Münchner Spektakel gegen den HSV Spielrausch bei der Bayern-Party

9:2! Der FC Bayern hat gegen den Hamburger SV sein Meisterstück abgelegt - auch ohne die Schale bereits gewonnen zu haben. Die Münchner spielten sich gegen die desolaten Gäste in einen Rausch. Doch Sorge bereiten die Standardsituationen - denn als Nächstes kommt der italienische Champion.

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Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Beim Stand von 7:0 war es den Fans von Bayern München endgültig egal, dass die Meisterfeier verschoben worden war. Sie sangen "Oh, wie ist das schön", und inmitten all der Begeisterung bahnte sich eine Schale den Weg durch die Zuschauerreihen. Sie war aus Stoff und im Durchmesser gut fünf Meter groß. Sie wanderte von der Südkurve zur Haupttribüne, und erst direkt hinter der Auswechselbank wurde sie von Ordnern eingeholt und zusammengewickelt.

Die echte Schale hat Bayern München offiziell noch nicht geholt am Samstagabend. Doch nach dem 9:2-Erfolg gegen den Hamburger SV waren sich alle einig: Mehr Unterhaltung konnten die Bayern-Stars dem eigenen Publikum beim besten Willen nicht bieten. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sah das ebenso: "Die Spieler haben ihre eigene Party gefeiert." Und Xherdan Shaqiri meinte: "Es wäre schon schön gewesen, an so einem Abend Meister zu werden. Aber es ist egal ob diese oder nächste Woche."

Schnellster Meister der Geschichte können die Bayern immer noch werden, am kommenden Samstag bei Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und der Sieg gegen Hamburg hat zudem dafür gesorgt, dass auch ein anderer Rekord in Reichweite rückt, der in Stein gemeißelt schien: Die 101 Tore des FC Bayern in der Saison 1971/1972. Derzeit sind es 78. In sieben Spielen 23 oder mehr Tore zu schießen, das ist angesichts dieser Überlegenheit in der Liga durchaus möglich.

"Das müssen wir natürlich besser machen"

Dabei war in dieser Saison stets von der überragenden Abwehr geschwärmt worden, sie hat ja immerhin auch erst 13 Gegentore bekommen. Doch ausgerechnet der völlig desolate Hamburger SV schoss in der Allianz Arena noch zwei Tore. In der ganzen Saison war das bisher nur Bayer Leverkusen, dem FC Arsenal und Fortuna Düsseldorf gelungen.

"Das müssen wir natürlich besser machen", sagte Abwehrchef Dante denn auch, der beim 1:8 durch Jeffey Bruma zu spät gekommen war. "Das waren jetzt die Tore Nummer drei und vier nach Eckbällen", sagte Bayerns Sportchef Matthias Sammer, daran müsse man schon arbeiten. Er sei aber "kein Mahner", fügte er lächelnd an, er weise nur darauf hin. An diesem Abend war ernsthafte Kritik an seiner Mannschaft schlicht unmöglich.

Der Hamburger SV war allerdings auch kein ernsthafter Gegner gewesen. Von Beginn an zeigte sich die Mannschaft taktisch katastrophal eingestellt. Als es nach Toren von Xherdan Shaqiri, Bastian Schweinsteiger und Claudio Pizarro nach 19 Minuten bereits 3:0 stand, fiel die Mannschaft auch moralisch auseinander.

Und die Bayern dachten gar nicht daran, sich zu schonen, im Gegenteil: In der 65. Minute, beim Stand von 7:0, brachte Bayern-Coach Jupp Heynckes Thomas Müller und Franck Ribéry aufs Feld, als ob da noch ein wenig Offensivkraft fehlen würde. "Ich glaube, dass wir heute schön mitspielen wollten, aber nicht fighten wollten", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink. Da darf man von Lernresistenz sprechen angesichts nunmehr 3:24 Toren in den vergangenen fünf Pflichtspielen gegen den FC Bayern. Tief gestaffelt stehen wäre sicherlich das bessere Mittel gewesen.

Ergänzungsspieler sorgen für acht Tore

Eine vernünftige Hamburger Taktik hätte auch dem FC Bayern geholfen, sich etwas besser auf das Spiel gegen Juventus Turin am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorzubereiten. Für die Champions League-Partie gegen den italienischen Spitzenreiter, der in 30 Spielen auch erst 19 Gegentore bekommen hat, bot das 9:2-Spektakel somit nicht den geringsten Erkenntnisgewinn. "Nicht einmal nur wegen der Qualität der Mannschaft", befand Sammer, "sie spielen auch taktisch ganz anders".

