Bayern-Zukunft von Ribéry und Robben Das Dilemma mit den Altstars

Dürfen Arjen Robben und Franck Ribéry noch ein weiteres Jahr in München spielen? Die Entscheidung fällt Mitte April - eine Tendenz gibt es bereits vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Sevilla.

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Aus Sevilla berichtet Florian Kinast


Am Ostermontag wurde Karl-Heinz Rummenigge konkret. Eine Stunde vor Abflug zum Viertelfinal-Hinspiel am Dienstag in Sevilla (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stand der Boss des FC Bayern am Münchner Flughafen, als er für die kommenden Wochen wichtige Entscheidungen ankündigte: Bis Ende April soll ein Nachfolger für Trainer Jupp Heynckes feststehen. Bereits davor soll Klarheit herrschen, ob Arjen Robben und Franck Ribéry noch ein weiteres Jahr in München spielen dürfen oder nicht. Auf die Frage nach dem Zeitpunkt sagte Rummenigge: "Mitte April".

Es wäre das baldige Ende einer monatelangen Hängepartie - nicht aber das Ende eines Dilemmas. Denn die beiden 34 Jahre alten Altstars stehen exemplarisch dafür, dass sich die Bayern im Moment auf mehreren Ebenen schwertun, nötige Umbrüche einzuleiten.

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Arjen Robben und Franck Ribéry: Unverzichtbar oder Auslaufmodelle?

Rummenigge wurde am Montag nicht müde, die beiden Flügelspieler für ihre großen Verdienste zu preisen. "Wir wissen, dass beide tolle Spieler sind, mit denen wir große Erfolge feiern konnten", sagte er und schob nach: "Die beiden genießen einen hohen Stellenwert." Und in der Tat: Ribéry wie Robben zeigen für ihr Alter noch immer ordentliche Leistungen, manchmal gar brillante. An guten Tagen können sie gar ein Spiel allein entscheiden. Aber: Die guten Tage werden seltener.

Bei Robben war das am Samstag zu sehen, bei der 6:0-Gala gegen Borussia Dortmund war er einer der Unauffälligeren. Bei Spielzügen über die rechte Seite blieb er oft in der sonst desolaten BVB-Abwehr hängen, sein einst bei den Verteidigern gefürchteter und als "Robben-Move" titulierter Trick, rechts anzutäuschen, nach innen zu ziehen und dann ins lange Eck zu schlenzen, klappt schon lange nicht mehr so gut. Und auch Ribéry ist durchschaubarer geworden, selbst wenn er gegen Dortmund mit einem Tor und einer Vorlage mal wieder einen seiner besseren Abende erwischte.

Robben und Ribéry sind angehende Auslaufmodelle

Dem FC Bayern mangelt es derzeit an adäquaten Alternativen. Auf Ribérys linker Seite zeigte Kingsley Coman seit der Übernahme von Jupp Heynckes zwar einen deutlichen Aufwärtstrend - doch dann erlitt er beim 0:0 gegen Hertha BSC Ende Februar einen Syndesmoseriss samt folgender Köcheloperation, weshalb er mindestens bis Ende April ausfällt. Auf rechts hingegen hat der Meister gar keinen wirklichen Ersatz. Höchstens Thomas Müller, der hier mitunter aushilft, sich aber in der zentralen Position hinter Robert Lewandowski wesentlich wohler fühlt.

Es gibt aber auch Argumente gegen eine weitere Verlängerung. Steigende Anfälligkeit für Verletzungen und eine längere Regeneration, vor allem aber die Tatsache, dass beide immer wieder Unruhe in die eigene Mannschaft bringen. Robben schätzt sich als unersetzbar ein und stänkert regelmäßig, wenn er auf der Bank sitzen muss. Das war erst im Heimspiel gegen Besiktas der Fall. Dann sagt Robben gerne: "Jedes Wort wäre nun eines zu viel."

Oder der oft aufbrausende Franck Ribéry, der sich auf dem Platz wiederholt zu Rüpeleien am Rande der Tätlichkeit hinreißen lässt, wie zuletzt am Samstag gegen Julian Weigl. Woraufhin ihn Trainer Heynckes erst vom Platz nahm und dann ins Gebet, als er ernst auf ihn einredete.

Ob es dem neuen Trainer gelingt, die beiden in einem weiteren und vermutlich letzten Jahr in München auf ihre alten Tage noch zu disziplinieren, darf bezweifelt werden.

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Sollte der Klub mit Arjen Robben und Franck Ribéry verlängern?

Immerhin durfte man die Worte von Heynckes am Montagabend in Sevilla so deuten, dass die Zeichen auf Verlängerung stehen, auch wenn er sich selbst nicht in die Personalplanung einmischen möchte: "Ich habe meine Meinung, letztendlich muss der Klub wissen, was er tun will. Aber es gibt eine gewisse Tendenz."

