Bayern-Manager Hoeneß: "Lahm liegt zu 90 Prozent falsch"

Mit seiner öffentlichen Kritik an der Führung des FC Bayern rüttelte Philipp Lahm den Verein auf - und wurde abgestraft. Jetzt hat Manager Hoeneß in einem Interview ausführlich zu den Vorwürfen des Spielers Stellung genommen - und teilt seinerseits kräftig aus.

Bayern-Funktionär Hoeneß: "Kaum zu glauben, was?"Zur Großansicht
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Bayern-Funktionär Hoeneß: "Kaum zu glauben, was?"

Hamburg - Zuletzt hatte ihn der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge noch als möglichen Kapitän ins Gespräch gebracht - nun geht das Präsidium des FC Bayern München mit Verteidiger Philipp Lahm hart ins Gericht. Manager Uli Hoeneß widersprach den vom Nationalspieler in einem Interview geäußerten Vorwürfen energisch. "Lahm hat in fast allen Punkten Unrecht", sagte Hoeneß der "Zeit".

Den Vorwurf, dem Verein fehle ein langfristiges Konzept, wollte der Funktionär nicht gelten lassen: "Lächerlich! Was glauben Sie, was passiert, wenn renommierte Trainer zu dir kommen und du sagst, da sind die Spieler, und du musst jetzt unser System spielen? Franz Beckenbauer hat die einzig richtige Antwort gegeben: Das System ist überhaupt nicht entscheidend, denn eine gute Fußballmannschaft muss verschiedene Systeme spielen können. Die Spielphilosophie bestimmt der Trainer."

Die von Lahm genannten Beispiele europäischer Spitzenclubs wie dem FC Barcelona will Hoeneß nicht nachvollziehen. "400 Millionen Schulden: super Philosophie!", sagte er über Barça. Auch am FC Arsenal und dessen Trainer Arsène Wenger ließ Hoeneß kein gutes Haar: "Können Sie mir sagen, wann die zuletzt einen internationalen Titel gewonnen haben? Arsène Wenger hat, soviel ich weiß, noch nie einen internationalen Titel gewonnen. Tolles Beispiel."

"Wir waren der Meinung, wenn wir den kaufen, wird er spielen"

Die Verantwortung für einen weiteren Kritikpunkt Lahms, das Überangebot an Mittelstürmern im Kader, schiebt Hoeneß Trainer Louis van Gaal zu. Konkret wurde er gegenüber der "Zeit" am Beispiel von Angreifer Mario Gomez, der im Sommer für über 30 Millionen Euro vom VfB Stuttgart gekommen war: "Kaum zu glauben, was? Wie kann man Gomez kaufen und ihn nicht aufstellen? Da sage ich, wir vom Verein haben noch nie einen Spieler gekauft und nachher selber aufgestellt. Wir waren der Meinung, wenn wir den kaufen, wird er spielen."

Uli Hoeneß über…
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Die derzeitige Situation des Rekordmeisters widerspreche dem landläufigen Glauben, beim FC Bayern würde Druck auf den Trainer ausgeübt, Spieler auch zum Einsatz zu bringen, so Hoeneß. "Was glauben Sie, was ich Druck machen würde, wenn ich könnte, um Gomez für 30 Millionen spielen zu lassen!"

Spielerberater Grill als Strippenzieher hinter den Kulissen

Die Idee für das kontroverse Interview führt Hoeneß auf den Einfluss von Lahms Spielerberater Roman Grill zurück: "Lahm liegt zu 90 Prozent falsch, und jetzt sage ich Ihnen, wer dahinter steckt: Roman Grill, sein Berater, der ja auch mal hier gearbeitet hat, will seinen Mandanten positionieren - als Kapitän, als Führungsfigur." Grill war früher Spieler beim FC Bayern und arbeitete zudem in der Pressestelle des Vereins.

Harsche Kritik an Trochowski und Rensing

Auch bei zwei anderen Klienten von Grill sparte Hoeneß nicht mit Kritik. Über Piotr Trochowski vom Hamburger SV lästerte er: "Der kann normalerweise keine zwei Sätze geradeaus sprechen, und jetzt spricht er über Fußball-Politik." Zweites Opfer: Michael Rensing, Torhüter bei den Bayern. Seit Grill dessen Berater sei, gebe der Keeper plötzlich "jede Woche ein Interview - und was für ein Schmarren er erzählt hat! Die letzten Chancen, hier erster Torwart zu werden, hat er sich durch die Interviews genommen."

