Leverkusens Sieg im Pokal gegen Werder Wie ein (Alb-)Traum

Eine Aufholjagd, vier strittige Entscheidungen und drei Traumtore: Leverkusens Sieg gegen Werder war spektakulär. Und die meisten TV-Zuschauer sahen das Spiel nur wegen Paderborner Anwohner.

Werder Niklas Moisander, Leverkusens Kai Havertz (r.)
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Werder Niklas Moisander, Leverkusens Kai Havertz (r.)

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Szene des Spiels: Wie sollen wir das denn entscheiden? Ein Traumlupfer, eine Traumkombination, eine Traumparade, ein Traumschlenzer, ein gegebener Elfmeter, drei nicht gegebene Elfmeter, eine perfekte Einwechslung - sich auf einen Moment festzulegen, fällt bei dieser Partie schwer. Bezeichnend war letztlich wohl vor allem, dass Jonathan Tah bereits nach zwei Minuten und vier Sekunden Max Kruse im Strafraum foulte - und so für den Auftakt eines traumhaften Fußballspiels sorgte.

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Leverkusener Sieg im Pokal: Magische Nacht unterm Bayer-Kreuz

Das Ergebnis: Leverkusen gewinnt 4:2 nach Verlängerung (2:2, 1:2) und zieht ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Nach gut sieben Minuten stand es 2:0 für Werder, durch ein Elfmetertor von Kruse und einen sehenswerten Lupfer von Aron Jóhannsson - nach Vorarbeit von Kruse. Bayers Defensive schien im Tiefschlaf. Leverkusen kam durch Julian Brandt zurück ins Spiel (siehe: Ein Tor wie ein Gemälde). Bernd Leno bewahrte sein Team vor einem erneuten Zwei-Tore-Rückstand, als er den 30-Meter-Schuss von Florian Kainz mit einer Glanzparade aus dem Winkel holte. So herrschte vor allem bei Niklas Moisander zur Pause Feierstimmung (rechts im Tweet).

Die zweite Hälfte: Vielleicht hatte Moisander zu tief in den Becher geschaut? Jedenfalls leitete sein Fehlpass den Leverkusener Ausgleich ein. Wieder traf Brandt, diesmal mit einem schönen Schlenzer aus etwa 18 Metern. Das Tempo blieb anschließend hoch, das Spiel ausgeglichen, trotz weiterer Torchancen ging es in die Verlängerung.

Die Verlängerung: Leon Bailey, der ansonsten (ausnahmsweise mal) eher unauffällig spielte, setzte einen Freistoß an den Pfosten. Gegen Ende der ersten Hälfte hatte er Glück, keine Rote Karte zu bekommen, als er gegen Thomas Delaney ausschlug. Trotz Ansicht der Videobilder entschied Marco Fritz nur auf Gelb. In der zweiten Hälfte erzielte Karim Bellarabi mit dem ersten Ballkontakt nach seiner Einwechslung die erste Leverkusener Führung, Kai Havertz sorgte für die Entscheidung. Werders Traumstart endete als Alptraum.

Rudelbildung in Leverkusen
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Rudelbildung in Leverkusen

VAR da was? Es gab noch einige strittige Szenen, insgesamt hätte es drei Elfmeter mehr geben können. In der ersten Hälfte traf Charles Aránguiz im Strafraum Kruse im Gesicht. Nach der Pause brachte Maximilian Eggestein wiederum Aránguiz zu Boden. Kurz danach bewegte Ludwig Augustinsson den Ball im Sechzehner unglücklich mit dem Arm. In allen Fällen blieb die Pfeife von Schiedsrichter Fritz stumm - und der Video Assistent Referee (VAR) in Köln, Wolfgang Stark, überraschenderweise auch. Aus dessen Sicht lag in allen Szenen offenbar keine klare Fehlentscheidung vor.

Maximilian Eggestein (l.), Charles Aránguiz
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Maximilian Eggestein (l.), Charles Aránguiz

Ein Tor wie ein Gemälde: Neun Stationen, sechs Spieler, 16 Sekunden - das ist Leverkusens Treffer zum 1:2 in Zahlen. Von Torwart Leno aus spielte Leverkusen schlafwandlerisch sicher mit vielen schnellen Pässen in die Spitze, bevor Dominik Kohr auf Brandt querlegte und dieser einschob.

