Champions League Heynckes' Serie hält auch bei Anderlecht

Neuntes Spiel, neunter Sieg: Der FC Bayern setzt seinen Erfolgskurs unter Jupp Heynckes auch beim RSC Anderlecht fort. In der ersten Halbzeit hatte das Team aber viel Glück, nicht in Rückstand zu geraten.

AFP

Wenn der Torwart der beste Spieler einer Mannschaft ist, dann sagt das einiges aus über die Leistung seines Teams. Sven Ulreich war es zu verdanken, dass der FC Bayern München sein Champions-League-Gastspiel beim RSC Anderlecht unbeschadet überstanden hat. Auf der Gegenseite trafen Robert Lewandowski und Correntin Tolisso. So stand es am Ende dann doch so, wie man zuvor erwarten konnte: 2:1 (0:0) für die Bayern.

Es war der neunte Erfolg im neunten Pflichtspiel unter Trainer-Rückkehrer Jupp Heynckes. Theoretisch ist jetzt auch der Gruppensieg noch drin - dazu müsste allerdings ein sehr hoher Sieg über Paris Saint-Germain im letzten Gruppenspiel her. Das PSG, das die Bayern in Paris vor zwei Monaten noch 3:0 besiegt hatte.

Auch wenn die Bayern schon vor der Partie fürs Achtelfinale qualifiziert waren und der sportliche Stellenwert also begrenzt war: Es war der bisher schwächste Auftritt des Teams, seit Heynckes das Team betreut.

Friedl debütierte in der Startelf

Der Trainer begann die Partie mit dem jungen Marco Friedl auf der linken Abwehrseite, es war das erste Pflichtspiel des 19-Jährigen in der Startelf, und dann gleich in der Champions League.

An dem jungen Verteidiger lag es allerdings nicht, dass die Münchner zunächst überhaupt nicht ins Spiel fanden. Den ersten groben Abwehrfehler legte vielmehr Routinier Jérôme Boateng aufs Feld, seinen Fehlpass konnte der freistehende Lukasz Tedorczyk nicht nutzen, Ulreich reagierte reaktionsschnell.

In der Folge entwickelte sich das Spiel zu einer Art Privatduell zwischen dem polnischen RSC-Stürmer und dem Bayern-Torwart. Viermal stand Teodorczyk sträflich frei vor dem Keeper, er konnte keine seiner Chancen nutzen.

Die Bayern-Abwehr machte es den Anderlechtern leicht. Zahlreiche Zweikämpfe wurden verloren, die Pässe ungenau gespielt, es war eine schlampige Vorstellung der Münchner in der ersten Hälfte. Dazu passte, dass sie offensiv nur eine Gelegenheit zustande brachten. Lewandowskis Schuss wurde von einem belgischen Verteidiger kurz vor der Torlinie abgewehrt. Das 0:0 zur Pause wird im Reportersprech "schmeichelhaft" genannt.

Robben verletzt vom Platz

Nach dem Wechsel schien es zunächst weiterhin schlecht für die Bayern zu laufen. Arjen Robben musste schon nach wenigen Minuten am Oberschenkel verletzt vom Platz. Schon vor der Pause hatten die Münchner Thiago wegen einer Muskelverletzung ersetzen müssen. Aber nur wenige Minuten nach Robbens Abgang waren die Münchner zur Stelle: Lewandowski schloss eine schöne Kombination über Tolisso zum 1:0 ab. Sein zweiter Champions-League-Treffer in dieser Saison.

Danach hatte sich der Charakter des Spiels geändert. Die Belgier ließen sich ihre Enttäuschung anmerken, die Bayern den Ball in den eigenen Reihen kreisen. Lange hielt dies allerdings nicht an, Anderlecht schlug zurück und diesmal erfolgreich: Kapitän Hanni traf aus kurzer Distanz zum 1:1. Es war das erste Anderlechter Tor in dieser Champions-League-Spielzeit.

