Barca gegen Real Schweinskopf als Gastgeschenk

Das Ligaspiel zwischen den beiden spanischen Erzrivalen FC Barcelona und Real Madrid stand am Samstag kurz vor dem vorzeitigen Ende. Der Klassiker musste für eine Viertelstunde unterbrochen werden, weil einige Barca-Anhänger die Gästespieler mit Gegenständen unterschiedlichster Herkunft beworfen hatten.


Barcelonas Trainer Luis Van Gaal (r.) versucht die erhitzten Spieler-Gemüter zu beruhigen
AP

Barcelonas Trainer Luis Van Gaal (r.) versucht die erhitzten Spieler-Gemüter zu beruhigen

Barcelona - Der Kopf eines Spanferkels hat die Superstars vom FC Barcelona und Real Madrid von den Titelseiten verdrängt. Die spanischen Sportzeitungen zeigen in ihren Sonntagsausgaben große Bilder vom Corpus Delicti, das Barca-Fans auf Luis Figo gerschleudert hatten. "Das war ein Derby der Schande", urteilte "Marca" über das Spiel, das in 170 Länder der Erde übertragen wurde. Für eine Eintrittskarte wurden auf dem Schwarzmarkt über 600 Euro geboten.

Die Ausschreitungen beim enttäuschenden Derby (0:0) begannen in der 72. Minute. Figo, der in Barcelona seit seinem Wechsel zu Real vor gut zwei Jahren als "Verräter" gilt, wollte einen Eckball schießen. In diesem Augenblick hagelten Wurfgeschosse aller Art von den Rängen auf den Portugiesen herab: Cola-Flaschen, Feuerzeuge, Billardkugeln, ein Handy, ein Whisky-Fläschchen und sogar der Kopf eines Spanferkels.

Figo, der noch vor der Partie kräftig getönt hatte ("Ich habe keine Angst und werde wieder die Ecken schießen"), brachte sich in der Mitte des Spielfelds in Sicherheit. Barcelonas Spieler und Betreuer versuchten vergeblich, die Randalierer zu beschwichtigen. Als Figo, für den Real 58,2 Millionen Euro Ablöse gezahlt hatte, sich ein weiteres Mal der Eckfahne näherte, setzte der Hagel erneut ein. Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo bat beide Mannschaften in die Kabinen. Nach der 16-minütigen Pause konnte die Partie mit dem anstehenden Eckball fortgesetzt werden.

Unansehnlicher Kick in Nou Camp

Der FC Barcelona muss nach dem erneuten Fehlverhalten seiner Fans mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Im schlimmsten Fall droht eine Platzsperre. WM-Torschützenkönig Ronaldo blieb sein erster Auftritt im Real-Trikot an seiner früheren Wirkungsstätte erspart. Fieber verhinderte den Einsatz des Brasilianers und bewahrte ihn vor Hasstiraden der Barca-Anhänger. Real-Spielmacher Zinedine Zidane fehlte wegen eines Hexenschusses.

Fußball spielten die Champions-League-Gruppengegner von Bayer Leverkusen (Barcelona) und Borussia Dortmund (Real) auch ein wenig. Barca besaß zwar die größeren Spielanteile, konnte sich aber nicht gegen die gut gestaffelte Abwehr der Gäste durchsetzen. Real wartet auch nach 19 Jahren in der Primera Division weiter auf einen Sieg beim Erzrivalen. Der letzte Erfolg datiert vom 22. Oktober 1983, als die Hauptstädter mit Uli Stielike in Barcelona 2:1 gewannen. In der Tabelle müssen sich beide Teams mit Plätzen im Mittelfeld begnügen.



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