Borissow-Sieg gegen die Bayern: Kampf, Konter und ein bisschen Glück

Von Christoph Leischwitz, München

Der FC Bayern hat sich die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison eingefangen. Und das ausgerechnet gegen Bate Borissow! Der weißrussische Club galt als leichter Gegner, doch stattdessen zeigte er, wie die Münchner zu bezwingen sind: Man muss sie ungeduldig machen.

Foto: AP

Manchmal braucht es nur eine einzige Szene, um eine Partie zu beschreiben. Die Schlussminute des Champions-League-Gruppenspiels zwischen dem FC Bayern und Bate Borissow war so eine: Die Münchner rannten an und verloren den Ball. Dann grätsche ein Verteidiger, in diesem Fall Dante, ins Leere - und fehlte hinten. Der anschließende Konter für Bate Borissow führte zum entscheidenden 3:1, die Bayern waren geschlagen.

Der Club "Borissow Automobil- und Traktorelektronik" (Bate) ist nun mit sechs Punkten Tabellenführer der Champions League-Gruppe F. Das hatte wohl niemand erwartet. Der geschätzte Marktwert des Borissow-Kaders beläuft sich mit 20 Millionen Euro ziemlich genau auf die Hälfte dessen, was der FC Bayern für Mittelfeldspieler Javier Martinez ausgegeben hat.

Für Mannschaften in der Bundesliga mit ähnlichem Budget kann der Auftritt des weißrussischen Clubs eine Blaupause sein, wie man einen scheinbar übermächtigen Gegner mit einfachen Mitteln bezwingen kann: Kampf, Konter, und ein bisschen Glück.

Bayern verpasst es, in Führung zu gehen

Borissow spielte hart, sie hätten deutlich mehr Gelbe Karten als die drei vergebenen verdient gehabt. Doch auch mit fairen Mitteln schafften sie es oft, ihre Zweikämpfe zu gewinnen und den Ball zu erobern. Wie beim Tor zum 1:0: Nach einem Angriff der Bayern tummelten sich sieben Bate-Spieler im eigenen Strafraum, 15 Sekunden später hatten sie im gegenüber liegenden Sechzehner eine Überzahlsituation kreiert.


Trotz der kampfstarken Weißrussen: Natürlich hätte der FC Bayern das Spiel gewinnen können. "Wir haben am Anfang gute Tormöglichkeiten gehabt, wenn man dann in Führung geht, läuft es ganz anders", sagte FCB-Torwart Manuel Neuer. Doch als Toni Kroos in der 13. Minute das leere Tor nicht traf, sondern nur den Pfosten, da schien der FC Bayern zum ersten Mal in dieser Saison verwundbar.

Neuer musste zusehen, wie der moderne Bayern-Fußball ausgekontert wird: Die weit aufgerückten Außenverteidiger Philipp Lahm und Holger Badstuber fehlten, als Aleksandr Pawlow in der 23. Minute das 1:0 für Borissow erzielte. Die Bayern hatten über das gesamte Spiel hinweg erhebliche Abspracheprobleme in der Rückwärtsbewegung.

14 Eckbälle, 43 Flanken, 60 Prozent Ballbesitz

In der 77. Minute musste dann auch noch Holger Badstuber für Bastian Schweinsteiger vom Platz, der überraschend statt Luiz Gustavo auf der Bank gesessen hatte. Badstuber hatte wieder den linken Verteidiger geben müssen, obwohl er viel lieber in der Innenverteidigung stehen würde. Bei seiner Auswechslung sah er deshalb auch leicht angesäuert aus.

Die Viererkette wurde daraufhin zur Dreierkette - und fing sich eine Minute später das 0:2 ein. Die Unordnung der Abwehr resultierte aus dem überhasteten Bayern-Spiel nach vorne. Die Münchner wirkten oft merkwürdig ungeduldig, in manchen Szenen zum Ende der ersten Halbzeit rannten sie an, als ob das Spiel gleich zu Ende sei. Sie schlugen 14 Eckbälle und insgesamt 43 Flanken in den gegnerischen Strafraum, doch die meisten landeten auf den Köpfen der Bate-Innenverteidiger oder in den Armen des Torhüters.

Die in dieser Saison obligatorischen 60 Prozent Ballbesitz, die Rotation und das Rochieren - es brachte wenig gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Gegner. Bayern wollte das Tempo hochhalten, um so die spielerische Überlegenheit ausspielen zu können und den Gegner noch mehr laufen lassen. Doch der Gegner hatte damit keine Probleme. In fast allen Mannschaftsteilen waren die Borissow-Spieler mehr unterwegs.

Die Ungeduld bei den Bayern wuchs. Durch einen Schiedsrichter, der bisweilen Vorteilsituationen abpfiff. Durch Balljungen, die keinen Ball rausrücken wollten. Aber auch durch Luiz Gustavo, dem im Spiel nach vorne zündende Ideen fehlten. So ist der FC Bayern schlagbar: Man muss Ribéry und Co. ungeduldig machen.

Seine Mannschaft habe viel Druck gemacht, sagte Heynckes später. Das habe man auch daran gesehen, dass Borissows Torwart deren bester Spieler gewesen sei. Doch man könnte es auch umdrehen und sagen, dass Mittelstürmer Mario Mandzukic einer der unauffälligsten Spieler der Partie gewesen war.

