Bundesliga-Experte Hamann "Der Schiedsrichter hat das hervorragend geregelt"

Die Bundesliga spricht über Roger Schmidt und seinen Eklat gegenüber Schiedsrichter Felix Zwayer. SPIEGEL-ONLINE-Experte Dietmar Hamann plädiert für ein hartes Durchgreifen des DFB.

Bayer-Trainer Schmidt: "Untergräbt die Autorität der Schiedsrichter"
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Bayer-Trainer Schmidt: "Untergräbt die Autorität der Schiedsrichter"


Zur Person
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    Dietmar "Didi" Hamann (Jahrgang 1973) gab 1993 sein Bundesligadebüt für den FC Bayern. Fünf Jahre später wechselte er in die Premier League, wo er für Newcastle United, den FC Liverpool und Manchester City spielte. Hamann absolvierte 59 Länderspiele und wurde 2002 Vizeweltmeister. Heute lebt er in der Nähe von Manchester, arbeitet als Experte für den Sender Sky und kommentiert für SPIEGEL ONLINE regelmäßig Entwicklungen in der Bundesliga und im internationalen Fußball.
Es war der Aufreger des Spieltages: Die Weigerung von Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt, der Anweisung des Schiedsrichters zu folgen und auf die Tribüne zu gehen. Schmidt hatte sich zuvor in der Partie gegen Borussia Dortmund (0:1) über eine Entscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer extrem aufgeregt. Aus Sicht von SPIEGEL-ONLINE-Experte Dietmar Hamann ein unmögliches Verhalten.

Ist Schmidts Ärger über die Schiedsrichterentscheidung von Felix Zwayer nicht nachvollziehbar?

Natürlich ist die Erregung nachvollziehbar. Mehr aber auch nicht. Mit solchen Aktionen wie der von Schmidt wird die Autorität der Schiedsrichter untergraben. Bei so etwas sollten wir alle verdammt vorsichtig sein. Sonst ist der Respekt irgendwann komplett weg. Eine Szene wie die vom Sonntag habe ich noch nie erlebt. So was mag es in Südeuropa oder in Asien mal gegeben haben, aber in den Top-Ligen habe ich das noch nicht gesehen.

Schmidt hat sich ja wohl vor allem auch darüber aufgeregt, weil Zwayer ihm die Entscheidung, auf die Tribüne zu müssen, nicht selbst mitgeteilt, sondern Bayer-Kapitän Kießling quasi als Kurier benutzt hat.

Mag sein, aber ich kann auch den Schiedsrichter verstehen, dass er nicht selbst zur Seitenlinie geht, um sich noch einmal von der kompletten Bayer-Bank beschimpfen zu lassen. Das darf er sich ersparen.

Wirkt vielleicht nicht sonderlich souverän. Genauso wenig wie das Spiel danach vollständig zu unterbrechen und die Spieler vom Platz zu holen.

Das sehe ich anders. Aus meiner Sicht ist der Schiedsrichter aus der ganzen Sache sehr gut herausgekommen. Er hat das hervorragend geregelt.

Mittlerweile wird ja fast jede Woche hysterisch über Schiedsrichterentscheidungen debattiert. Das war früher anders.

Klar war das anders. Heute gibt es 30 bis 40 Kameras, die jeden Pfiff sofort überprüfen. Jede Entscheidung steht im Spotlight. Damit müssen die Schiedsrichter zurechtkommen. Aber umso höher ist unsere Verantwortung, auch der Medien, diese Debatten nicht zu übertreiben und die Schiedsrichter stattdessen zu schützen.

Was allerdings stimmt: Früher wurde auf dem Platz zwischen Spieler und Schiedsrichter mehr kommuniziert. Ich erinnere mich an Referees wie Bernd Heynemann, mit dem konnte man immer reden, der war dafür offen. Andere sind da weniger zugänglich, aber das kann jeder Schiedsrichter ja so halten, wie er will.

Bei Schmidt hat man den Eindruck, er setzt dieses offensive Coachen gegenüber dem Schiedsrichtergespann bewusst und taktisch ein.

Ich halte das für nicht förderlich. Das führt eher dazu, dass die Schiedsrichter einen noch mehr auf dem Kieker haben. Und als Spieler bekommt man das eh kaum mit, wenn sich der Trainer an der Seitenlinie wie ein Rumpelstilzchen aufführt. Erst dann, wenn es so eskaliert wie gestern.

Ist man in England beim Thema Schiedsrichter eigentlich etwas entspannter als in der Bundesliga?