Die Bayern ließen sich allerdings nicht mehr verunsichern und spielten jetzt auf Sieg. Mit Erfolg: Nach einer Flanke von Joshua Kimmich war Tolisso mit dem Kopf zur Stelle und verlängerte zum 2:1-Siegtreffer.

RSC Anderlecht - Bayern München 1:2 (0:0)
0:1 Lewandowski (51.)
1:1 Hanni (63.)
1:2 Tolisso (77.)

Anderlecht: Sels - Appiah, Spajic, Kara, Deschacht - Trebel, Kums - Gerkens (64. Onyekuru), Dendoncker, Hanni (70. Bruno) - Teodorczyk (82. Harbaoui)
München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Süle, Friedl - Tolisso, Rudy - Robben (47. Martinez), Vidal (87. Hummels), Thiago (44. James) - Lewandowski
Schiedsrichter: Taylor (England)
Gelbe Karten: Spajic, Dendoncker / Boateng, Lewandowski, Ulreich
Zuschauer: 20.000

aha



insgesamt 6 Beiträge
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widower+2 22.11.2017
1. Unterirdisch
Die Leistung der Bayern in der 1. Halbzeit war geradezu erschreckend schwach gegen einen schwachen Gegner. Da ist dann jegliche Häme in Richtung Dortmund fehl am Platz.
spon_2937981 22.11.2017
2.
Wie's halt immer so kommt: in einem relativ unbedeutenden Spiel verletzten sich gleich zwei Spieler, und davon mit Robben auch noch einer derjenigen, die aktuell noch nicht ersetzt werden können. So ein Mist! Der Artikel/Spielbericht ist gut geschrieben, lässt allerdings außen vor, dass ('meine') Bayern auch Glück hatte mit diversen Abseitsentscheidungen und einem nicht gegebenen Elfer für Anderlecht. Heynckes wird sicher Schlüsse aus diesem Spiel ziehen können und die Punkte finden, die es noch zu verbessern gilt. Großes Kompliment an Anderlecht, die haben ein exzellentes 'Außenseiter-Spiel' gemacht. Das Pressing war enorm, und sie haben es lange durchgezogen. Langsame habe ich meine Zweifel, ob Boateng wieder vollends in seine Top-Form zurückfinden wird. Die körperlichen Defizite sind noch groß, er scheint viel unbeweglicher geworden zu sein (teils wie ein Schrank). Aber auch (oder vor allem?) der Kopf ist noch lange nicht auf der Höhe.
Greg84 23.11.2017
3.
Insgesamt wäre mir ein Unentschieden oder eine Niederlage lieber gewesen, wenn man dafür auf die Verletzungen hätte verzichten können. Hoffentlich sind die Verletzungen nicht so schlimm wie zumindest bei Thiago befürchtet. Dass die erste Halbzeit schlecht war, ist natürlich klar.
gnarze 23.11.2017
4.
Zitat von widower+2Die Leistung der Bayern in der 1. Halbzeit war geradezu erschreckend schwach gegen einen schwachen Gegner. Da ist dann jegliche Häme in Richtung Dortmund fehl am Platz.
Ja, die Leistung war wirklich mies. Aber im Gegensatz zu Dortmund wurde auch direkt nach Spielschluss von den Spielern und Trainer dieses Faktum schonungslos anerkannt und nicht Ausflüchte gesucht oder beschönigt. Ein Boateng ist halt kein Toprak und sagt auch klipp und klar, dass er/es äußerst schwach war.
kai_bremer 23.11.2017
5. Clever
Das ist bei Bayern der Unterschied und hat nichts mit Häme gegen den BVB zu tun. Bayern gewinnt eben auch schwache bis schlechte Spiele. Das hat sie schon immer ausgezeichnet und zeugt von Abgeklärtheit und Cleverness. Thiagos Verletzung ist allerdings bitter. Robben wird wohl bald wieder auf dem Platz sein.
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