Bayerns 1:0 gegen Darmstadt Endlich vorbei

Wer ist hier eigentlich abgestiegen? Darmstadt muss in die Zweite Liga - und wird gefeiert. Der Meister FC Bayern schleppt sich dagegen in Richtung Saisonende. Es wird Zeit für die großen Ferien.

Franck Ribéry, Hamit Altintop
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Franck Ribéry, Hamit Altintop

Von Florian Kinast, München


Zehn Minuten nach Abpfiff wurde es noch einmal richtig laut. Die Spieler des FC Bayern hatten das Spielfeld schon Richtung Kabine verlassen, und auch die meisten Zuschauer waren schon gegangen. Unten auf dem Rasen standen aber noch immer die Akteure von Darmstadt 98, sie winkten hinauf Richtung Gästeblock. Nordtribüne, Oberrang. Dort standen ihre mitgereisten Fans, leidenschaftlich schwenkten sie ihre blauen Fahnen und die blauen Schals, dann skandierten sie: "Auswärtssieg, Auswärtssieg."

Darmstadt 98 hatte gerade 0:1 beim FC Bayern verloren, damit war auch rechnerisch die allerletzte theoretische Hoffnung auf den Klassenverbleib in der Bundesliga dahin. Und doch feierten die Anhänger ihre Mannschaft. Selten wurde ein Absteiger so bejubelt wie hier. Mehr noch: Mitunter wirkte es an diesem eigenartigen Samstagnachmittag, als unterstützten die Auswärtsfans den Tabellenachtzehnten leidenschaftlicher als müde Münchner Zuschauer den alten und neuen Deutschen Meister.

Wie in der Schule nach Notenschluss

Für den FC Bayern war es das belangloseste Spiel der gesamten Spielzeit. Nach dem 6:0 am vergangenen Samstag in Wolfsburg standen sie bereits zum fünften Mal in Serie als Meister fest, große Festtagsstimmung wollte deswegen beim Publikum aber nicht aufkommen - und auch die Spieler schleppten sich eher bemüht als befreit über den Platz. Das gemächliche Spiel der Bayern wirkte wie in der Schule nach Notenschluss, wenn alles gelaufen ist und nichts mehr passieren kann. Letztlich ist es nur noch ein Herunterzählen bis zum letzten Schultag, wenn es das Zeugnis gibt - oder im Falle des FC Bayern am 34. Spieltag die Meisterschale.

Trainer Carlo Ancelotti hatte eine bessere B-Elf aufs Feld geschickt, zahlreiche Profis, die die meisten Spiele in dieser Saison von der Bank gesehen hatten. Sogar Renato Sanches durfte von Beginn an ran, doch auch diesmal konnte der 19-jährige Portugiese seine Chance nicht nutzen, agierte schludrig und wirkte einmal mehr fehl am Platz.

Dafür waren es zwei andere Stammreservisten, die das Spiel entschieden: Ersatz-Linksverteidiger Juan Bernat, der nach 18 Minuten das einzige Tor des Spiels erzielte - und Tom Starke, der etatmäßige dritte Torwart, der nach Manuel Neuers Fußbruch und Sven Ulreichs Bänderverletzung im Ellbogen das erste Bundesligaspiel nach mehr als drei Jahren bestritt und kurz vor Schluss noch einen Elfmeter von Hamit Altintop parierte: "Da hatte ich Glück", erklärte der 36-Jährige später, "ansonsten hat das großen Spaß gemacht. War schon besonders, mal wieder vor so vielen Fans zu spielen, im Training ist es ja auch nicht so, dass da 75.000 Zuschauer da sind."

Tom Starke pariert gegen Hamit Altintop
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Tom Starke pariert gegen Hamit Altintop

Sprach's und kündigte an, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. "Ich fahr heim, und dann wird gegrillt." Das passte zur lockeren Stimmung, die schon während dieses sonderbar unaufgeregten Spiels herrschte, das mehr an einen sommerlichen Kick in der Freizeitliga erinnerte als an eine seriöse Bundesliga-Partie.

