf/sid

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