Dramatisches Pokal-Halbfinale BVB euphorisch, Bayern düpiert

Das war kein Ausrutscher, das waren gleich zwei: In einem denkwürdigen Elfmeterschießen hat Borussia Dortmund das Pokal-Halbfinale gegen Bayern München gewonnen. Alles Wichtige zum Spiel im Überblick.

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Die Ausgangslage: Abschiedsblumen für Jürgen Klopp hatte der FC Bayern angekündigt, Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund waren vor der Partie zusammen Abendessen - die einstige Rivalität der beiden Vereine ist inzwischen ziemlich weichgespült. Kein Wunder, in der Liga trennen beide Klubs immerhin 37 Punkte, Hin- und Rückspiel gewann dort der FC Bayern (2:1, 1:0), im Pokalfinale vergangenes Jahr siegten die Münchner 2:0 nach Verlängerung.

Augenhöhe ist etwas anderes.

Klopp aber hatte angekündigt, auf die Blumen verzichten zu wollen ("sind auf Krawall gebürstet") und alles dafür zu tun, um auf seiner Schlussgraden als BVB-Coach nochmal einen großen Pokalabend zu zeigen. Er sprach das aus, was die meisten Fußballfans - Bielefelder und Wolfsburger ausgenommen - dachten: "Das ist ein Finale."

Das Ergebnis: 1:1 (1:0, 1:1) n. V., 0:2 im Elfmeterschießen. Oder ganz einfach: Wahnsinn.

Die erste Hälfte: Für ein gefühltes Finale war es lange arg einseitig. Bei den Bayern ließ Josep Guardiola wie schon gegen Hertha Mitchell Weiser auf der rechten Außenbahn spielen, im Mittelfeld begann Xabi Alonso statt Bastian Schweinsteiger. Auch Mario Götze und - erstmals nach seinem Bauchmuskelriss - Arjen Robben saßen auf der Bank. Bei Dortmund fehlte Ciro Immobile. "Nicht nur Nadelstiche sondern Akzente" wolle man setzen, hatte Klopp angekündigt. Doch mehr als sanfte Akupunktur kam nicht dabei heraus. Und als die Dortmunder mal mit Tempo Richtung Bayern-Tor stürmten, spielte erst Shinji Kagawa einen schlechten Pass und im Gegenangriff schoss Robert Lewandowski das 1:0. Für die Statistikfreunde: 68 Prozent Ballbesitz, 2:0 Torschüsse für München.

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BVB-Triumph in München: Keine Blumen, aber Elfmetergeschenke für Klopp
Die zweite Hälfte: Ging so weiter wie die erste aufgehört hatte, mit deutlicher Dominanz der Münchner. Erst schoss Lewandowski an die Latte, dann wurde ein Handspiel von Marcel Schmelzer nicht bestraft. Noch führten die Münchner nur 1:0, aber was sollte schon passieren, bei diesem harmlosen Gegner? Genau: das 1:1. Der kurz zuvor eingewechselte Henrich Mchitarjan legte quer und Pierre-Emerick Aubameyang grätschte den Ball aus ganz spitzem Winkel ins Tor. Manuel Neuer parierte zwar, aber deutlich hinter der Linie. Fast hätte Marco Reus sogar noch das 2:1 erzielt, aber Neuer reagierte blitzschnell.

Die Verlängerung: Es war nun das erhofft ausgeglichene Spiel. Den Bayern merkte man die Umstellungen nach den Auswechslungen von Müller und vor allem von Thiago an, den Dortmundern das plötzlich freigelegte Selbstvertrauen. BVB-Keeper Mitchell Langerak parierte noch grandios einen Schweinsteiger-Kopfball und checkte kurz darauf rücksichtslos Lewandowski um. Auch diesmal gab Schiedsrichter Peter Gagelmann keinen Strafstoß. Lewandowski blieb sichtlich benommen liegen, schleppte sich über die verbleibende Zeit, konnte aber zum Elfmeterschießen nicht mehr antreten.

Das Elfmeterschießen: Aus Bayern-Sicht war es eher ein Schlittern, ein Rutschen, ein ganz großer Schlamassel. Philipp Lahm und Xabi Alonso glitten beide aus, Mario Götzes Schuss wurde gehalten und Manuel Neuer traf nur die Latte. Zwar hielt Neuer gegen Mats Hummels, aber Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl trafen.

Xabi Alonso: Kein Stand, kein Treffer
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Xabi Alonso: Kein Stand, kein Treffer

Aufreger des Spiels: Schon wenn die Bayern gemächlich ihr Spiel aufbauten, hatten die Dortmunder immer wieder Probleme. Doch bei schnellen Angriffen der Gastgeber machte sich mitunter Hilflosigkeit breit. So wie in der 56. Minute in Person von Marcel Schmelzer, der sich auch breit machte, um Thomas Müller und den Ball zu stoppen, dabei aber im Strafraum beide Hände benutzte. Großes Glück für den BVB, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann und seine Assistenten diese Baggereinlage übersahen.

