Bayern-Sieg gegen Leipzig Heynckes' Prüfung kommt erst noch

Frühe Rote Karte gegen Leipzig, souverän gewonnen, Tabellenführung: Bei Bayern München läuft es sportlich wieder. Ist das ein Verdienst von Jupp Heynckes? Seine Rückkehr fiel in einen günstigen Zeitraum.

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Déjà-vu: Rote Karte gegen einen Leipzig-Spieler, ein verärgerter Ralph Hasenhüttl und abwinkendende RB-Profis. Bayerns Bundesligaauftritt gegen den neuen Rivalen aus Sachsen ging gefühlt so weiter, wie das viel diskutierte Pokalspiel vor drei Tagen aufgehört hatte: Im Mittelpunkt stand auch diesmal der Schiedsrichter. Was war passiert? In der 12. Minute hatte Willy Orban Arjen Robben kurz vor der Strafraumgrenze gestoppt, Daniel Siebert entschied auf Freistoß und nach Videobeweis auf Notbremse und Platzverweis.

Bayern-Bonus? Nach den vielen Fehlentscheidungen von Felix Zwayer am Mittwoch (mehr dazu lesen Sie hier), lag der Unparteiische bei dieser Szene richtig. Robben hätte nach einem Pass von Sebastian Rudy frei auf das Tor zulaufen können. Orbans Berührung war zwar unglücklich, aber der Rempler reichte aus, um eine klare Torchance zu verhindern. Pech gehabt. Überflüssig war der Applaus von Robert Lewandowski für den Unparteiischen.

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Bayerns Sieg gegen Leipzig: 13 Minuten Spannung

Ergebnis: Bayern hatte in Überzahl keine Probleme, siegte mühelos und ist neuer Tabellenführer der Bundesliga. Hier lesen Sie die Meldung zum 2:0 (2:0)-Sieg der Münchner.

Stimmungskiller: Bayerns Pokalerfolg in Leipzig bot - trotz aller Fehlentscheidungen - tollen Fußball. So hatte man sich das auch für das Wiedersehen in der Bundesliga gewünscht. Einen entsprechenden Vorgeschmack gab es bereits vor dem Anpfiff, zumindest wenn man auf übertriebene Inszenierungen steht. Der FC Bayern hatte die Arena beim Einlaufen abgedunkelt: Lasershow, laute Musik - ein Hauch von einem Finale. Immerhin ging es nach Dortmunds Patzer auch um die Tabellenspitze. Dann flog Orban vom Platz.

Erste Hälfte: Und anschließend ging es vor allem um die Frage: Wie hoch gewinnt der FC Bayern? James Rodríguez machte den Anfang und erzielte das 1:0 in der 19. Minute. Danach konnten die Münchner Kräfte sparen (am Mittwoch geht es zu Celtic Glasgow). Leipzig kam kaum in die Nähe von Torwart Sven Ulreich und schien mit dem Spiel gedanklich abgeschlossen zu haben. Ein Beispiel dafür: In der 38. Minute passte Javi Martínez ungestört durch die Gasse, Lewandowski erhöhte auf 2:0. Das sah zu leicht aus.

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Rote Karte gegen Orban

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Zweite Hälfte (soll angeblich stattgefunden haben): Bayern machte das so souverän, wie man es erwarten musste. Zumal der Klub zuletzt in der Disziplin des Überzahlspiels Routine bekommen hat. Gegen den HSV vor einer Woche flog Gideon Jung vom Platz, am Mittwoch Naby Keita und diesmal Orban, es war das dritte Elf-gegen-Zehn-Spiel in Folge. Es blieb beim 2:0.

Spitzenreiter: Vor einem Monat hatte der FC Bayern noch fünf Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund und die Tabellenspitze, nun ist er mit drei Punkten Vorsprung Erster.

Ein Verdienst von Jupp Heynckes? Es gibt bisher spielerische Fortschritte unter dem 72-Jährigen. Aber, bei allem Respekt: Gegen Freiburg, den HSV und Leipzig in fast 80-minütiger Überzahl hätte die Mannschaft auch unter Carlo Ancelotti gewonnen. Auch Celtic in der Königsklasse und die äußeren Umstände beim Pokalweiterkommen waren dankbar. Der Faktor Heynckes ist noch nicht auszumachen, feststeht: Es gab zuletzt glückliche und falsche Schiedsrichterentscheidungen zugunsten des FC Bayern. Aber Heynckes Rückkehr fiel auch in eine Schwächephase beim BVB. Seit der Trainer zurück ist, hat der Rivale keine Partie mehr in der Bundesliga gewonnen.

