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Basel-Präsident Heusler: Ein Boss für die Fans

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Er ist ein Hoffnungsträger der Fankurve, argumentiert in Sicherheitsfragen gegen die Hardliner in Verband und Politik: Bernhard Heusler, Präsident von Bayerns Champions-League-Gegner FC Basel, nimmt sich das Recht auf einen eigenen Kopf.

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Basels Präsident Heusler: "Nulltoleranz ist unsägliche populistische Worthülse"

Beim FC Basel ist jüngst eine Ära zu Ende gegangen. Gisela "Gigi" Oeri, ebenso charismatische wie wasserstoffblonde Mäzenin, gab Mitte Januar das Präsidentenamt an Bernhard Heusler ab, der die operativen Geschäfte seit 2009 als Delegierter des Verwaltungsrats lenkt. Es gibt in Basel kaum einen, der ihm nicht zutrauen würde, die nächste erfolgreiche Ära des Vereins zu prägen.

So viel zum konventionellen Teil der Geschichte. Überraschender ist folgender: Der 48-Jährige ist auch beim aktiven Teil der Fanszene beliebt. Der Wirtschaftsanwalt, der früher selbst in der Muttenzer Kurve stand, mahnt seit Jahren immer wieder zur Sachlichkeit, wenn drakonische Strafen gegen Fans gefordert werden, die das Pyrotechnik-Verbot missachten. "Nulltoleranz" sei eine "unsäglich populistische Worthülse" hat Heusler der "Sonntagszeitung" einmal gesagt. Rechtsstaatlichkeit, so sein Credo, müsse überall in der Schweiz gelten - auch in den Stadien.

Wohlgemerkt: Der Mann ist nicht irgendein Funktionär eines Provinzclubs. Als Chef des größten und beliebtesten Schweizer Fußballvereins ist er durchaus mit dem Präsidenten des FC Bayern vergleichbar, den Basel am Mittwochabend im Achtelfinale der Champions League 1:0 bezwang. Nur, dass wohl kaum ein deutscher Spitzenclub auf die Idee käme, ein hochkarätig besetztes Symposium zum Thema "Fanarbeit und Fanfragen" im eigenen Stadion abzuhalten. Heusler hat so ein Treffen zehn Tage nach seiner Amtsübernahme vor 150 Gästen eröffnet. Die anwesenden Fans interpretierten das als weiteres Signal, dass Heusler ihre Anliegen ernst nimmt.

Auch Daniela Wurbs vom europäischen Fannetzwerk "FSE" schätzt "Heuslers Bereitschaft, vorurteilsfrei nach Lösungen zu suchen, Leute, die eine von zwei einseitigen Sichtweisen vertreten, gibt es schließlich genug." Tatsächlich ist der Mann bei aller Kritik an Law-and-order-Lösungen keiner, der den Fans Honig ums Maul schmiert. In der Baseler "Tageswoche" attestierte er ihnen ein "sehr subjektives Rechtsempfinden" und "ausgeprägtes Opferdenken". Allerdings, findet Heusler, werde die "Wagenburgmentalität" der Ultras durch willkürliche Kollektivstrafen verstärkt: "Mit pauschaler Kriminalisierung stärken wir radikale und kriminelle Randgruppen", so Heuslers Sicht der Dinge.

Keine Kontrollen im Intimbereich

Auch eidgenössische Politiker und Polizeivertreter fordern immer vehementer eine Verschärfung der Rechtslage. So wie der Präsident von Grasshopper Zürich, Roland Leutwiler, der im Spätjahr vorgeschlagen hatte, Spiele abzubrechen, wenn irgendwo im Stadion ein Bengalo gezündet wird. "Damit würden wir nur neue Sicherheitsprobleme schaffen", entgegnete Heusler auf dem Symposium. "Ich möchte nicht erleben, wenn wir 30.000 Zuschauer nach Hause schicken müssen, weil zu Beginn des Spiels eine Fackel abgebrannt wird."

Grundsätzliche Argumente führt der liberale Jurist und Uni-Dozent Markus Mohler an. Viele Vorschläge der zuständigen Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD) seien verfassungswidrig. Dass private Security-Angestellte Kontrollen im Intimbereich von Fans durchführen sollen, sei mit der Menschenwürde schlichtweg unvereinbar. Auch die Frage, auf welchen Zufahrtswegen Fans zum Stadion reisen, gehe Behörden gar nichts an.

Anfang Februar trat die KKJPD erneut zusammen. Das kantonsübergreifende Gremium beschloss, dass Spiele der höchsten Eishockey- und Fußball-Liga künftig grundsätzlich bewilligungspflichtig sind. Sie dürfen also nur dann stattfinden, wenn die Bedingungen von Polizei und Sicherheitsämtern (beispielsweise Alkoholverbot, Anreise nur mit Spiel-Ticket, kein Betreten der Innenstädte) erfüllt werden.

Immerhin: Intimkontrollen, wie sie ursprünglich sogar "ohne Verdacht" möglich hätten sein sollen, dürfen nun nur bei begründetem Anfangsverdacht durchgeführt werden. Der Beschluss muss noch in den einzelnen Kantonen ratifiziert werden. Da sich in vielen Städten erheblicher Widerstand regt, dürfte selbst nach einer etwaigen Ratifizierung ein Gang vors Bundesgericht (vergleichbar mit dem Bundesverfassungsgericht) anstehen.

Spätestens dort, glaubt der Jurist Mohler, wird ein Großteil der beschlossenen Maßnahmen dann allerdings wieder kassiert werden. Wie hatte Heusler doch am Schluss des Symposiums so schön gesagt? "Glauben Sie nicht jenen, die nie in ein Stadion gehen, dass ein Fußballspiel ein Hochrisiko-Anlass sei."

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1.
ChristianW. 22.02.2012
---Zitat--- "Glauben Sie nicht jenen, die nie in ein Stadion gehen, dass ein Fußballspiel ein Hochrisiko-Anlass sei." ---Zitatende--- Wahre Worte. Die ganzen Mahner, Sicherheits- und Verbotsfetischisten haben doch allsamt noch nie eine Anreise unter normalen Fans mitgemacht, geschweige denn waren sie je außerhalb des VIP-Bereichs bei einem Spiel. Sonst wüssten sie nämlich, dass Probleme immer öfter von sogenannten Sicherheitsbeamten initiiert werden.
2. sehr gut
axelkli 22.02.2012
von dieser pragmatischen, unaufgeregten schweizer Sichtweise können sich die dütschen Fußballfunktionäre gerne eine Scheibe abschneiden.
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