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Leverkusen-Aus in der Europa League: Wie nach einem Trainingslager unter Magath

Von , Leverkusen

DPA

Matt, blutleer, einfach enttäuschend: Bayer Leverkusens 0:0 im Rückspiel gegen Villarreal war für die Zuschauer eine Qual. Dass Trainer Roger Schmidt die Leistung dennoch "okay" fand, zeigt das Problem des Vereins.

Bei Bayer Leverkusen schimpfen die Verantwortlichen gern über die Ungerechtigkeit der Fußballwelt, über Schiedsrichterentscheidungen und bisweilen auch darüber, dass ihre Europapokalspiele fast nie im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt werden. Nach dem tristen 0:0 gegen den FC Villarreal, mit dem die internationale Saison des Werksklubs zu Ende ging, dürften sie nun froh gewesen sein, dass nur ein Nischenpublikum sich mit ihnen durch den Abend quälte.

Die Präsentation dieser Darbietung vor einem Millionenpublikum hätte nur neue Schäden am Image hinterlassen. Blutleer und matt hatte die Mannschaft gespielt, "wir haben es einfach offensiv nicht geschafft, zu Chancen zu kommen", sagte Karim Bellarabi. Statt einen mitreißenden Europapokalabend zu inszenieren, wirkte die Mannschaft, als absolviere sie ein Testspiel am Ende eines zweiwöchigen Konditionstrainingslagers mit dem erbarmungslosen Trainer Felix Magath. Vor 250 Zuschauern irgendwo in den Alpen.

Die Energielosigkeit war allgegenwärtig, die ganze Veranstaltung war umhüllt von einer Atmosphäre der Lethargie. Oft waren selbst in den hinteren Reihen der Arena die Rufe vom Rasen und die Kommandos der Trainer zu hören. Denn die große Mehrheit der 23.000 Zuschauer agierte ähnlich erschöpft und gelähmt wie die Mannschaft auf dem Rasen. "Durch die vielen Verletzten und die englischen Wochen haben uns die Kraft und die Mittel gefehlt", lautete die Erklärung von Sportdirektor Rudi Völler, die natürlich nachvollziehbar war. Zuletzt ist neben Leistungsträgern wie Ömer Toprak, Lars Bender oder Kevin Kampl auch noch Stefan Kießling mit Hüftproblemen ausgefallen. Sein Einsatz am Sonntag in Stuttgart ist fraglich.

Im Video: Rudi Völler zu den Verletzten

SID
"Keine Katastrophe"

Allerdings gab es schon erschöpfte und ersatzgeschwächte Mannschaften, die an besonderen Abenden verborgene Energiereserven aktivieren konnten. Die sich vom Zauber einer großen Europapokalnacht inspirieren und beflügeln ließen. Bayer Leverkusen war hingegen nicht einmal in der Lage, eine kurze Druckphase zu erzeugen. "Es hat einfach nicht gereicht heute, man muss das so akzeptieren", sagte Trainer Roger Schmidt, und vielleicht ist genau diese Haltung ein Teil des Problems. Sie haben das Achtelfinal-Aus einfach hingenommen, statt sich wirklich zu wehren.

Es sei "keine Katastrophe" passiert, erklärte Schmidt, die Performance seiner Mannschaft sei "okay" gewesen, "auch, wenn wir das vorne nicht zu Ende gespielt haben". Wirklich emotional reagieren die Leverkusener in diesem Jahr nur auf Ungerechtigkeiten wie falsche Schiedsrichterentscheidungen und auf echte Blamagen. Niederlagen wie diese werden mit einer erstaunlichen Gleichmütigkeit kommentiert. Wieder einmal liegt der alte Vorwurf auf der Hand, dass ein bedingungsloser Erfolgshunger nicht zu den prägenden Merkmalen der Leverkusener Vereinskultur gehört.

Derzeit wirkt Bayer Leverkusen desillusioniert, und wenn nicht alles täuscht, dann ist der körperliche Zustand der Spieler nicht der einzige Grund für die Müdigkeit. Die Hoffnungen auf eine große Saison in einem der Pokalwettbewerbe, die in der Hinrunde immer wieder geschürt wurde, ist verflogen, und in der Bundesliga hat das Team in den ersten 26 Partien eines Spieljahres zuletzt vor zehn Jahren noch weniger Punkte gesammelt. Eine fußballerische Weiterentwicklung ist seit Monaten nicht erkennbar. Schon jetzt ist klar, dass diese Saison bestenfalls als Übergangsjahr in die Vereinshistorie eingehen wird.

Sollte nun die erneute Qualifikation für die Champions League verpasst werden, wird das zweite Jahr unter Roger Schmidt als Rückschritt in Erinnerung bleiben. In der Vergangenheit hat die Klubführung in vergleichbaren Situationen gerne mal einen Trainerwechsel vorgenommen, aber diese Maßnahme steht vorerst nicht bevor.

