Bayern-Star Robben Der Unberechenbare

Bayern München tat sich in Stuttgart zunächst schwer, erst Arjen Robben brachte sein Team auf Kurs - wie zuletzt so oft. Der Niederländer sorgt bei Guardiolas berechenbarem Fußball für die besonderen Momente.

Robben (im Duell mit Stuttgarts Sakai): Fast den Bus verpasst
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Robben (im Duell mit Stuttgarts Sakai): Fast den Bus verpasst

Aus Stuttgart berichtet Sebastian Winter


Arjen Robben redete und redete, er erklärte in den Katakomben der Stuttgarter Arena gerade den mühsamen 2:0-Sieg seines FC Bayern. Dann kam plötzlich der Pressechef des deutschen Meisters und sagte: "Also Arjen, unsere Mannschaft fährt jetzt heim."

"Oh, dann geh' ich mit", erwiderte Robben, nahm seinen grauen Kulturbeutel und lief zum Bus. Am Ende des Ganges ließ er sich noch mit einem kleinen Jungen fotografieren, fast liebevoll streichelte er ihm danach über den Kopf.

Der 31 Jahre alte Niederländer spielt in diesen für den FC Bayern recht tristen Februartagen eine Schlüsselrolle, er ist wichtiger als je zuvor für seinen Klub - so auch gegen Stuttgart.

Seit Philipp Lahm verletzt ist, nimmt Robben die Rolle des Klassensprechers bei den Münchnern ein, die Bastian Schweinsteiger noch nie ausfüllen wollte. Er hat sich nie versteckt vor den Mikrofonen, auch nicht, wenn er schlecht gespielt hat. Momentan spielt er sehr gut. Man könnte auch sagen: Ohne Robben wären die Bayern zurzeit unendlich berechenbar.

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Schon gegen Schalke rettete er seinem Verein mit einem Kopfballtreffer zumindest einen Punkt, gegen Stuttgart wurde Robben zum Wegbereiter des ersten Rückrunden-Sieges. Robbens fulminanter Linksschuss aus halbrechter Position ins lange Eck zum 1:0 war die erste Chance der Bayern nach 40 lähmenden Minuten. "Man hat gesehen, dass wir am Anfang aufgrund der beiden letzten Spiele verunsichert waren, dank Arjen kamen wir dann in die Spur. Wir haben so eine Initialzündung gebraucht", sagte Bayern-Keeper Manuel Neuer stellvertretend für seine Kollegen.

Eigentlich war die erste Halbzeit - wie schon das Heimspiel gegen Schalke - eine Blaupause gewesen, wie man gegen Josep Guardiolas Mannschaft spielen muss. Stuttgart verteidigte tief, hart am Mann, mit einem engmaschigen Abwehrnetz, in dem die Bayern keine Lücke fanden. Und der VfB lauerte auf Konter. "Stuttgart hat es in der ersten Halbzeit exzellent gemacht, wir hatten ein bisschen Probleme, hinter die Mittelfeldreihe zu kommen", sagte Thomas Müller.

In der 28. Spielminute entstand aus einer Kontersituation, wie sie die Bayern diese Saison immer wieder in Not bringt, fast das 1:0. Vedad Ibisevic eroberte an der Seitenauslinie den Ball und spielte ihn hoch nach vorne - und schon war die Bayern-Abwehr um Dante und Medhi Benatia ausgehebelt. Christian Gentner passte zu Gotoku Sakai, der den Ball an den Außenpfosten zirkelte. Ein einfacher Schachzug über drei Stationen und die Bayern wären, wie bei der 1:4-Pleite zum Rückrunden-Auftakt in Wolfsburg, fast wieder matt gegangen. "Sie haben auf Konter gelauert", sagte Robben und prophezeite: "Daran müssen wir uns gewöhnen, denn das werden viele Mannschaften versuchen."

"Unser Spiel war nicht top"

Guardiola muss vor allem Sorgen machen, dass dem neuen Tabellenletzten der Bundesliga solche Spielzüge gegen die Bayern gelangen. Wenn Stuttgart die Münchner so leicht in Bedrängnis bringen kann, was ist dann erst mit Donezk, gegen das bald das Achtelfinale in der Champions League ansteht? Von vielleicht später anstehenden Aufgaben wie Barcelona oder Real Madrid ganz zu schweigen.

