Bayern-Gegner ManCity: Starensemble auf Titelmission

Von Constantin Wißmann

Souverän Erster in der Bundesliga, dominant in der Champions League gegen Villarreal - doch wie stark ist der FC Bayern in dieser Saison wirklich? Das wird man erst an diesem Abend sehen: Mit Manchester City kommt der bisher schwerste Gegner nach München.

Foto: REUTERS

Von den Zahlen her spricht alles für den FC Bayern. Für die Münchner ist es das 151. Spiel in der Champions League, für Manchester City das zweite. Und die Heimbilanz gegen englische Teams ist eindeutig: In sieben Partien gab es keine Niederlage, dafür aber fünf Siege. Dennoch könnte das Duell mit den "Citizens" der erste schwere Test in der bisher wie ein Spaziergang verlaufenden Saison des FC Bayern werden.

Die Bayern, die wohl mit Superstar Arjen Robben, aber ohne den kranken Verteidiger Holger Badstuber antreten werden, wissen, worauf sie sich gefasst machen müssen. "Das ist eine absolute europäische Spitzenmannschaft und für uns eine riesige Herausforderung", sagte Trainer Jupp Heynckes. Allen ist klar: Manchester City ist gekommen, um zu gewinnen. Die Partie heute Abend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und den Champions-League-Titel. "Wir haben Respekt vor Bayern, aber wir sind nicht hier, um zu verlieren. Wir sind jetzt einer der Top-Clubs", sagte City-Trainer Roberto Mancini.

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Um sich klar zu machen, was für Kaliber auf den FC Bayern zukommen, muss man nur auf die Bank von Manchester City schauen. Dort saßen beim 2:0-Erfolg gegen den FC Everton am vergangenen Wochenende Offensiv-Stars wie Carlos Tevez, Mario Balotelli und James Milner. Allesamt Nationalspieler und insgesamt 90 Millionen Euro teuer. Jeder von ihnen kostete so viel wie oder mehr als Robben, der 2009 für 24 Millionen von Real Madrid zum FC Bayern kam.


Seit Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan aus Abu Dhabi den Club 2008 übernahm, pumpte der Milliardär Hunderte Millionen Euro, allein 450 Millionen für neue Spieler. Jetzt könnte das Mega-Investment endlich auch Erträge, sprich Titel, abwerfen.

In dem Jahr als Manchester City das bisher letzte Mal in der europäischen Eliteklasse spielte, wurde Martin Luther King erschossen und Led Zeppelin gaben ihr erstes Konzert. Es war ein kurzes Gastspiel in der Saison 1968/69. In der ersten Runde flog City gegen Fenerbahce Istanbul raus. Ein Jahr später gewannen sie den Europapokal der Pokalsieger. Seitdem außer dem Liga-Pokal 1976 nichts mehr.

Stattdessen wirkte der Club lange nicht nur wegen der hellblauen Trikots wie das englische Pendant zu 1860 München. Während der Stadtrivale Manchester United zu einem der größten Clubs der Welt heranwuchs, führte City ein Schattendasein: Von vielen Einwohnern der Stadt kultisch verehrt, aber auch chaotisch geführt und erfolglos.

Der Scheich brachte das Geld, aber zunächst keinen Erfolg

Das alles sollte sich ändern, als Scheich Mansour kam. Der Club gab scheinbar wahllos gewaltige Summen für neue Spieler aus. Der Kader blähte sich auf und selbst für weitgehend unbekannte Akteure wie den Slowaken Aleksandar Kolarov wurden ohne mit der Wimper zu zucken mehr als 20 Millionen Euro ausgegeben. Die Erfolge standen in keinem Verhältnis zum ausgegebenen Geld.

In den ersten beiden Jahren unter dem Scheich wurde der Club Neunter und Fünfter. In der vergangenen Saison sprang immerhin Platz drei und die Qualifikation für die Champions League heraus. Der Abstand zum Champion und Erzrivalen Manchester United betrug allerdings schmerzhafte 14 Punkte. Mit dem FA-Cup holte das Team immerhin den ersten wichtigen Titel seit 1970.

In diesem Jahr scheint der Club nun endlich stark genug, um in England und Europa nach den großen Titeln greifen zu können. In der Premier League liegen die "Citizens" ungeschlagen punktgleich mit Manchester United auf Platz zwei. Vor allem die Spielweise beeindruckt. Vor diesem Sommer erinnerte Manchester City an den FC Chelsea unter Trainer José Mourinho: Körperlich robust und kampfstark, aber ohne kreative Ideen. Das Mittelfeld mit Yaya Touré, Gareth Barry und Nigel de Jong konzentrierte sich aufs Zerstören. Vorn spielte Tevez den Alleinunterhalter. Nun wirbelt das Team seine Gegner mit attraktivem Offensivfußball auseinander.

