Medientag bei Bayern München: Völlig nüchtern Richtung Finale

Von Christoph Leischwitz, München

Bayern-Spieler Schweinsteiger (2.v.l.), Müller: Rhythmisch ins Endspiel Zur Großansicht
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Bayern-Spieler Schweinsteiger (2.v.l.), Müller: Rhythmisch ins Endspiel

Der FC Bayern lud zum Medientag - und aus der ganzen Welt strömten die Journalisten nach München. Spieler und Trainer des Deutschen Meisters ließen sich die vergangenen Feier-Tage nicht anmerken und gaben sich betont konzentriert. Im Training ging es richtig zur Sache.

Die erste Frage an Bastian Schweinsteiger war jene nach dem Restalkohol. Kurz zuvor hatte der FC Bayern ein öffentliches Training in der heimischen Arena abgehalten, es war der erste Auftritt des Vereins seit der Meisterfeier am vergangenen Samstag. "Gar nichts", sagt Schweinsteiger. 0,0 Promille, sollte das heißen. Er war womöglich nicht gänzlich unvorbereitet auf die Frage, gestellt hatte sie nämlich Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick.

Schweinsteiger sollte - nach all dem Jubel der vergangenen Tage - so seriös wie möglich wirken. Und das gelang auch. Denn selbst in diesem öffentlichen Training am Dienstagvormittag ging es konzentriert zur Sache wie in einem Champions-League-Spiel, Grätschen inklusive. Mario Mandzukic und Franck Ribéry etwa mussten die Einheit für kurze Zeit humpelnd unterbrechen.

Tatsächlich deutet nichts darauf hin, dass der FC Bayern am vergangenen Wochenende zwischen all den überdimensionalen Weißbiergläsern die nötige Anspannung für die Final-Spiele in der Champions League (25. Mai) und im DFB-Pokal (1. Juni) verloren hätte. "Letzte Woche war das schwieriger, es standen ja viele Feierlichkeiten an", sagte Kapitän Philipp Lahm. Doch jetzt sei man wieder im Rhythmus.

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Nun kam an diesem Medientag auch internationales Flair nach München. 190 Journalisten aus 16 Ländern waren für den Besuch in der Arena angereist. Trainer Jupp Heynckes traf dabei auch auf Alan McInally, der von 1989 bis 1992 unter dem inzwischen 68-Jährigen für die Bayern spielte. Heute ist der Schotte Fernsehjournalist. "Du hast dich ja nicht verändert", sagte der Trainer und klopfte ihm auf die Schulter.

Es war eine Reise in die Vergangenheit für Heynckes, eine weitere folgt am Samstag: Bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird er das letzte Bundesliga-Spiel seiner Trainer-Karriere bestreiten, das machte er erneut klar. Für Heynckes schließt sich mit der Rückkehr in seine Heimat Mönchengladbach ein Kreis, für seine Spieler jedoch ist die Partie weitgehend unbedeutend. Heynckes weiß das - und zerstreute direkt etwaige Zweifel am Siegeswillen seiner Spieler am letzten Spieltag: Die Mannschaft sei so auf Erfolg getrimmt, "das habe ich in meiner Karriere als Spieler und als Trainer noch nie erlebt."

Auch Thomas Müller wies verfrühte Gedanken an das Finale von sich. "Ich persönlich bereite mich geschmeidig auf das Bundesliga-Spiel vor, dann lege ich den Fokus auf Dortmund", so der 23-Jährige. Dann gab er aber doch zu, dass dieses deutsch-deutsche Finale etwas Besonderes sei: "Das ist noch brisanter. Das hat Würze, und ich mag Würze."

