Von Sebastian Winter, München
Wenigstens hatte der laue Sommerkick noch eine aufsehenerregende Pointe. Denn ganz am Ende der für die Meister-Bayern bedeutungslosen Bundesliga-Partie gegen den SC Freiburg flitzte eine junge, leicht bekleidete Frau über den regennassen Rasen. Sie schien kaum zu stoppen zu sein, bis drei Ordner sie doch noch erwischten. Auch Jupp Heynckes hatte dieser Sprint nach dem 1:0-Sieg der Bayern sehr amüsiert: "Sie war sehr sportlich, fit, ist ganz schön gelaufen. Die Ordner haben ziemlich Stress gehabt", sagte Bayern Münchens Trainer.
Ansonsten bot die zwischen den Barcelona-Krachern versteckte Partie auch kaum Anlass zu Begeisterungsstürmen der Fans, außer hinsichtlich des nun erreichten Punkterekords. Zumal Heynckes sein Rotationsprinzip auf die Spitze getrieben hatte: Zehn neue Spieler hatte er im Vergleich zum glanzvollen 4:0-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League aufgestellt, nur Innenverteidiger Jérôme Boateng stand gegen Barcelona und Freiburg in der Startelf - er sollte Spielpraxis sammeln.
Während Schweinsteiger, Müller und Lahm das Spiel entspannt auf der Tribüne verfolgten, bahnte sich für die Reservisten ein undankbarer Nachmittag an. Es ging nicht nur um nichts mehr in dieser Partie. Auch die Aussichten, im Rückspiel gegen Barcelona von Beginn an zum Einsatz zu kommen, sind für Spieler wie Diego Contento, Emre Can oder Anatoliy Timoschtschuk äußerst begrenzt. Dennoch sagte Heynckes: "Unsere Mannschaft war nicht so perfekt wie in anderen Spielen, hat das aber trotzdem gut gemacht heute."
"Arbeitssieg mit Licht und Schatten"
Xherdan Shaqiri stach aus dem Ersatzbank-Ensemble deutlich heraus, nicht nur wegen seines fein ins lange Toreck gezirkelten Freistoßes zum 1:0 in der 35. Minute. Der 21-Jährige, der gerne Brillanten im Ohr und große Uhren an der Hand trägt, spielte Freiburgs Defensive mitunter schwindelig - und bekam ein Lob von höchster Stelle: "Er hat sich gut eingelebt, gut adaptiert und setzt seine Kreativität auch immer mehr in Geschwindigkeit um", sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer. "Heute hat er gut gespielt, aber nicht sehr gut. Er war schon viel besser."
Shaqiri selbst schien die Partie schnell abgehakt zu haben. Der flinke, kraftvolle Schweizer blickte kurz nach der Partie bereits Richtung Barcelona: "Die Gefahr ist, wenn man überheblich ins Spiel geht, keinen klaren Kopf hat und denkt, dass man schon im Finale ist. Aber wir wissen, was auf uns zukommt in Barcelona."
Auch Sammer legte das Spiel schnell ad acta, er bezeichnete es als "Arbeitssieg mit Licht und Schatten", und blickte dann mahnend nach Katalonien: "Die Führungsspieler müssen präsent sein, wir müssen genauso gegen den Ball spielen und unsere Kreativität und Gefährlichkeit an den Tag legen wie im Hinspiel."
Hoeneß lange in der Mannschaftskabine
Damit war eigentlich alles gesagt. Eigentlich. Und doch kam auch an diesem ansonsten gemächlichen Samstag wieder große Unruhe auf bei den Bayern. Nach SPIEGEL-Informationen hat Präsident Uli Hoeneß seine Selbstanzeige in der Steueraffäre innerhalb weniger Tage anfertigen lassen. Und zwar nachdem er von Recherchen zu diesem Thema gehört hatte. Die nachgebesserte Version ließ er demnach erst nach der Durchsuchung seines Hauses am Tegernsee vorlegen. Damit würde eine mögliche Strafbefreiung unwahrscheinlicher werden.
Hoeneß war auch gegen Freiburg im Stadion, nach dem Spiel lief er durch die Interview-Zone in die Bayern-Kabine zur Mannschaft - und hielt sich dort sehr lange auf. Auf dem Rückweg wollte er keinen Kommentar abgeben. Sportvorstand Sammer sagte: "Uli Hoeneß macht einen guten Eindruck. Und wenn ich irgendetwas tun könnte, dass es ihm noch besser geht, dann würde ich das tun. Ich werde immer an seiner Seite sein und hoffe, dass das andere gut geklärt wird. Der Mensch steht für mich im Mittelpunkt. Er kann sich auf mich verlassen."
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