Choreografie der Bayern-Fans: "Badman und Robben"
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Choreografie der Bayern-Fans: "Badman und Robben"

Choreografie des Spiels: Zugegeben, Franck Ribéry ist keine Fledermaus. Aber "schlecht" ist der Franzose sicher auch nicht, weder als Mensch noch als Fußballer. Doch die Bayern-Fans feierten die - noch verhinderte - Flügelzange aus Ribéry und Arjen Robben als "Badman und Robben", in Anlehnung an den Masken-Torjubel von Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus. Wenn Sie wissen, warum aus dem "t" von Batman ein "d" wurde, freuen wir uns über eine Mail an spon_sport@spiegel.de

Ein- und Auswechslung des Spiels: Robben war erst seit Kurzem wieder im Training, nun schaffte es der Niederländer erstmals wieder in den Kader. "Arjen ist kein Joker", hatte Guardiola zwar betont, wenn Robben gegen den BVB spielen würde, dann von Beginn an. Doch der 31-Jährige saß nur auf der Bank, bis Guardiola sich in der 68. Minute selbst widerlegte und Robben brachte, als Joker. Doch nach nur 16 Minuten musste er schon wieder raus, mit schmerzverzerrtem Gesicht fasste Robben sich an die linke Wade. Ein erster Verdacht lautete Muskelfaserriss.

Arjen Robben: Schon wieder verletzt
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Arjen Robben: Schon wieder verletzt

Genießer des Spiels: Gerade hatte Schiedsrichter Gagelmann die reguläre Spielzeit abgepfiffen, die Masseure machten sich an den Spieleroberschenkeln zu schaffen. Auf der Bayern-Seite stand Guardiola Stirn-an-Stirn mit Lewandowski und redete eindringlichst auf seinen Stürmer ein. Nur wenige Meter entfernt der totale Gegensatz: Klopp schlenderte mit seinem Haifischgrinsen auf den lachenden Mats Hummels zu, als wolle er sagen: "Ziemlich genau so habe ich mir meinen Abschied hier vorgestellt." Dann ging Klopp weiter und verpasste Spieler für Spieler eine seiner Schraubstockumarmungen. Es war einer dieser typischen Klopp-Momente, von denen es nicht mehr viele geben wird. Einen schöneren Abschied als solch ein Spiel kann man sich für Klopp nicht vorstellen. Obwohl...

Fazit: Plötzlich ist Borussia Dortmund Favorit auf den Titel. Natürlich hat auch Wolfsburg, das am Mittwoch gegen Bielefeld (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch um den zweiten Finalplatz kämpft, eine viel bessere Saison gespielt. Aber die BVB-Profis machten den Eindruck, als wollten sie Klopp mit aller Kraft noch einen letzten großen Triumph gönnen und den Wunsch des Trainer wahr machen. Der lautet: "Noch einmal mit gutem Grund auf dem Lastwagen um den Borsigplatz fahren."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 188 Beiträge
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GustavLecter 29.04.2015
1. Unser Dank an Herrn Gagelmann
Es war nett von ihm durch den Platzverweis für Kampl dafür zu sorgen , dass auf dem Spielfeld am Schluss endlich wieder 11 gegen 11 spielten.
sman1983 29.04.2015
2. Lächerlich
" BVB-Keeper Mitchell Langerak parierte noch grandios einen Schweinsteiger-Kopfball und checkte kurz darauf rücksichtslos Lewandowski um." Was soll er sonst machen, Lewa köpfen lassen?? tsss
madra2006 29.04.2015
3. An alle überheblichen Bayern-Fans, ...
... die sich 100%ig sicher waren dass die Bayern den BVB aus dem Stadion fegen: und jetzt? Wir haben die derzeit beste deutsche Mannschaft zu Hause geschlagen! Ich hoffe die Stimmen, die den BVB kaputtgesagt habe, hören jetzt auf!
martha_rosentreter, 29.04.2015
4.
Jürgen Klopp! Du willst wirklich weg von diesem Wahnsinns-Verein? Überlege es Dir noch einmal! Bitte!!
bulle13000 29.04.2015
5. Grobe Schnitzer
Herzlich Glückwunsch BVB aus München. Trotzdem muss man Heute eine Leistung herausheben und das war die des Schiedsrichters der an diesem Abend eine sehr schlechte Leistung abgab, darunter 2 klare Elfmeter und viele Kleinichkeiten die sowohl falsch für als auch gegen die Bayern ausfielen. Man kann nur hoffe, dass das Finale einen besseren Schiedsrichter bekommt.
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