Bayern-Star Vidal Er feiert jetzt auf dem Spielfeld

Der FC Bayern dominiert gegen den FC Augsburg, weil alle ein bisschen besser spielen. Vor allem der Problemfall Arturo Vidal blüht unter Trainer Jupp Heynckes wieder auf. Die einzige Kontroverse: Lewandowskis Haarfarbe.

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Von Christoph Leischwitz, München


Hasan Salihamidzic wurde Ende Juli Sportdirektor beim FC Bayern München. Wie man heute weiß, ist er damals mitten in ein heftiges Stimmungstief hineingeraten, und das war dem Neuling auch anzumerken. Am Samstagnachmittag hingegen machte er so deutliche Aussagen über die Mannschaft, wie man sie noch vor wenigen Wochen nicht zu hören bekam.

"Man sieht: Die Jungs haben wieder einen richtig guten Fitnesszustand", sagte der Novize nach dem klaren 3:0 gegen den FC Augsburg. Der Sieg des Tabellenführers war auch in dieser Höhe angemessen gewesen.

Und ja, "auch Arturo hat gut trainiert", merkte Salihamidzic an, angesprochen auf einen der Besten in diesem Spiel. Der stand gerade fünf Meter weiter und gab lächelnd Interviews. "Ich bin sehr zufrieden. Ich war sehr konzentriert. Es war wichtig für mich, mit der Mannschaft zusammenzuarbeiten", sagte er über die vergangenen Tage. Wegen der Nicht-Qualifikation Chiles für die WM 2018 hatte er mehr Zeit gehabt, in München wieder Fuß zu fassen.

Alles easy bei den Bayern

Noch vor Kurzem war er ganz offensichtlich auch Opfer des Stimmungstiefs geworden. Vidal ließ sich gehen, mal wieder. Da war er wieder der Disco-Vidal, der mit nächtlichen Eskapaden negativ auffällt. Vergangene Woche fiel Vidal offensichtlich nur noch im Training auf, und zwar sehr positiv. Oder dadurch, dass er seinen Sohn Emiliano im Vatikan hatte taufen lassen.

"Wenn er in einer so guten Verfassung ist, braucht man einen wie Arturo", sagte Innenverteidiger Niklas Süle. Der Chilene habe vor der Abwehr "so viel abgesaugt, dass wir uns ein bisschen rausnehmen konnten". Alles easy zurzeit beim FC Bayern, der vor fünf Spieltagen fünf Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze hatte. Jetzt hat man sechs Punkte Vorsprung auf den Zweiten.

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Arturo Vidal: Erst die Arbeit

Für Trainer Jupp Heynckes war es der achte Erfolg im achten Spiel nach seiner Reaktivierung, sein insgesamt 500. Karrieresieg als Spieler und Trainer. Der 72-Jährige scheint die richtigen Maßnahmen zu treffen. "Wenn er morgens in die Kabine kommt, hat er für jeden ein richtiges Wort: Egal ob das die Physios sind, die Reha-Trainer, Spieler, verletzte Spieler", schwärmte Salihamidzic.

Klare Ansprache von Heynckes

Auch für Vidal fand Heynckes offensichtlich die richtige Ansprache: Er kenne ihn ja aus den zwei gemeinsamen Spielzeiten bei Bayer Leverkusen 2009 bis 2011, sagte Heynckes. "Ich weiß, was er zu leisten vermag. Als ich hier ankam, war ich mit ihm überhaupt nicht zufrieden." Das habe er dem 30-Jährigen auch "klipp und klar gesagt". Ebenso, dass eben andere spielen würden, wenn er nicht an seiner Fitness arbeitet. Und Vidal arbeitete.

"Ich bin zufrieden mit ihm", sagte Heynckes nun nach dem Augsburg-Spiel. Überschwänglich klang das nicht. Vidal hatte zwar Präsenz gezeigt und wichtige Bälle erobert, seine Zweikampfwerte lagen aber deutlich unter dem Schnitt des Teams (56 Prozent gewonnen). Das Team wiederum hatte zwar dominiert, aber gerade einmal sechs Schüsse auf das gegnerische Tor abgegeben - so viele Tore waren es in der vergangenen Saison unter Carlo Ancelotti gegen Augsburg gewesen.