Die Klubführung ist weiterhin überzeugt von Schmidt, und mit einem guten Frühjahr lässt sich das wichtigste Saisonziel ja immer noch erreichen: die erneute Qualifikation für die Champions League. Doch erst mal habe man "die gute Ausgangslage verspielt, wir müssen sehen, wie wir noch in die internationalen Plätze kommen können", sagte Schmidt. Die Zweifel hinter diesen Worten waren nicht zu überhören.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. 23.000 Zuschauer?
rosenblume 18.03.2016
Euro-Ligue Rückspiel, die Mannschaft muss liefern, die Aufgabe ist schwer aber nicht unmöglich - in Dortmund hätte man wieder 300.000 Tickets absetzen können. Aber wir sind eben beim Werksclub und da kommen 23.000 Zuschauer in ein Stadion, das ohne hin nur Platz für 30.000 bietet. Und dann sind das auch nur Glotz-und-Klatsch-Fans, die mal wieder ein internationales Spiel sehen wollen, weil morgen der letzte Schultag vor den Ferien ist und die Jungs, die eigentlich lieber den BVB auf Sport1 gesehen hätten, doch etwas länger aufbleiben dürfen. Keine Leidenschaft, keine Identität, kein Herzblut. Das ist ein absolutes Armutszeugnis. Das alleine sollte ein Kriterium sein Mannschaften wie Hoffendem, Wolfsburg und Leverkusen bei der Vergabe internationaler Plätze einfach nicht mehr zu berücksichtigen. Den großen FC Bayern sollte man gleich mit rausschmeißen. Da brüllen zwar immer 10.000 laut rum, aber der ganze Rest hat eine Bayern-Tour mit Hotel und Museumsbesuch gebucht, die dummerweise auch den Besuch eines Fussballspiels beinhaltet. Stimmung 0. Siehe Juve-Spiel.
2. @rosenblume
newbie 18.03.2016
Ja dann sind wir froh, dass die rosenblume nichts zu sagen hat. Mal abgesehen von dem unqualifizierten Kommentar der rosenblume ist es ein Armutszeugnis für Leverkusen. Die Bundesliga überschätzt sich halt wie immer... Dortmund kam auch nur weiter weil in England die EL überhaupt nichts zählt und Tottenham teilweise mit der B elf spielte. Die einzigen die International mithalten könne ist nunmal der fcb und der schwächten ja auch momentan.
3. Rosenblume
spon-1309986622190 18.03.2016
Genau so machen wir es: Sie schreiben einfach eine Subjektive Liste in welchen Stadien es ihnen am besten gefällt und der Reihenfolge steht dann die Bundesliga Tabelle. Dann können wir den Blödsinn mit dem Ball auch sein lassen, ist eh nur gefährlich. Stattdessen treffen sich jeden Samstag alle Fans jeder Mannschaft im Stadion, aufen und grölen und Sie sagen uns dann einfach wer das am besten gemacht hat.
4.
muellerthomas 18.03.2016
Zitat von newbieJa dann sind wir froh, dass die rosenblume nichts zu sagen hat. Mal abgesehen von dem unqualifizierten Kommentar der rosenblume ist es ein Armutszeugnis für Leverkusen. Die Bundesliga überschätzt sich halt wie immer... Dortmund kam auch nur weiter weil in England die EL überhaupt nichts zählt und Tottenham teilweise mit der B elf spielte. Die einzigen die International mithalten könne ist nunmal der fcb und der schwächten ja auch momentan.
Sie wissen aber schon, dass Dortmund international als Favorit für den EL-Titel gehandelt wird? Und der Große FC Bayern schwächelte? Weil man nur 4:2 gewonnen hat? Okay, nach Bayern und dann mit etwas Abstand Dortmund kommt lange Zeit tatsächlich gar nichts mehr. Und wo sind die englischen Mannschaften denn international? Vermutlich verliert die PL sogar einen CL-Platz an Italien.
5. Zum Glück
Ultras 18.03.2016
hat der User rosenblume nichts zu sagen, und werden internationale Startplätze nach sportlicher Leistung vergeben. Ein absolut unqualifizierter Kommentar, in Spanien, Italien, England und Frankreich bekommen selbst die Clubs "mit Atmosphäre" die Hütte nicht voll, sollen die dann auch kollektiv ausgeschlossen werden? Rosenblume scheint FC-Fan zu sein.
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Sieger Europa League der letzten 25 Jahre
Jahr Verein
2015 FC Sevilla
2014 FC Sevilla
2013 FC Chelsea
2012 Atlético Madrid
2011 FC Porto
2010 Atlético Madrid
2009 Schachtar Donezk
2008 Zenit Sankt Petersburg
2007 FC Sevilla
2006 FC Sevilla
2005 ZSKA Moskau
2004 FC Valencia
2003 FC Porto
2002 Feyenoord Rotterdam
2001 FC Liverpool
2000 Galatasaray Istanbul
1999 AC Parma
1998 Inter Mailand
1997 FC Schalke 04
1996 FC Bayern München
1995 AC Parma
1994 Inter Mailand
1993 Juventus Turin
1992 Ajax Amsterdam
1991 Inter Mailand
1990 Juventus Turin
1989 SSC Neapel
bis einschl. der Saison 2008/2009 "Uefa Cup"

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