"Darüber möchte ich nicht reden"

Müller ist bei den Bayern schon festgelegt auf den Spaßvogel, Druck lässt er sich so gut wie nie anmerken. Doch nun steht die Frage nach bereits zwei verlorenen Champions-League-Finalspielen 2010 und 2012 im Raum. Was, wenn nun eine weitere hinzukäme? Würde dann nicht auch der aktuellen Rekord-Saison sofort wieder ein Makel anhängen? "Druck habe ich seit dem ersten Tag bei diesem Verein", sagte Müller nur trocken. Und Schweinsteiger sprach davon, dass ihn die Niederlage im letzten Finale in München sehr motiviere, "das merkt man auch bei anderen Spielern".

Sollten sie überhaupt Versagensängste verspüren, merkt man es den Spielern nicht an - wie auch schon vor den Spielen gegen Juventus Turin und den FC Barcelona im Viertel- und Halbfinale. Nur Arjen Robben wurde kurz schmallippig, als er auf Pfiffe in seine Richtung in der vergangenen Saison angesprochen wird. "Darüber möchte ich nicht reden", so der Holländer.

Was hingegen die internationale Presse am meisten interessierte: Warum ist der deutsche Fußball eigentlich so stark? Die Bayern sprachen viel von landesweit guter Jugendarbeit. Lahm etwa sieht die Entwicklung noch nicht am Ende: "Wir können rosigen Zeiten entgegenblicken, wir werden immer wieder die Möglichkeit haben, im Finale mitzuspielen." Der Kapitän sprach dabei nicht nur vom FC Bayern, sondern auch Borussia Dortmund - und von der Nationalmannschaft. Für die internationalen Journalisten muss es sich wie eine Drohung angehört haben.

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1. Angst des Schuetzen vor dem Elfmeter
tropcon 15.05.2013
Die Bayern haben das immer noch nicht ueberwunden. Ausserdem gehoeren die Jungs auch zur Loser-Generation von Klinsmann und Loew an. Wenn Dortmund schnell in Fuehrung geht werden die Nerven schon flattern.
2. Pack ma s
niemandhatkeiner1 15.05.2013
Das Ding muss einfach geholt werden :) So und jetzt bin ich auf das rumgenörgle der Bayern Hasser die sich normalerweise zahlreiche in diesen Foren bewegen gespannt
3. under pressure
tabuleranto1 15.05.2013
Als neutraler Fußballfan traue ich mir kaum eine Prognose hinsichtlich des Ausgangs dieses Finales zu. Auf dem Papier hat Bayern natürlich die stärkere Mannschaft, die darüber hinaus eine unglaubliche Saison hingelegt haben. Sie hätten es meiner Meinung nach auch wirklich verdient, die Spiele gegen Juve und Barcelona sprechen für sich. ABER: Der Druck auf den FCB ist gigantisch, ja wahrscheinlich unmenschlich hoch. Hinzu kommt das Trauma der letzten vergeigten Finals in der CL. Das Dortmund sich in der Underdog Rolle mehr als gefällt und sie das in der CL überragend umsetzen konnten, weis nun die ganze Fußballwelt. In so einem Spiel entscheiden Nuancen und vor allem - die mentale Stärke der Spieler. So sehr ich es den Leistungsträgern unser Nationalmanschaft aus München auch gönne - mein Tipp: Dortmund schafft die nächste Überraschung und holt sich den Pott.
4. ein klacks für Bayern
ffmer32 15.05.2013
Hallo? Ein Manschaft, die Barca 7:0 und Juve 5:0 schlägt soll nicht das Finale gewinnen? Die putzen den BVB weg wie ich mein Weizen an einem heissen Sommertag. Beim letzten 1:1 hat eine A Mannschaft von Dortmund plus Zuschauer nicht gegen eine B Mannschaft mit 10 Mann gewinnen können. Götze und Lewi sind im Geiste eh schon bei Bayern, ein 6:0 würde ich mal tippen :)
5.
appenzella 15.05.2013
Am Endspieltag kannste alles vergessen, was vorher war - da zählt nur eines, die Tagesform und das Quentchen Glück.
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