Der Bayern-Trainer war überhaupt nicht zufrieden mit dem Spiel in Stuttgart, bei der Pressekonferenz machte er das auch deutlich: "Es war schwer, unser Spiel nicht top. Die Qualität von Arjen Robben und David Alaba war heute der große Unterschied."

Alaba hatte in der 51. Minute das 2:0 mit einem herrlichen Freistoß aus fast 30 Metern erzielt. Ein Traumtor, aber auch eine Standardsituation, die Guardiola so wenig schätzt. Er möchte den Gegner aus dem Spiel heraus bezwingen, mit Passstafetten. Doch das gelang ihnen kaum.

"Ich verstehe Herrn Guardiola, dass er nicht zufrieden ist. Wir haben es ihnen nicht so einfach gemacht", sagte VfB-Trainer Huub Stevens. Zwar dominierten die Bayern nach Alabas Treffer das Spiel, sie wirkten zumindest ansatzweise wieder so dominant wie in der Hinrunde. Allerdings war ihr Gegner gebrochen.

So entschieden zwei Einzelaktionen diese Partie, was den Bayern nicht schmeichelt. Und als Robert Lewandowski am Ende noch zwei große Chancen zum 3:0 vergab, da wurde Guardiola wohl endgültig bewusst, dass seine Probleme gerade nicht kleiner werden.

VfB Stuttgart - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Robben (41.)
0:2 Alaba (50.)
Stuttgart: Ulreich - Schwaab (46. Harnik), Baumgartl, Niedermeier, Gotoku Sakai - Romeu (58. Maxim), Gentner - Klein, Hlousek (72. Kostic) - Ibisevic, Leitner
München: Neuer - Benatia, Dante, Alaba - Alonso - Weiser (46. Thomas Müller), Bernat - Robben (88. Rode) - Schweinsteiger, Lewandowski, Götze
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Romeu (6) - Benatia (4)

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
allster 07.02.2015
1. Frage
Aber der FCB muss sich jetzt nicht dafür entschuldigen, dass er einen Arjen Robben in seinen Reihen hat , oder? In den meisten Spielen machen Einzelaktionen den Unterschied. Einen Bus vor das Tor zu stellen ist erst mal keine Heldentat, wenn auch die Regel. Um diesen dann zu überwinden braucht man nun mal Geduld und individuelle Klasse. Beides hat die Mannschaft. Schön Spielen kommt auch noch, abwarten . Auch das " unbesiegbare Real" hat jetzt eine Klatsche bekommen. Soll alles vorkommen, macht die Mannschaft aber in ihrer Klasse nicht schlechter.
spon-facebook-10000131378 07.02.2015
2. Robben
Robben ist ein Sportler der mal ne Auszeichnung verdient! Teamgeist, sportliche Präsenz und unermüdlich an sich arbeitend! Sag ich als Dortmunder! Auch wenn er gegen meinen Lieblingsverein so oft Tore schießt, ich mag ihn!
trus 08.02.2015
3.
Robben ist einer der wenigen, die nach dem Spiel auch noch geistreiche Kommentare von sich geben.
oli345 08.02.2015
4.
Zitat von allsterAber der FCB muss sich jetzt nicht dafür entschuldigen, dass er einen Arjen Robben in seinen Reihen hat , oder? In den meisten Spielen machen Einzelaktionen den Unterschied. Einen Bus vor das Tor zu stellen ist erst mal keine Heldentat, wenn auch die Regel. Um diesen dann zu überwinden braucht man nun mal Geduld und individuelle Klasse. Beides hat die Mannschaft. Schön Spielen kommt auch noch, abwarten . Auch das " unbesiegbare Real" hat jetzt eine Klatsche bekommen. Soll alles vorkommen, macht die Mannschaft aber in ihrer Klasse nicht schlechter.
Vollkommen richtig, allerdings denke ich auch dass die Mannschaft in den letzten 3 Spiele unter ihrem eigentlichen Leistungsvermögen gespielt hat. Die Rückkehr von Ribery nächste Woche könnte helfen wieder an die Spiele der Vorrunde anzuknüpfen. zu Robben, hoffen hat der noch das ein oder andere Weltklassejahr vor sich
dr_nutschie 08.02.2015
5. Musterprofi
Bin großer Fan von Arjen Robben. Seine Leistungen sind seit Jahren konstant im Bereich der Weltklasse anzusiedeln. Er macht/e den Unterschied in vielen vielen Spielen. Toller Spieler!!
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