Maximaler Einfluss: Max Kruse ist nun an 13 von 27 Pflichtspieltoren beteiligt, die sein Team in der laufenden Saison geschossen hat - obwohl er fünf Partien verletzungsbedingt verpasst hat. Und nebenbei bewahrt der Angreifer sich seine perfekte Elfmeterbilanz.

Paderborn sei Dank: Warum wurde - gefühlt erstmals seit 20 Jahren - eigentlich nicht das Pokalspiel der Bayern im Free TV gezeigt? Weil die Partie in Paderborn nicht zur späten Anstoßzeit stattfinden durfte - eine Klage der Anwohner wegen Ruhestörung ist der Hintergrund. Deshalb sahen die ARD-Zuschauer keinen einseitigen Kantersieg der Münchner, sondern ein packendes Pokalduell.

Erkenntnis des Spiels: Nach einer Viertelstunde durfte man fragen: "Warum spielt Werder gegen den Abstieg und Leverkusen um die Champions League?" Die Gäste zeigten eine gute Leistung, besonders in der Anfangsphase. Aber zu den Bremern der vergangenen Jahre zählt auch, dass das Team nicht konstant genug und zu anfällig ist. Leverkusen stellte nach großen Defensivschwächen einmal mehr seine Qualitäten in der Offensive unter Beweis. Einen so frühen Zwei-Tore-Rückstand zu drehen, zeugt auch von mentaler Stärke. Zusammengefasst: Darum spielt Leverkusen um die Champions League und Werder gegen den Abstieg.

Bayer Leverkusen - Werder Bremen 4:2 nach Verlängerung (2:2, 1:2)
0:1 Kruse (3./Foulelfmeter)
0:2 Jóhannsson (7.)
1:2 Brandt (31.)
2:2 Brandt (55.)
3:2 Bellarabi (111.)
4:2 Havertz (118.)
Bayer Leverkusen: Leno - Lars Bender (79. Henrichs), Tah, Sven Bender, Wendell (114. Retsos) - Kohr (108. Bellarabi), Aránguiz - Bailey, Havertz, Brandt (102. Alario) - Volland
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Moisander, Veljkovic, Augustinsson - Maximilian Eggestein (114. Langkamp) - Junuzovic, Delaney - Johannsson (46. Rashica), Kruse, Kainz (91. Belfodil)
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Gelbe Karten: Bailey, Kohr, Wendell / Augustinsson, Eggestein, Gebre Selassie, Moisander
Zuschauer: 27.000



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
naeggha 07.02.2018
1. Danke Paderborn
Dank euch war mal wieder ein echt tolles und spannendes Spiel im TV. Auf ewig siegende Bayern kann ich nicht mehr sehen!
fredderfarmer 07.02.2018
2. Dank an die Paderborner und Sky!
So könnte ich beide Spiele sehen. Ich finde man sollte die Zuschauer vorher abstimmen lassen, welche Partien in den ÖR übertragen werden sollen. Der Zuschauer hat da glaube ich ein besseres Gespür für und muss es am Ende über die Zwangsabgabe ja auch mit finanzieren.
tomaraya 07.02.2018
3. Traurig!
Und das ist genau das Traurige im deutschen Fernsehen: Unter normalen Umständen wäre das "Bayernspiel" übertragen worden (die Gegner spielen kein Rolle)! Langeweile also nicht nur in der Liga sondern auch im Pokal...
goat777 07.02.2018
4. Respekt
Respekt wie Herrlich stehen bleibt als ihn sein Cotrainer nach dem 4:2 anspringt. Da hat er wohl an Standfestigkeit gewonnen, vor ein paar Wochen wäre er da wohl noch wie ein Baum gefallen! Respekt!
xpert666 07.02.2018
5. Der Videobeweis
wurde mal wieder eindrucksvoll ad absurdum geführt. Wozu die Videoschiris, sowie der Feldschiri gestern diese Funktion genutzt haben, bleibt ihr Geheimnis. Zum Erkennen klarer Fouls und Angriffe auf Gegenspieler schon mal nicht!
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