Bayern ist Pokalsieger: Alles auf Triple

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Meisterschaft, Pokal - und jetzt will der FC Bayern die Champions League gewinnen. Das 4:0 gegen Werder Bremen hat gezeigt, wie stark van Gaals Truppe wirklich ist. Jetzt scheint auch international alles möglich.

DFB-Pokal-Finale: Bayern siegt, feiert und tanzt Fotos
REUTERS

Auch dieses T-Shirt war natürlich längst vorbereitet. "Double 2010" stand auf dem weißen Stoff, das der Ausrüster des FC Bayern München für seine derzeit besten Werbeträger parat hielt.

Kapitän Mark van Bommel nahm am Samstagabend um 21.58 Uhr den DFB-Pokal in Empfang - doch nicht jeder streifte sich das Shirt bei den Feierlichkeiten im Innenraum des Berliner Olympiastadions sofort über. Möglicherweise warten die Spieler lieber auf das Hemd, das für die nächste Woche vorbereitet ist: Triple 2010.

Münchens Fußballer, das ist die Botschaft nach einem der einseitigsten Pokalendspiele der deutschen Geschichte, sind national konkurrenzlos geworden. Der Rekordmeister und Rekordpokalsieger - der FC Bayern gewann das 15. Mal den DFB-Pokal - demütigte die vermeintliche zweite Kraft der Bundesliga. Werder Bremen verkam zum Spielball der nach Herzenslust kombinierenden Bajuwaren.

Mit den Toren von Arjen Robben (35./Handelfmeter), Ivica Olic (49.), Franck Ribéry (63.) und Bastian Schweinsteiger (83.) waren die verängstigten Hanseaten noch gut bedient. Franz Beckenbauer, die omnipräsente Koryphäe des Klubs, sprach von "einer Wonne", dieser Mannschaft zuzusehen. "Wenn mir das einer vor einem halben Jahr gesagt hätte, hätte ich ihn in die Nervenheilanstalt eingeliefert." Ihm war die Bravourleistung der von Louis van Gaal so exzellent befehligten Bayern sogar ein "bisschen unheimlich".

Aber war das nicht auch die beste Einstimmung, das ideale Einspielen fürs Champions-League-Finale am kommenden Wochenende in Madrid gegen Inter Mailand? "Das war ein hervorragendes Spiel, eines der besten in dieser Saison", sagte Trainer van Gaal, "wenn wir in der Ordnung spielen, haben wir eine hervorragende Mannschaft." Schade finde er nur, dass am Sonntag er und seine Spieler nicht auf dem Balkon am Münchner Marienplatz stehen. "Ich finde immer, wenn wir etwas gewinnen, müssen wir das feiern."

Generös wird van Gaal noch einen freien Tag gewähren, "dann beginnt die Vorbereitung auf Inter Mailand". Im Grunde gibt es nur einen, den van Gaal noch fürchtet: José Mourinho, den gewieften portugiesischen Taktiker auf der Inter-Trainerbank. Der weltweit am besten entlohnte Fußballlehrer ging bei van Gaal in die Lehre, als dieser den FC Barcelona coachte. Am Samstagabend im ZDF-Sportstudio verriet der Niederländer, dass er seinen Lehrling Mourinho für fähig halte, ihm ein Bein zu stellen. "Er kann mich am besten durchschauen. Er hat eine Philosophie, er kann eine Organisation vom Gegner kaputt machen. Er will Bayern kaputt spielen."

Doch besteht die Gefahr wirklich, dass das Mailänder Zerstörer-Ensemble, in dem kein einziger Italiener mitspielt, diesen Bayern gefährlich werden kann? Das 26. Pokalendspiel in Berlin gab auf diese Frage keinen Hinweis - dafür war Werder schlicht zu schwach. "Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, individuelle Klasse - das alles habe ich beim FC Bayern gesehen", gestand Bremens überforderter Abwehrchef Per Mertesacker. "Für uns bleibt nur eine gute Saison ohne i-Tüpfelchen."

Die Bayern-Brust wirkt in diesen Mai-Tagen so breit wie das Brandenburger Tor. "So ein Ergebnis ist traumhaft", sagte Shootingstar Thomas Müller, "wir feiern aber nur so viel, dass es reicht für Inter." In der Tat zelebrierten die rot-weiß-roten Stars in Berlin nur eine Party mit gebremstem Schaum - beim Sektspritzen und Bierverschütten wurde van Gaal verschont.

Der Trainer bildet mit seinen Profis eine verschworene Einheit. "Das wichtigste ist in dieser Saison im Kopf passiert", verriet Müller nach de Spiel, "wir haben hart gearbeitet, wir haben viele Besprechungen zur Taktik gemacht. Wir verstehen, was der Trainer von uns verlangt. Wenn wir so dominant auftreten, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen." Zumal die Münchner sich in den von van Gaal oft zitierten "Tod-oder-Gladiolen"-Spielen kaum eine Blöße geben.

