Leverkusen-Sieg in Lissabon Nicht schön, aber erfolgreich

Arbeit, Arbeit, Arbeit: Mit viel Laufen und guter Defensive kämpfte sich Leverkusen gegen Lissabon zum Sieg. Ein paar taktische Fouls kamen auch dazu - die Rechnung ging auf.

Aus Lissabon berichtet

Bayer-Profi Bellarabi: Schoss das Siegtor
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Bayer-Profi Bellarabi: Schoss das Siegtor


Das Estádio José Alvalade XXI in der portugiesischen Stadt Lissabon bietet eine ganze Menge: Hier kann man bis in die späten Abendstunden im integrierten Supermarkt einkaufen oder auf einer Fressmeile hemmungslos schlemmen. Wer will, kann danach ins Kino im Stadioninneren gehen, oder, wenn man ein schlechtes Gewissen wegen des vielen Essens bekommen hat, ins Fitness- und Wellnesscenter.

Fußball wird hier manchmal auch gespielt.

So etwa am Donnerstagabend: Bayer Leverkusen war zu Gast bei Sporting Lissabon und konnte eine gute Ausgangslage für das Europa-League-Rückspiel in einer Woche in Deutschland schaffen. "Das war ein sehr guter Auftritt", sagte Bayer-Coach Roger Schmidt nach der Partie in der Zwischenrunde: "Das zeigt, dass meine Mannschaft die Europa League sehr ernst nimmt."

Das war durchaus auch als Gruß an die Chefetage gemeint. Schließlich hatte Sportchef Rudi Völler ja zuletzt unverhohlen ein sehr gutes Abschneiden in diesem Wettbewerb gefordert. Die Mannschaft solle doch, wenn möglich, "bis ganz zum Schluss dabeibleiben". Leverkusen nahm das zum Anlass, erfolgreichen Auswärtsfußball zu spielen: Hinten tief stehen, Sporting den Ball überlassen - und ab und zu schnelle Angriffe starten. Diese Taktik ging auf.

Eine gekonnte Grätsche oder ein taktisches Foul zur rechten Zeit

"Wir haben hervorragend verteidigt", sagte Schmidt, und auch Mittelfeldspieler Christoph Kramer stellte fest: "Unsere Abwehr macht ihren Job sehr gut." In der Tat: Defensivchef Ömer Toprak und seine sehr jungen Verteidigerkollegen Jonathan Tah, Tin Jedvaj sowie Wendell ließen gegen die Portugiesen nur wenige Chancen zu. Der an diesem Abend viel gelobte Tah wollte die Lorbeeren jedoch schnell zurückgeben: "Alle arbeiten nach hinten mit." Arbeit: Das war das Schlüsselwort für den Erfolg an diesem Abend.

Zu einer guten Defensivleistung gehört manchmal eine gekonnte Grätsche oder ein taktisches Foul zur rechten Zeit. Das beherzigten auch die Leverkusener Jedvaj, Admir Mehmedi und Hakan Çalhanoglu, die sich nacheinander Gelbe Karten abholten - alle an der Mittellinie. Und auch wenn der Lissaboner Rúben Semedo Gelb-Rot sah: Grob unsportlich war die Partie zu keiner Zeit. Aber eben auch nicht schön anzuschauen.

Geradezu symbolhaft auch das einzige Tor: Nationalspieler Karim Bellarabi traf nach einer Flanke von Jedvaj mit dem Knie (26. Minute). "Hauptsache, der Ball geht rein. Wie, ist doch egal", sagte der Siegtorschütze im Anschluss. Trainer Schmidt freute sich für seinen Angreifer: "Karim hat sich belohnt." Bellarabi hatte sogar noch eine Großchance, doch sein Distanzschuss ging nur an den Pfosten (87.).

Jesus verzichtet lange auf Slimani

Lissabon blieb bis auf einige Ausnahmen harmlos - das lag auch daran, dass Trainer Jorge Jesus lange auf seinen besten Mann verzichtete: den Angreifer Islam Slimani. Der algerische Nationalspieler, der bei der WM in Brasilien im Achtelfinale auch schon die DFB-Auswahl geärgert hatte - und in dieser Saison bereits 22 Treffer erzielt hat - wurde erst in der 61. Minute ins Spiel gebracht.

Eine bezeichnende Szene war der Einwechslung vorausgegangen: Slimani-Ersatz Teófilo Gutiérrez hatte gerade höchst unglücklich eine Torchance vergeben, das Publikum im längst nicht ausverkauften Stadion pfiff lautstark, doch die Stimmungslage änderte sich schlagartig, als sich Slimani wenige Sekunden später von der Bank erhob und zur Seitenlinie schritt: Die Zuschauer tobten jetzt vor Freude.

Auch die Leverkusener hatten sich über die Entscheidung Jesus' gewundert: "Wir haben Slimani von Anfang an erwartet, er hat dann ja auch angedeutet, dass er ein starker Spieler ist", sagte Schmidt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Kein Wunder also, dass die portugiesischen Journalisten nach der Partie alle dieselbe Frage stellen wollten: Warum kam der beste Mann erst so spät?

"Die Liga hat Priorität", sagte Trainer Jesus lapidar: "Wir wollen kein Risiko eingehen, ich brauche auch am Montag eine starke Mannschaft." Sporting steht in der Liga an der Tabellenspitze und kann den ersten Titel seit 14 Jahren holen. Die Europa League ist da zweitrangig. Zumal Jesus auch durchblicken ließ, dass er nicht glaubt, den Wettbewerb mit Sporting gewinnen zu können.

Ganz anders als Leverkusen, die sich nach ihrem Sieg nun aber ebenfalls dem Liga-Alltag widmen müssen. "Der Countdown für das nächste Spiel beginnt genau jetzt", sagte Schmidt. Am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es für Bayer gegen Borussia Dortmund. "Da haben wir nach der 0:3-Pleite aus dem Hinspiel noch etwas gutzumachen", sagt Çalhanoglu. Und Kramer wies auf die große Chance hin, sich auf Platz drei festzusetzen: "Ein guter Lauf wäre jetzt viel wert."



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insgesamt 2 Beiträge
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axelmueller1976 19.02.2016
1. Hoffentlich nicht übernommen !
Ich freue mich für Lev. über den Sieg .Aber der wurde nur mit viele Lauf-Km erreicht. Auch beim 0:0 gegen Bayern konnte man das 0:0 nur halten weil man über das Lauf-Limit gegangen ist. Im Pokal gegen Bremen hat man dann durch die Niederlage dafür teuer bezahlt. Ich hoffe nur ,daß es am Sonntag gegen den BVB nicht ähnlich geht und man den guten Tabellenplatz verspielt.
aurichter 19.02.2016
2. Glückwunsch B04
endlich mal wieder sehr effektiv gespielt und sich dafür belohnt. Man muss sich mal vorstellen, die Spieler wären gar nicht gelaufen, das wäre ja Standfußball gewesen und dann hätte Leverkusen auch unter Garantie keine Chance gehabt. Aber Gottseidank haben Sie ja richtig Fußball gespielt. Jetzt Zuhause noch einmal vernünftig nachlegen, dann ist die nächste Runde gelöst. Das ist bei B04 mitunter das gefährliche, Auswärts Super Leistung, dann zuhause im Rückspiel agieren wie Luschis.
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