Über die Zukunft von Coach van Gaal äußerte sich Hoeneß verhalten: "Wir werden sehen, ob das am Ende funktioniert. Ich habe Hoffnung, dass sich alle Beteiligten der Situation anpassen. Wenn sie sich nicht anpassen, dann wird es ein Problem geben, keine Frage."

Lahm war für seine Aussagen in dem Interview vom Verein mit einer Geldstrafe belegt worden, wie sie laut Karl-Heinz Rummenigge "beim FC Bayern München bisher nicht gegeben hat". Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur dpa müsste sie damit über 50.000 Euro liegen.

jok/sid

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insgesamt 716 Beiträge
Dylan1941 08.11.2009
Nö, Bayern zerbricht und das ist auch gut so.
Nö, Bayern zerbricht und das ist auch gut so.
Pinarello 08.11.2009
Das Thema wäre nach dem kommenden Spieltag, wenn der FC Bayern beim Tabellenführer Bayer Leverkusten gespielt hat wirklich zutreffender gewesen, da konnte es ein SPON-Praktikant wohl nicht erwarten.
Zitat von sysopPhilipp Lahm mit Fundamentalkritik, Luca Toni mit Stadionflucht, das Team im Niemandsland der Tabelle. Was läuft schief beim FC Bayern? Können Trainer und Management die Saison noch retten? Diskutieren Sie mit.
Das Thema wäre nach dem kommenden Spieltag, wenn der FC Bayern beim Tabellenführer Bayer Leverkusten gespielt hat wirklich zutreffender gewesen, da konnte es ein SPON-Praktikant wohl nicht erwarten.
irobot 08.11.2009
Bayern spielt zu Hause gegen Leverkusen. Nichtdestrotz wird das wohl die letzte Chance für van Gaal sein. Wenn die das Spiel nicht gewinnen (man schaue nur auf die Statistik), dann rollen Köpfe. Denn dann wird Uli Hoeneß zum [...]
Zitat von PinarelloDas Thema wäre nach dem kommenden Spieltag, wenn der FC Bayern beim Tabellenführer Bayer Leverkusten gespielt hat wirklich zutreffender gewesen, da konnte es ein SPON-Praktikant wohl nicht erwarten.
Bayern spielt zu Hause gegen Leverkusen. Nichtdestrotz wird das wohl die letzte Chance für van Gaal sein. Wenn die das Spiel nicht gewinnen (man schaue nur auf die Statistik), dann rollen Köpfe. Denn dann wird Uli Hoeneß zum Robespierre.
adminestrator 08.11.2009
Die Aussagen von Philipp Lahm sind präzise und korrekt! Bisher hatte keiner dem Mut gehabt, dies auszusprechen. Dass Uli Hoeneß darauf so sauer reagiert und Lahm und dessen Berater Roman Grill so forsch angreift, ist sicher mit [...]
Die Aussagen von Philipp Lahm sind präzise und korrekt! Bisher hatte keiner dem Mut gehabt, dies auszusprechen. Dass Uli Hoeneß darauf so sauer reagiert und Lahm und dessen Berater Roman Grill so forsch angreift, ist sicher mit der allgemeinen Unzufriedenheit zu erklären. Er kann ja nicht gut zugeben, dass Lahm einige Gründe dafür gefunden hat, weshalb es beim FC Bayern momentan nicht so läuft wie es sich die Verantwortlichen wünschen mögen. Letztlich spricht der Tabellenplatz Nr. 8 und das bevorstehende Aus in der CL doch die deutlichste Sprache.
thiber 08.11.2009
Es hängt sehr stark von den kommenden Personalentscheidungen ab, ob der FC Bayern wieder durchstartet. Substanz ist beim Verein mehr als genug vorhanden. Bei der Konkurrenz gibt es auch keine Überflieger. Richtiger Trainer, [...]
Es hängt sehr stark von den kommenden Personalentscheidungen ab, ob der FC Bayern wieder durchstartet. Substanz ist beim Verein mehr als genug vorhanden. Bei der Konkurrenz gibt es auch keine Überflieger. Richtiger Trainer, Weitergabe der Vereinsführung an eine Folgegeneration (ist ja teilweise bereits im Laufen) und dann gewinnt der FC Bayern wieder seine 3 bis 6 Meisterschaften pro Dekade.
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  • Donnerstag, 12.11.2009 – 14:37 Uhr
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Hat Bayern-Manager Uli Hoeneß mit seiner Kritik an Philipp Lahms Äußerungen Recht?

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  • Mir egal, ich bin kein Bayern-Fan.
Philipp Lahm über...
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