Bate Borissow - FC Bayern 3:1 (1:0)
1:0 Pawlow (23.)
2:0 Rodionow (78.)
2:1 Ribéry (90.+1)
3:1 Bressan (90.+4)
Borissow: Gorbunow - Poljakow, Filipenko, Simic, Bordatschew - Olechnowitsch, Lichtarowitsch (66. Siwakow), Wolodko - Pawlow (84. Bressan), Hleb - Rodionow (87. Mosolewski)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber (77. Schweinsteiger) - Martínez (58. Shaqiri), Luiz Gustavo - Müller, Kroos, Ribéry - Mandzukic (75. Pizarro)
Schiedsrichter: Stavrev (Mazedonien)
Zuschauer (in Minsk): 25.000
Gelbe Karten: Pawlow (2), Bordatschew, Gorbunow - Badstuber, Dante, Luiz Gustavo, Pizarro

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insgesamt 17 Beiträge
Teodore 03.10.2012
Der FCB hat den Gegner unterschätzt, wie die meisten Experten auch. Der Auswärtssieg in Lille hätte eigentlich zu denken geben müssen. Gegen Bate wird es auch in München schwierig werden. Die Bayern werden zwar weiterkommen, aber [...]
Der FCB hat den Gegner unterschätzt, wie die meisten Experten auch. Der Auswärtssieg in Lille hätte eigentlich zu denken geben müssen. Gegen Bate wird es auch in München schwierig werden. Die Bayern werden zwar weiterkommen, aber mit diesem Herrn Sammer haben sie sich Konfliktpotential ins Haus geholt, das -überraschend früh- für Spannung und Aufregung sorgt.
Jo mei, jetzt haben sie halt mal verloren. Soll im Fußball ja vorkommen. Wenn sie daraus lernen, wieder etwas konzentrierter und effizienter zu spielen, dann ist es eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. Mund abwischen und am [...]
Jo mei, jetzt haben sie halt mal verloren. Soll im Fußball ja vorkommen. Wenn sie daraus lernen, wieder etwas konzentrierter und effizienter zu spielen, dann ist es eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. Mund abwischen und am Wochenende 3 Punkte holen.
proanima 03.10.2012
Selbst dem Dümmsten müsste inzwischen klar sein, dass international weniger bekannte Spieler in Spielen wie diesen einmalig ihr äußerstes geben um auf dem internationalen Markt zu landen. Diese Chance(n) hat man nicht oft. [...]
Zitat von sysopDer FC Bayern hat sich die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison eingefangen. Und das ausgerechnet gegen Bate Borissow! Der weißrussische Club galt als leichter Gegner, doch stattdessen zeigte er, wie die Münchner zu bezwingen sind: Man muss sie ungeduldig machen. Bate Borissow bezwingt FC Bayern in der Champions League - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bate-borissow-bezwingt-fc-bayern-in-der-champions-league-a-859289.html)
Selbst dem Dümmsten müsste inzwischen klar sein, dass international weniger bekannte Spieler in Spielen wie diesen einmalig ihr äußerstes geben um auf dem internationalen Markt zu landen. Diese Chance(n) hat man nicht oft. Es ist nichts anderes als das Öffnen einer Transfer-Option um an ein zukünftiges Millionengehalt zu kommen.
HaPeGe 03.10.2012
Es wurde auch Zeit, dass der FCB verliert ! Und hoffentlich auch in der Bundesliga, sonst wird es ja "stinklangweilig". Und andere Vereine brauchen auch einmal ihre Chance. Es geht nicht an, dass ein Verein ein [...]
Zitat von TeodoreDer FCB hat den Gegner unterschätzt, wie die meisten Experten auch. Der Auswärtssieg in Lille hätte eigentlich zu denken geben müssen. Gegen Bate wird es auch in München schwierig werden. Die Bayern werden zwar weiterkommen, aber mit diesem Herrn Sammer haben sie sich Konfliktpotential ins Haus geholt, das -überraschend früh- für Spannung und Aufregung sorgt.
Es wurde auch Zeit, dass der FCB verliert ! Und hoffentlich auch in der Bundesliga, sonst wird es ja "stinklangweilig". Und andere Vereine brauchen auch einmal ihre Chance. Es geht nicht an, dass ein Verein ein Jahrzehnt lang die Bundesliga mehr oder weniger dominiert, dass ist dem Fußball als Sport nur abträglich.
osos1009 03.10.2012
Dass diese maßlos überbezahlten Sport-Prostituierten (denn sie spielen ja nur für diesen Verein, weil der sie gerade am besten bezahlt) von Bayern München, und damit meine ich auch die quasi stalinistische Führungsriege des [...]
Dass diese maßlos überbezahlten Sport-Prostituierten (denn sie spielen ja nur für diesen Verein, weil der sie gerade am besten bezahlt) von Bayern München, und damit meine ich auch die quasi stalinistische Führungsriege des Vereins, die mit eisigem Diktatorengrimm und entsprechenden Mänteln das genauso sinn- wie nutzlose Tun ihrer Einkäufe in der Regel von der Loge aus betrachtet (wie einst Stalin am roten Platz), dass diese ganze mammonverseuchte Truppe, wieder von den Armen und Underdogs (diesmal) aus dem Osten schön eins auf den Deckel bekommen haben. Doch leider sind die Jungs aus Belarus prinzipiell auf demselben Trip wie ihre polyglotten Pendants von der Isar: "We are all only in it for the (easy) money!" Der Profisport ist eine gute Parabel für die ganze Irrsinnigkeit des Gesamtsystems. Die nutzlosesten Tätigkeiten werden von dieser barbarischen Unkultur mit Spitzeneinkommen in den entfremdeten Himmel des Geldes gehoben, während das notwendige, allerdings an Halbsklaven delegierte Tun, das uns alle am Leben erhält, die Arbeit des durchschnittlichen Weltbauern, nur mit Tritten in den Allerwertesten belohnt wird.
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  • Mittwoch, 03.10.2012 – 11:57 Uhr
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