Hamburg - Michael Ballack ist bekannt als laut- und meinungsstark, nicht wenige halten ihn sogar für stur. Für seinen Wankelmut war der 35-Jährige bisher nicht bekannt. Umso mehr überrascht es, dass Ballack nur einen Tag, nachdem er mit seinem Karriereende zum Ende der Saison kokettiert hatte, davon nichts mehr wissen wollte.
"Ich habe nie gesagt, dass ich aufhöre", sagte Ballack am Freitag nach dem Spiel beim 1. FC Kaiserslautern. Bei seinem früheren Club hatte er Bayer Leverkusen zu einem 2:0-Erfolg geführt. Sein überragender Auftritt auf dem Betzenberg war der bisherige Höhepunkt für Ballack, der sich in der Mannschaft wieder einen "Capitano"-Status erarbeitet hat.
Dazu gehört auch, seine Mitspieler öffentlich zu kritisieren. In der vergangenen Saison, der ersten nach seiner Rückkehr aus England, konnte sich Ballack das nicht erlauben. Fast die komplette Hinrunde war er ausgefallen, in der zweiten Saisonhälfte kam er entweder nicht zum Zug oder spielte enttäuschend. Bayer sicherte sich am Ende nicht wegen des früheren DFB-Kapitäns Platz zwei, sondern trotz Ballack.
In dieser Saison ist er wieder Leistungsträger und Anführer. Aufgrund der bisher stark schwankenden Leistungen der Mannschaft hatte Ballack vor der Partie gesagt, dass er den Eindruck habe, bei bei Bayer sei man zu schnell mit kurzfristig Erreichtem zufrieden: "Ich hoffe, dass das nicht so gut ankam", sagte Ballack, der sicherstellen wollte, mit den Äußerungen die "nötige Reibung" erzeugt zu haben. "Genau das brauchen wir ja: Diskussionen, verschiedene Meinungen und Auffassungen. Nur dann kannst du dich verbessern. Wenn immer alle einer Meinung sind, bringt das nichts." Aussagen, die unterstreichen, dass Ballack wieder zurück ist - auf dem Platz und daneben.
Am Mittwoch will er auch wieder in der Champions League glänzen. Dann empfängt Bayer mit dem FC Chelsea einen weiteren früheren Ballack-Club. "Solche Spiele genießt man im Herbst der Karriere natürlich besonders", so der Mittelfeldspieler. Und diese Partien sind wohl auch der Grund, warum Ballack nun doch noch ein weiteres Jahr spielen will. Die Frage ist nur, bei welchem Verein. Sein Vertrag bei Bayer läuft zum Saisonende aus.
Er scheint keine Zukunft in Leverkusen zu haben. "Es muss für beide Seiten Sinn machen. Im Moment gehen wir davon aus, dass es im Sommer vorbei ist", sagt Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Viele Optionen gibt es für Profis in Ballacks Alter und mit seinem Status nicht. Er könnte in den Nahen Osten wechseln oder in die nordamerikanische Major League Soccer (MLS). Doch Ballack hat andere Ansprüche: "Ich möchte noch ein, zwei Jahre auf einem guten Niveau spielen. Wo das sein wird, werde ich sehen."
Ein Wechsel zu einem anderen Top-Club der Bundesliga erscheint aber ebenso unwahrscheinlich. Die Bayern, Dortmund oder Schalke brauchen Ballack nicht. Bei Europapokal-Kandidaten wie Mönchengladbach, Bremen, Stuttgart und Hannover passt er nicht ins Konzept - weder fußballerisch, noch finanziell.
Eine mögliche Alternative könnte der VfL Wolfsburg sein. Trainer Felix Magath wollte Ballack schon einmal verpflichten, beide kennen sich aus gemeinsamen Münchner Zeiten. International wird der derzeitige Tabellenzwölfter aber wahrscheinlich nicht spielen. Noch will Ballack sich nicht festlegen ("Ich spüre keinen Druck aus irgendeiner Richtung").
Und so können sich selbst die Anhänger der Lauterer Hoffnungen machen. "Vielleicht war es ja doch nicht mein letztes Spiel hier", sagte Ballack, der seine Bundesligakarriere 1997 beim FCK begonnen hatte.
max/dpa/sid
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