Beim Showdown mit Inter am kommenden Samstag ist der FC Bayern nun in der Favoritenrolle. "Wir haben sehr dominant gespielt, viele Chancen kreiert und auch viele Tore geschossen", resümierte van Gaal genüsslich. Er habe seinen Spielern gesagt, dass es sehr wichtig sei zu gewinnen. "Aber auch die Art und Weise ist sehr wichtig. Ich denke, wir können noch besser." Geht das wirklich?

Abgesichert von Bastian Schweinsteiger und Mark van Bommel kurbelten Robben und Ribéry ein unberechenbares Offensivspiel an, dass dank der Lauf- und Spielstärke Müllers und Olics Weltklasseniveau erreichte. Und es war irgendwie bezeichnend, dass Nationalstürmer wie Mario Gomez (90 Minuten auf der Bank) und Miroslav Klose (80 Minuten) überflüssig waren und erst bei den Feierlichkeiten wirklich sichtbar wurden. "Ein Double ist schön", sprach Lahm aus, was alle an diesem Pokalabend dachten, "aber ein Triple ist noch besser. Die Mannschaft ist extrem hungrig. Sie hat extreme Lust auf Titel. Wir wollen etwas schaffen, was noch niemand geschafft hat."

Taktisch und technisch auf internationalem Level geschult, personell und finanziell auf einer Stufe mit den größten Clubs in Europa. Klar, dass Präsident Uli Hoeneß derzeit vor Stolz fast platzt. Und der Mannschaft allergrößte Komplimente machte: "Wir spielen momentan einen Fußball vom Allerfeinsten - das muss man als Gegner zugeben. Die Mannschaft ist spielerisch stärker als die von 2001. So wie wir im Moment die Gegner zumindest national dominieren, haben wir das damals nicht gemacht. Die Klasse ist, dass wir mental stark und spielerisch überragend sind." Jetzt habe, so der Boss, der FC Bayern "nichts zu verlieren" gegen Inter Mailand, man wolle "das Unmögliche schaffen". Da hat Hoeneß ausnahmsweise mal maßlos untertrieben.

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Forum - Hat Bayern München die Klasse zum Champions-League-Sieg?
insgesamt 848 Beiträge
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1. Hoffentlich....
Christian Bechmann 29.04.2010
Zitat von sysopBayern München hat es aufgrund starker Teamleistungen und überragender Individualisten wie Arjen Robben in das Finale der Champions League geschafft. Gegen Inter Mailand kommt es nun zum Showdown mit einer der besten Defensiv-Mannschaften der Welt. Wer setzt sich am 22. Mai im Endspiel in Madrid durch?
Wer weiß das schon? Ich hoffe aber die Bayern, auch deswegen, weil ich den elenden , langweiligen, den Fussballzuschaurer betrügenden, mit allen Tricks arbeitenden, italienischen Defensiv-Fussball endlich versenkt sehen will.
2. Frage?
Klo, 29.04.2010
Zitat von sysopBayern München hat es aufgrund starker Teamleistungen und überragender Individualisten wie Arjen Robben in das Finale der Champions League geschafft. Gegen Inter Mailand kommt es nun zum Showdown mit einer der besten Defensiv-Mannschaften der Welt. Wer setzt sich am 22. Mai im Endspiel in Madrid durch?
Wer nach einer langen Saison im Endspiel steht, der wird wohl schon die Klasse zum Sieg haben.
3.
malbec freund 30.04.2010
Zitat von Christian BechmannWer weiß das schon? Ich hoffe aber die Bayern, auch deswegen, weil ich den elenden , langweiligen, den Fussballzuschaurer betrügenden, mit allen Tricks arbeitenden, italienischen Defensiv-Fussball endlich versenkt sehen will.
Die Bayern können es durchaus schaffen. Ich sehe da zwei Vorteile: einmal ist van Gaal clever genug die erfolgreiche Marschroute auszugeben und zweitens haben die Bayern das Publikum im Bernabeu hinter sich.
4. .
Haio Forler 30.04.2010
Zitat von sysopBayern München hat es aufgrund starker Teamleistungen und überragender Individualisten wie Arjen Robben in das Finale der Champions League geschafft. Gegen Inter Mailand kommt es nun zum Showdown mit einer der besten Defensiv-Mannschaften der Welt. Wer setzt sich am 22. Mai im Endspiel in Madrid durch?
FCBInter 1:0
5.
Minkffm 30.04.2010
Zitat von Christian BechmannWer weiß das schon? Ich hoffe aber die Bayern, auch deswegen, weil ich den elenden , langweiligen, den Fussballzuschaurer betrügenden, mit allen Tricks arbeitenden, italienischen Defensiv-Fussball endlich versenkt sehen will.
Dass inter 4-3-3 spielt scheint an Ihnen vorbeigegangen zu sein...
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