Von Jan Reschke
Michael Ballack ist ein Mensch, der seine Entscheidungen wohlüberlegt trifft. Als Fußballprofi in der britischen Premier League hat er allerdings nur wenig Zeit für längere Denkpausen, gilt die Spielklasse doch als eine der stärksten überhaupt.
Zuletzt hatte der Chelsea-Profi die nötige Ruhe. Nach seiner schweren Verletzung im englischen FA-Cup-Finale (siehe Kasten links) fiel die WM für ihn aus. Statt nach Südafrika ging es nach Sardinien in den Urlaub. Und dort hat sich Ballack jenseits aller störenden Nebentöne offenbar viele Gedanken über seine Zukunft gemacht. So hielt er es übrigens schon 2002, als er aus seinem Urlaubsort Naples in Florida Leverkusens damaligen Manager Reiner Calmund und Bayer-Trainer Klaus Toppmöller über seinen Wechsel zum FC Bayern München informierte.
Der Verein, den Ballack jetzt anrief, ist derselbe, der Gesprächsinhalt war aber ungleich erfreulicher für den nun verantwortlichen Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, Manager Rudi Völler und Trainer Jupp Heynckes. Ballack gab seine Zusage, den Leverkusenern mindestens zwei Jahre bis Juni 2012 zur Verfügung zu stehen, nachdem sein Vertrag in Chelsea abgelaufen war. Wie schon zwischen 1999 und 2002.
"Mit meiner Rückkehr zu Bayer 04 schließt sich für mich ein Kreis. Ich hatte hier eine schöne und erfolgreiche Zeit, an die ich sehr gerne zurückdenke. Das hat mich in meiner Entscheidung für Leverkusen bestärkt", sagte Ballack.
Man könnte meinen, Ballack hätte etwas gutzumachen in diesem Club. "Dass er Bayer trotz unserer im Vergleich zur Konkurrenz begrenzten finanziellen Möglichkeiten den Vorzug gegeben hat, zeigt seine emotionale Bindung zum Verein", sagte Völler nach der geglückten Verpflichtung, für die Leverkusen groben Schätzungen zufolge zwischen zwölf und 15 Millionen Euro zahlen muss. Auch wenn die Leverkusener von begrenzten Möglichkeiten sprechen - Ballack wird einer der Spitzenverdiener in der Bundesliga sein.
Er selbst sagt zu seinen Beweggründen: "Vor allem waren die sportlich guten Perspektiven dieser jungen und attraktiven Mannschaft überzeugend." Das sollte nicht überbewertet werden, es ist ein Standardsatz der wechselwilligen Fußballprofis. Vielmehr dürften andere Gründe ausschlaggebend gewesen sein.
Ballack hat nach der wegen eines Syndesmosebandrisses verpassten WM 2010 noch ein großes Ziel: Die Teilnahme an der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Zweimal wurde er mit der Nationalmannschaft Zweiter, 2002 bei der WM, 2008 bei der EM. Er prägte eine Ära, die aber ohne Titel unvollendet ist.
Löw: "Bereicherung für die Bundesliga"
Nachdem er jüngst in England in seiner letzten Spielzeit beim FC Chelsea die erste Meisterschaft gewonnen hat, soll es nun auch in der Nationalmannschaft klappen. Um dieses Ziel zu verwirklichen und sich weiter für die DFB-Elf zu empfehlen, braucht er einen Verein, der auf hohem Niveau spielt, und bei dem er vor allem einen Stammplatz sicher hat. Beides ist bei Bayer Leverkusen gegeben. Bundestrainer Joachim Löw sagte denn auch zum Wechsel: "Michaels Rückkehr bedeutet eine Bereicherung für die Bundesliga. Er verstärkt in Leverkusen ein junges Team, das internationale Perspektiven hat. Das ist wichtig für ihn."
Auch aus Sicht von Bayer lohnt sich der Deal. Im defensiven Mittelfeld, Ballacks angestammten Gebiet, war Simon Rolfes monatelang verletzt. Bis er wieder einsatzfähig ist und seine alte Form findet, vergeht wohl ebenso viel Zeit. Lars Bender und Arturo Vidal, die zuletzt die Sechserposition besetzt hatten, sind zwar gut in Form, können aber auch einem in die Jahre gekommenen Ballack nicht das Wasser reichen. Zudem tut der jungen Mannschaft ein erfahrener Anführer gut. "Mit Michael Ballack bekommt unsere Mannschaft noch einmal einen enormen Qualitätsschub", sagt Völler.
Unter den Bietern für Ballack soll auch der HSV gewesen sein, der nun zwar das Nachsehen hatte, aber vielleicht doch noch Grund zum Jubeln hat. Die Hamburger sind sehr an einer Verpflichtung von Bayer-Profi Stefan Reinartz interessiert, der sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen kann. Leverkusen lehnte dieses Ansinnen bislang kategorisch ab. Die Aussicht auf Millionen plus die Verstärkung durch Ballack könnte die Verantwortlichen aber zum Umdenken in Sachen Reinartz bewegen, dem Bayer jüngst ein verbessertes Vertragsangebot offeriert hatte.
Reinartz befindet sich übrigens gerade im Kurzurlaub auf Mallorca - und bat um Bedenkzeit.
Mit Material des sid
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