Diese Entwicklung hat viel mit Geld zu tun, aber nicht nur. In dieser Saison investierte Manchester City noch einmal heftig. 72 Millionen Euro wurden allein für Edel-Techniker Sami Nasri vom FC Arsenal und Stürmer Sergio Agüero, Maradonas Schwiegersohn, von Atlético Madrid ausgegeben. Es war der entscheidende Schub für die vorhandenen Offensiv-Stars wie den Spanier David Silva. Coach Roberto Mancini hat es geschafft, aus der Ansammlung von Stars eine funktionierende Mannschaft zu formen. Auch Edin Dzeko, der Bosnier kam im Januar für 35 Millionen vom VfL Wolfsburg, blüht in dieser Saison auf. In fünf Liga-Spielen traf er sechsmal. "Es spornt mich enorm an, jeden Tag mit den besten Spielern der Welt spielen zu können", sagte Dzeko der "Welt am Sonntag".

Es wird Zeit, dass die Mannschaft ihr riesiges Potential abruft. Denn der scheinbar unerschöpfliche Geldstrom könnte bald versiegen. Mit dem Reformprojekt "Financial Fairplay" gibt der Europäische Fußballverband Uefa den Vereinen seit dieser Saison erstmals Schuldengrenzen vor. Innerhalb der kommenden drei Jahre ist ihnen maximal ein Verlust von 45 Millionen Euro erlaubt. Manchester City verzeichnete allein im vergangenen Jahr ein Minus von knapp 140 Millionen Euro. Wenn der Club mit dieser Bilanz die Champions League gewinnen sollte, wird es das dem Scheich wert gewesen sein.

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insgesamt 3 Beiträge
Hovac 27.09.2011
muss der Supperreiche ja auch hin mit seinem ehrlich erarbeitetem Geld, warum also damit nicht gute Arbeit anderer Vereine wertlos machen, weil man einfach alles kauft. Ich bin gespannt wie die Fair-Play Regel dann umgangen [...]
muss der Supperreiche ja auch hin mit seinem ehrlich erarbeitetem Geld, warum also damit nicht gute Arbeit anderer Vereine wertlos machen, weil man einfach alles kauft. Ich bin gespannt wie die Fair-Play Regel dann umgangen wird. Exclusiver Vertrag für z.B die Stollen 100Mio Euro im Jahr oder so ähnlich.
Greg84 27.09.2011
Da brauch sich denke ich niemand Illusionen machen. Bei City bin ich mir nicht sicher was die an Quote bringen aber auch, wenn United z. B. weiter Verlust macht (was sich bei den anfallenden Zinsen für die Schulden kaum [...]
Zitat von Hovacmuss der Supperreiche ja auch hin mit seinem ehrlich erarbeitetem Geld, warum also damit nicht gute Arbeit anderer Vereine wertlos machen, weil man einfach alles kauft. Ich bin gespannt wie die Fair-Play Regel dann umgangen wird. Exclusiver Vertrag für z.B die Stollen 100Mio Euro im Jahr oder so ähnlich.
Da brauch sich denke ich niemand Illusionen machen. Bei City bin ich mir nicht sicher was die an Quote bringen aber auch, wenn United z. B. weiter Verlust macht (was sich bei den anfallenden Zinsen für die Schulden kaum vermeiden lässt), kann ich mir kaum vorstellen, dass die UEFA den Verein konsequent ausschließt. Ähnlich wirds allen anderen großen europäischen Vereinen gehen. Die sorgen in der Regel für die hohen Einschaltquoten und nur durch diese lassen sich die utopischen Kosten für die Übertragungsrechte rechtfertigen.
psycho_moni 27.09.2011
Tja, dieses Spiel hätte sie schonmal verloren, die teure Truppe!
Tja, dieses Spiel hätte sie schonmal verloren, die teure Truppe!
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  • Dienstag, 27.09.2011 – 19:16 Uhr
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Sieger Uefa Champions League
Jahr Verein
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

Financial Fair Play
Das Financial Fair Play (FFP) ist ein Uefa-Reglement zur Lizenzierung der Clubs für die Teilnahme an europäischen Clubwettbewerben. Darin sind unter anderem sportliche, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle Bedingungen aufgeführt, die von den Clubs erfüllt werden müssen. So müssen im Verlauf der letzten drei Jahre beispielsweise die Einnahmen die Ausgaben ausgleichen. Ist das nicht der Fall, kann die Differenz durch private Geldgeber oder Investoren ausgeglichen werden, allerdings bislang nur bis zu einem Betrag von 45 Millionen Euro. Ab 2018 soll neu verhandelt werden, wie hoch dieser Betrag sein darf. Das langfristige Ziel besteht darin, den Betrag auf null zu senken. Bei Verstößen kann die Uefa die Clubs sanktionieren. Dies können Geldstrafen bei kleineren Verstößen sein und sogar der Ausschluss vom Europapokal bei schweren Vergehen gegen das FFP. Die Vereine haben mit der Uefa vereinbart, die Sanktionen zu akzeptieren.
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