Zudem hat Ribéry bekanntermaßen in Uli Hoeneß einen großen Freund und Fürsprecher. Der 66-jährige Bayern-Präsident, der sich wie Karl-Heinz Rummenigge (62 Jahre) selbst die Frage nach einem in absehbarer Zeit erforderlichen Umbruch auch in der Vorstandsetage stellen muss, erzählte einmal eine schöne Episode über regelmäßige Telefonate mit dem Franzosen. "Jedes Mal, wenn der Ribéry nach 70 Minuten raus muss, ruft er mich am Abend an und sagt: 'Jetzt habe ich genug, ich gehe!'"

Natürlich ging Ribéry nie. Am kommenden Samstag könnte er mit einem Sieg in Augsburg zum achten Mal Deutscher Meister werden und mit großen Namen gleichziehen, Lahm und Schweinsteiger, Kahn und Scholl. Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk: Am Samstag wird Ribéry 35. 2019 könnte er dann mit neun Meistertiteln alleiniger Rekordhalter mit den meisten Meisterschaftsgewinnen der Bundesliga-Historie werden. Ob es so kommt?

Im Mai 2017 sagte Hoeneß zur Nachfolge von Ribéry und Robben einen weitsichtigen Satz: "Es muss jetzt gelingen, im Schatten dieser Spieler Junge heranwachsen zu lassen, die rechtzeitig die Chance kriegen und an dem Tag da sind, wenn die anderen aufhören." Knapp ein Jahr später ist das nicht gelungen. Es wird nun höchste Zeit.

insgesamt 74 Beiträge
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chaosimall 03.04.2018
1. Die Bayern werden verlängern
weil sie gar nicht anders können. Es ist kein gleichwertiger Ersatz da, ein Ersatz für den Ersatz schon gar nicht. Auch dem neuen Trainer können sie keibe Leerstellen auf den aussennoräsentieren. Also müssen sie versuchen sich ein Jahr durchzuwurschteln.
Papazaca 03.04.2018
2. Oder echte Liebe beim BVB finden?
Der BVB als offener Verein würde - falls beide keinen Vertag mehr bekommen - beide gerne nehmen. Das wäre dann mal - bis auf Götze - was ganz neues. Ich weiß, nach dem lesen dieses Kommentars werden die Bayern mit beiden sofort verlängern. So einen Triumph will man dann dem BVB doch nicht gönnen, dann lieber eventuelles Ersatzbankdrücken in München. Ihr gönnt uns aber auch gar nichts.
Francesca F. 03.04.2018
3. jeder einzelne dieser beiden Spieler...
hatte noch mehr Feuer als die gesamte BVB-Truppe und fußballerisch besser als jeder einzelne in dieser BVB Truppe sind sie ohnehin, damit ist eigentlich alles gesagt.
rosinci 03.04.2018
4. Richtig,
Ein Jahr verlängern als Geschenk ist ausreichend. Coman und co. Können parallel viel mehr eingesetzt wereen. Zusätzlich könnte renato sanchez wieder die Chance bekommen, hat er die nicht so optimal nutzen können in england. James kaufoption ziehen ist perfekt. Weitere internationale verstärkung wäre gut. Am besten einen stürmer um 24-25 jahre der noch potenzial hat und ehrgeizig ist im erfolgsverwöhnten bajuwarenland vollgas zu heben, da wäre vielleicht der von Leipzig vielleicht nicht falsch, er hat ja international dieses jahr auch Erfahrung gemacht
Pela1961 03.04.2018
5. Ach ja ......
zum einen braucht Ribery glaube ich nicht mehr mit großen Namen gleichzuziehen - sein Name ist auch so groß genug. Zum anderen wären 17 andere Buli-Vereine immer noch heilfroh, zwei solche Spieler trotz des Alters in ihren Reihen zu haben. Sie gleichwertig zu ersetzen ist kaum möglich, insofern sollten sie solange spielen dürfen, solange sie es auch können und wollen. Der Krach, der da gesehen wird, wird wahrscheinlich von den Medien viel grösser gemacht als er es eigentlich war. Ist doch klar, dass ein Spieler spielen will. Man stelle sich vor, Robben und Ribery würden sagen "Am liebsten guck ich mir das Spiel von der Ersatzbank aus an, noch besser von der Tribüne............" Was das dann lostritt, haben wir auch gerade sehen können. Coman steht in den Startlöchern, ist inzwischen unverletzt ein durchaus guter, in ein paar Jahren vielleicht ein gleichwertiger Ersatz für Ribery, für Robben wird es schwer. Seine Art zu spielen ist zwar angeblich simpel, aber trotzdem kenne ich kaum einen Spieler, der das so perfekt macht wie er es kann. Aber auch da wird sich eine Lösung finden. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Verein schon mal den Spielbetrieb eingestellt hat, weil zwei Spieler aufhörten. Egal, ob ein di Stefano, ein Beckenbauer, ein Bobby Charlton, Zinedine Zidan und und und - es ging immer weiter und meist blieben die Vereine ganz gut dabei. Das wird auch nach Messi, Ronaldo, Robben und Ribery so sein.
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