Fragezeichen: Vielleicht war es Karma nach seinem unsportlichen Beklatschen der Roten Karte: In der Pause blieb Lewandowski in der Kabine, wohl mit einer Oberschenkelverletzung. Für das Leipzigspiel war sein Fehlen ab der zweiten Hälfte nicht weiter wichtig, mit Blick auf den kommenden Spieltag könnte ein Ausfall des Top-Stürmers aber ein Problem sein. Dann wartet Dortmund, und wenn der FC Bayern eine Schwachstelle im Kader hat, dann ist es der fehlende Ersatz für Lewandowski.

Bayern München - RB Leipzig 2:0 (2:0)
1:0 James (19.)
2:0 Lewandowski (38.)
Bayern: Ulreich - Alaba, Hummels, Boateng, Kimmich (84. Rafinha) - Rudy, Martínez - James, Thiago, Robben (86. Tolisso) - Lewandowski (46. Vidal)
Leipzig: Gulácsi - Halstenberg, Upamecano, Orban, Klostermann - Demme, Keita - Forbserg (62. Laimer), Sabitzer (46. Bruma) - Werner (22. Konaté), Poulsen
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Thiago / -
Rote Karte: Orban (Leipzig, 13.)
Zuschauer: 75.000



insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
HerrDietrich 28.10.2017
1. unter Carlo....
hat man nach einer 2:0 Führung gegen Wolfsburg noch 2:2 gespielt. Also würde ich nicht sagen das die Mannschaft unter Carlo die Spiele auch locker gewonnen hätte
dasistdasende 28.10.2017
2. Schiedsrichter : Leipzig 2:0
Da haben die Schiris es denn Leipzigern in den letzten 2 Spielen aber mal so richtig gezeigt, dass sie sich gefälligst von Bayern fernhalten sollen. Klar kann man das alles pfeifen. Aber es fällt schon auf, dass sowas in entscheidenden Spielen/Phasen nur gegen Bayern Gegner aber nie die Bayern selbst gepfiffen wird. Im Pokal hätte man auch Vidal Rot zeigen können, aber ist halt ein Bayern Spieler, da tut man das nicht so leicht. Was solls, egal, Gratulation zur Meisterschaft FCB. Und Robben, lol, der ewige Flieger.
spon_2937981 28.10.2017
3. Heynckes' Verdienst
Heynckes' Verdienst ist es auf jeden Fall, dass a) wieder die richtigen Spieler auf den richtigen Positionen auf dem Platz stehen und b) wieder mehr Selbstvertrauen und Zusammenhalt vorliegt. Auch das Pass- und Positionsspiel wurde sehr deutlich verbessert, unter Ancelotti war auch ohnehin selten ein System erkennbar. Insofern hat Heynckes schon sehr viel bewegt. Und ich wage sehr deutlich zu bezweifeln (auch wenn natürlich weder meine Behauptung noch die des Autoren belegbar ist), dass Bayern unter Ancelotti gegen den HSV gewonnen hätte. Die waren sehr stark im Pressing, dass hätte eine verunsicherte und pass-schwache Mannschaft doch vor erhebliche Probleme gestellt. Auch die Heynckes-Bayern hatten es sehr schwer bis zur roten Karte von Jung - und auch danach noch.
-volver- 28.10.2017
4. Unter
Heynckes wurde erst 1 Gegentor kassiert... hier hat sich auf jeden fall was getan. ausserdem war das programm von Ancelotti bis zum paris-spiel ebenso dankbar... aber nicht so erfolgreich. Wie gesagt. Wirkliche schlüsse wird man erst nach der winterpause ziehen können, wenn heynckes zeit hatte in ruhe fortschritte zu erzielen... aktuell würde ihm wohl niemand einen vorwurf machen, wenns mal weniger gut läuft.
dr.arroganto 28.10.2017
5. Karma, und anderer Unsinn...
Was Heynckes angeht, kann ich mich den Kommentaren nur anschließen. Günstiger Moment? Wer das Spiel gegen die Hertha und die verunsicherte Mannschaft gesehen hat, kann nicht ernsthaft von einem günstigen Moment reden oder schreiben. Im Gegenteil: Die Person Heynckes hat der Mannschaft, die verlorene Struktur zurückgegeben (um ehrlich zu sein, hätte das sogar einem Blinden auffallen können....) Und was Lewandowski angeht, wage ich mal die Prognose, dass er in Dortmund spielen wird - Stichwort Vorsichtsmaßnahme (und nicht Karma...)
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