Höchstwahrscheinlich werden die Hauptprotagonisten des furiosen Siegs gegen Hamburg am Dienstag nicht einmal in der Startelf stehen. Shaqiri hatte mit seinem frühen Tor in der 5. Spielminute den Weg geebnet für dieses Schützenfest, als er völlig unbedrängt aus 20 Metern abziehen konnte. "Ich denke, ich konnte helfen, zu gewinnen", sagte der 21-Jährige. Und: "Es ist natürlich immer schade, wenn man auf der Bank sitzt."

Deutlicher würde der schüchterne Schweizer sagen, dass er glaubt, in die Startelf zu gehören. Noch mehr gefeiert als er wurde nur noch Claudio Pizarro, der viermal traf. Insgesamt waren die beiden Ergänzungsspieler an acht der neun Tore direkt beteiligt.

Was ihn ärgere, sagte HSV-Coach Fink noch, das seien die Standardsituationen - das 2:0 und das 3:0 für die Bayern waren nach Eckbällen gefallen. "Da muss man einfach enger dran sein", sagte er. Diese Erkenntnis war dann auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen den Bayern und dem Hamburger SV gewesen.

Bayern München - Hamburger SV 9:2 (5:0)
1:0 Shaqiri (5.)
2:0 Schweinsteiger (19.)
3:0 Pizarro (30.)
4:0 Robben (33.)
5:0 Pizarro (45.)
6:0 Pizarro (53.)
7:0 Robben (54.)
8:0 Pizarro (68.)
8:1 Bruma (75.)
9:1 Ribéry (76.)
9:2 Westermann (86.)
München: Neuer - Lahm (61. Rafinha), Boateng, Dante, Luiz Gustavo - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (64. Müller), Kroos, Shaqiri (65. Ribéry) - Pizarro Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Badelj (81. Kacar), Rincón (57. Rajkovic) - Skjelbred, van der Vaart, Son (57. Arslan) - Rudnevs Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)

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Seite 1
bennysalomon 31.03.2013
1.
Zitat von sysopGetty Images9:2! Der FC Bayern hat gegen den Hamburger SV sein Meisterstück abgelegt - auch ohne die Schale bereits gewonnen zu haben. Die Münchner spielten sich gegen die desolaten Gäste in einen Rausch. Doch Sorge bereiten die Standardsituationen - denn als nächstes kommt der italienische Champion. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-muenchen-deklassiert-den-hamburger-sv-a-891823.html
[QUOTE=sysop;12395565]9:2! Der FC Bayern hat gegen den Hamburger SV sein Meisterstück abgelegt - auch ohne die Schale bereits gewonnen zu haben. Die Münchner spielten sich gegen die desolaten Gäste in einen Rausch. Doch Sorge bereiten die Standardsituationen - denn als nächstes kommt der italienische Champion. Kotz!!
habbeltowner 31.03.2013
2. Adler Nationaltorhüter ???
Auch wenn er von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde und auch wenn die Mannschaft keine "Lust" hatte...SO darf man sich nicht abschlachten lassen und man muss auch keine 9 Tore kassieren...sowas war eines Nationaltorhüters unwürdig... Yogi Löw soll sich mal das BVB-Spiel in Stuttgart anschauen und sich dann mal fragen, wie es mit einer Nominierung von Roman Weidenfeller aussieht...der ist schon seit JAHREN top !!!! ...doch leider zeigt sich zum wiederholten Male, dass in der Nationalmannschaft NICHT nach Leistung aufgestellt wird....
Furious Fifties 31.03.2013
3. In einen Rausch kann man sich nur
gegen eine Mannschaft spielen, die auch mitmacht. Die Hamburger hatte nun einmal keine Lust auf die Bayern. Seit 50 Jahren zeigt mir der HSV immer mal wieder, dass auch der Fussball in der ersten Liga nur ein Spiel ist, bei dem man sich diese Freiheit nehmen kann.
romeov 31.03.2013
4. Die zwei Gegentore waren gut.
Der FCB ist bei gegnerischen Ecken enorm anfällig. Nicht so gegen Bundesliga-Mannschaften (die spielen eine Klasse unter Bayern), aber gegen internationale Gegner, wobei bei eigenen Ecken so gut wie keine Gefahr ausgeht. Deshalb waren die beiden Gegentore besser als ein "zu Null".
ciudad 31.03.2013
5. Mannschaft hui,Fans pfui...
Das gibt es nicht mal bei Hoffenheim. Da gewinnt die eigene Mannschaft 9:2!!!!!!!!!!! Und es kaum Stimmung da. Bei jeder anderen Mannschaft in der Liga ist mehr Stimmung bei einem 1:0 als bei Bayern bei einem 9:2. Was für eine fantastische Mannschaft und was für grottige Fans.
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