"Ich bin froh, Euer Trainer zu sein"

Auch die Spieler von Darmstadt 98 waren nach Abpfiff völlig entspannt. So, als seien sie fast erleichtert gewesen, dass der Abstieg nun auch endgültig besiegelt war und sie sich nicht Woche für Woche wieder an einen winzigen Strohhalm klammern müssen. Das Fünkchen Hoffnung war endlich erloschen. "Der Weg zum Klassenerhalt war ja kaum mehr zu bewältigen", resümierte Mittelfeldspieler Marcel Heller, "wir können stolz auf die vergangenen Wochen und auf das Spiel heute sein, wir haben uns hier in München nicht abschlachten lassen."

Kapitän Aytac Sulu huldigte unterdessen Trainer Torsten Frings, der die Mannschaft im Januar übernommen hatte: "Er hat der Mannschaft den Spaß zurückgegeben, wir haben durch ihn wieder einen tollen Teamgeist." Das war auch nach Abpfiff zu sehen, als Frings die Mannschaft noch auf dem Platz zu einem Kreis formierte und nach Angaben von Darmstädter Spielern erklärte, dass er "stolz auf die Truppe" sei und gesagt habe: "Ich bin froh, Euer Trainer zu sein."

Als die singenden Darmstädter Fans dann doch irgendwann ihren Block verlassen hatten, sagte Frings den Reportern noch: "Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir absteigen, wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden. Wir wollen uns auch in den beiden ausstehenden Spielen noch teuer verkaufen." Da geht es noch gegen Berlin und Mönchengladbach. Die Bayern müssen noch nach Leipzig, am letzten Spieltag gibt es daheim die Schale und einen mutmaßlich emotionalen Abschied von Philipp Lahm.

Und dann wird es Zeit, dass endlich Ferien sind.



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
HH-Hamburger-HH 06.05.2017
1. Wunsch
Die Bayern pfeifen aus dem letzten Loch und müssen im nächsten Jahr einen Umbruch einleiten. Wenn es dann nicht, nach mehr als fünf Jahre, endlich wieder einen anderen Meister gibt, wann dann ???
ich-geb-auf 06.05.2017
2. sie haben das Spiel wohl nicht gesehen @0
denn aus dem letzten Loch hat Bayern nicht gepfiffen, sie haben zwar nur 1:0 gewonnen aber hätte locker 5-6:0 ausgehen können. Und hey.. vielleicht war das gar nicht Tom Starke sondern Manuel Neuer ^^
alaba27 07.05.2017
3. Traurig
Seltener war einer Bayern-Elf mehr Lustlosigkeit anzumerken. Dabei hatten sich nicht wenige gegen den bereits feststehenden Absteiger ein Schützenfest (quasi als "Entschädigung" für das zweimalige Aus in Europa- und DFB-Pokal) erhofft. Und dann sowas. Ein Umbruch wird höchste Zeit.
micheleyquem 07.05.2017
4. Hahaha... ja was denn nun?
"Müssen" sie einen Umbruch einleiten oder geht die Welt unter wenn sie ohne "Umbruch" wieder Meister werden? Die Bayern werden das tun, was sie jedes Jahr seit Jahrzehnten tun: Nach Saisonende wird entschieden, welcher Spieler auf dem Markt zu einem akzeptablem Preis den Kader verstärken kann. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Lahm und Alonso werden aufhören, Kimmich wird Alonso ersetzen, und so wie es derzeit aussieht wird Rafinha Lahm ersetzen, dass die beiden das (fast) schön können hat man ja gestern gesehen. Wenn das defensive Mittelfeld der Bayern nicht sowieso so stark wäre hätte auch Anceloti KLahm dorthin beordert und Rafinha rechts hinten spielen lassen. Jeder hat gesehen, dass Sanches bei den Bayern nichts verloren hat, er wird mit Kaufoption ausgeliehen. Weniger schön war gestern, dass Ribery eindeutig seinen Zenit überschritten, dass Costa schwächer ist, als er war als er kam, (und dass Coman stagniert). Starke kann gern noch bleiben... Was aus Müller wird, das weiss nur der liebe Gott. Wenn er nächste Saison das fortsetzt was er diese Saison, einschliesslich gestern gezeigt hatk, dann wird es wohl seinen letzte Saison bei den Bayern. Ich grübel wo du einen "Umbruch" kommen sehen willst?
stoffi 07.05.2017
5. Zum Saisonende
schwinden bei jedem Team die Kräfte. Das die Bayern aber nun angeblich aus dem letzten Loch pfeifen, ist nicht mehr als ein Gerücht. Warum sollen sie es jetzt nicht langsamer angehen lassen, wo alles gelaufen ist.
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