Auch andere leben unter Heynckes auf, James etwa, obwohl der eigentlich wegen Ancelotti nach München gekommen war. Er hatte sich von einem Freundschaftsspiel Kolumbiens gegen China freistellen lassen, um schneller zurück zu sein und trainieren zu können. Und war gegen Augsburg ähnlich präsent wie Vidal.

Blond oder grau?

Der kürzlich verletzte Robert Lewandowski hatte die Diskussion um seine Unersetzlichkeit im Sturm zumindest vorübergehend entschärft, indem er in der Länderspielpause gar nicht spielte. "Ein bisschen Pause, ich denke das war die richtige Entscheidung für den Rest der Saison", sagte er.

Sein Doppelpack gegen Augsburg - das 2:0 in der 37. Minute hatte Vidal mit einem perfekten Steilpass auf den Weg gebracht - hatte Augsburgs Torwart Marwin Hitz verzweifeln lassen. Der Pole treffe jetzt nicht mehr nur mit links und rechts und mit dem Kopf, sondern auch noch "mit jeder Haarfarbe".

Lewandowski selbst nennt seine Haare nun übrigens "grau", der Schnitt lasse ihn schneller erscheinen, findet er. Kontroversere Themen als seine Frisur gab es Samstag bei den Bayern nicht, vier Tage vor dem Champions-League-Spiel bei RSC Anderlecht.

Robert Lewandowski
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insgesamt 14 Beiträge
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ge1234 18.11.2017
1. Trotzdem...
... bleibt Vidal ob seiner Ungestümheit ein permanenter Risikofaktor im Spiel der Bayern. Sollte er im Sommer gehen, würde ich ihm keine Träne nachweinen; mit Martinez und Tolisso steht mindestens gleichwertiger Ersatz bereit. James mausert sich zur spielbestimmenden Person, einfach genial sein Pass auf Vidal, den dieser an die Latte setzte! Ein Mittefeld mit Thiago und Martinez auf der sechs/acht und davor James mit Ribbery/Coman und Robben auf den Außen, da spielt man auch wieder um die CL mit!
spon_2937981 18.11.2017
2. Vidal
Vidal hat - wie der Artikel ja anführt - ein nicht gerade optimales Zweikampfverhalten und ist immer ein Kandidat für vorzeitiges Duschen. Das ist wirklich ein Risiko in jedem Spiel, das muss er in den Griff bekommen. Außerdem lief er heute und im letzten Spiel über den Platz wie ein Duracell-Häschen auf Speed - auf nahezu jeder Position zu finden. Das kommt zwar sehr engagiert rüber, aber dadurch entstehen auch Lücken dort, wo er eigentlich spielen soll. So ein bisschen sollte er sich dann schon an die taktischen Vorgaben halten. (Sollte 'flitz überall rum' die taktische Vorgabe gewesen sein - was mich sehr wundern würde - dann nehme ich natürlich unter Entschuldigungen alles zurück...)
achterhoeker 18.11.2017
3. Vidal feiert?
Gegen Augsburg, in der langweiligen Bundesliga. Was hätt er dann beim "Elfmeter in die Wolken" damals tun sollen?
achterhoeker 01.04.2015
4. Noch was?
Zwei über Dreißig alte Aussenstürmer , da fragt man sich was wird wenn's ernst wird. Aus den WM Kadern ihrer Länder sind sie schon raus. Und in München? Noch nicht. Kein Wunder was so ab Platz Zwei für Gegner "warten".
ich-geb-auf 19.11.2017
5. freue mich für Vidal
... Vidal in einer guten Verfassung ist wichtig für die Mannschaft! Und wenn er fit ist, hat er auch keine unnötigen Fouls mehr nötig. Tolles Spiel heute von ihm, die Balleroberung vor dem 2:0 war typisch für ihn der Jupp ist ein wahrer Glücksgriff für Bayern! Schade, dass er nicht weiter macht. Ich vermute mal, dass J. Löw nach der WM in Russland neuer Bayern Trainer wird und alles schon in trockenen Tüchern ist, das würde auch erklären, wieso Jupp eingesprungen ist und man nicht gleich einen wir Tuchel für 3 Jahre verpflichtet hat. Man wusste ab Juli 2018 kommt Löw Löw wurde auch gut zu Bayern passen, er kann deutscht, kann gut mit jungen Spielern, wird als Weltmeistertrainer von den Stars akzeptiert (da sehe ich das Problem bei Nagelsmann und Tuchel) und mit einem guten Assistenten kann er richtig viel bewegen.
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