Leider überhaupt nicht. An England sollte sich die Bundesliga wirklich kein Beispiel nehmen. Was die Schiedsrichter sich dort in den vergangenen Jahren anhören durften, zeigt nur, wie es kommen kann, wenn man die Unparteiischen nicht rechtzeitig schützt.

Wie soll man dem entgegenwirken? Auch mit Strafen wie jetzt für Schmidt?

Unbedingt. Man stelle sich mal vor, wie ein Spieler bestraft würde, wenn der sich so verhält. Der würde sicherlich für fünf, sechs Wochen aus dem Verkehr gezogen. Bei einem Trainer ist die Sache vielleicht etwas anders, aber eine empfindliche Sperre für Schmidt muss in jedem Fall sein. Mindestens eine Platzsperre, eventuell sogar eine Stadionsperre. Alles andere würde nur ein falsches Signal aussenden.

Roger Schmidt im Video: "Zu stur gewesen"

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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
winkdon 22.02.2016
1. Respekt vor Schiedsrichtern?
Man kann doch nicht jede Fehlleistung schönreden, nur um den Respekt vor den schiedsrichtern zu wahren. Eine Fehlleistung ist eine Fehlleistung und das muss man auch so benennen müssen. Dieser schiedsrichter hat sich zwei eklatante Fehler zu Ungunsten von Bayer Leverkusen erlaubt. Bei einem kompetenten Schiedsrichter wäre die Partie zumindest unentschieden ausgegangen. Aber jetzt müssen wir schon aus lauter political Correctess die Kritik an Schiedsrichterleistungen zensieren. Dann kann man die ganze Veranstaltung als Ponyshow abtun.
silberstern 22.02.2016
2.
Zitat von winkdonMan kann doch nicht jede Fehlleistung schönreden, nur um den Respekt vor den schiedsrichtern zu wahren. Eine Fehlleistung ist eine Fehlleistung und das muss man auch so benennen müssen. Dieser schiedsrichter hat sich zwei eklatante Fehler zu Ungunsten von Bayer Leverkusen erlaubt. Bei einem kompetenten Schiedsrichter wäre die Partie zumindest unentschieden ausgegangen. Aber jetzt müssen wir schon aus lauter political Correctess die Kritik an Schiedsrichterleistungen zensieren. Dann kann man die ganze Veranstaltung als Ponyshow abtun.
Mhm und ich ging ohnehin immer davon aus, Fußball wäre der "Spiele"-Teil von "Brot und Spiele"?
event.staller 22.02.2016
3. Klare Auskunft.
Immer wieder wohltuend, Herrn Hamanns Ausführungen zu folgen. Trainer dürfen leidenschaftlich sein, aber als Profi weiß ich, daß ich auch unter Streß auf dem Platz nicht die Beherrschung verlieren darf. Herr Schmidt hat eine Strafe allein deshalb verdient, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen.
thechamelion3 22.02.2016
4. Experte?
Aha, ein paar (hundert) BL Spiele und man ist ein Experte. Ich weiss ja nicht. Meines Wissens hat Hamann nie ein Amt inne gehabt oder eine Funktion, daher weiss ich nicht was ich davon halten soll. Vielmehr denke ich, das es absolut laecherlich ist, wie frueher der Kaiser oder Koenig, seine Befehle per Boten zu ueberbringen. Sorry, aber der Scheidsrichter kann einfach hingehen, und die Sache erklaeren. Eine Erklaerung hat schon oft wunder gewirkt. Und ich finde dieses arrogante getue der Schiedsrichter mit ihrer moechtegern unnahbarkeit und ihrer "ich bin der Boss" Attituede relativ daneben. Sie sind nicht die Hauptdarsteller, aber essentiell wichtig. Entsprechend sollten sie sich eigentlich kooperativ verhalten und das Spiel leiten. Die Unterbrechung war ja wirklich ein Witz, fast aus dem kindergarten. Der macht nicht was ich sage, dann gehe ich einfach. Es sollte doch gerade im Sport moeglich sein, hinzugehen und das ganze im Gespraech zu klaeren. Wenn dann wieder ueber "Vorbildfunktion" usw. geredet wird, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Weil die Schiedsrichter sowas von eindimensional sind.
pankoken 22.02.2016
5. Danke aus der E-Jugend
Wir danken für die vorbildliche Haltung. An euch werden wir wachsen. Merkt ihr eigentlich noch was? Völler dreht ja immer ab, aber ein BuLi-Trainer?
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