Bayern-Sieg auf Schalke Plötzlich Mittelstürmer

André Breitenreiter war mit einer taktischen Idee ins Spiel gegen die Bayern gegangen, 69 Minuten lang ging sein Plan auf. Dann überraschte ein Schachzug der Münchner. Alles Wichtige zum Top-Spiel im Überblick.

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Die Ausgangslage: Eindeutig. Der FC Bayern hatte in seinen bisherigen zwölf Saisonspielen elf Siege und ein Unentschieden erzielt, Schalke seit sechs Pflichtspielen nicht mehr gewonnen. Um es noch klarer zu machen: Alle vier bisherigen Duelle mit anderen Europacupteilnehmern aus der Bundesliga, die André Breitenreiter als Schalker Coach zu verantworten hatte, waren verloren gegangen.

Das Ergebnis: 1:3 (1:1).

Die erste Hälfte: Begann so, wie es die Ausgangslage erwarten ließ. Bayern führte nach neun Minuten. Leon Goretzka fälschte einen Schuss von David Alaba nach einer eigentlich geklärten Ecke ins eigene Netz ab. Aber nur acht Minuten später gelang Max Meyer der Ausgleich. Leroy Sané profitierte dabei von seiner starken Ballbehandlung. Von Zeit zu Zeit verspringt dem Jungstar zwar immer mal einer, aber diesmal kam der Ball von Javier Martínez direkt wieder zurück. So konnte Sané Meyer anspielen. Ein Solo an Philipp Lahm vorbei und einen von Manuel Neuer wohl haltbaren Schuss später stand es 1:1.

Die zweite Hälfte: Ähnelte der ersten wie eine "Blaupause" (Sky-Kommentator Wolff Fuss). Soll heißen: Bayern hatte den Ball, Schalke hielt die Ordnung, die Münchner schossen immer wieder aufs Tor, selten jedoch wurde es gefährlich. Schalke kam praktisch gar nicht mehr zum Abschluss, aber das dritte 1:1 in Folge hätte sicher alle Gelsenkirchener gefreut. Am Ende reichte es aber nicht, weil Bayern dann doch noch eine Variation parat hatte. Martínez rückte nach dreiminütiger Ballzirkulation auf einmal in den Strafraum und köpfte nach Arjen Robbens perfekter Flanke das 2:1 (69. Minute). Robben und Robert Lewandowski vergaben Großchancen, in der Nachspielzeit stellte Thomas Müller den Endstand her.

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Bundesliga: Tor mit zweieinhalb Jahren Anlauf
Taktische Grundentscheidung des Abends: "Nicht zu ungestüm, aber auch kein Beton, das muss unser Weg sein", war Horst Heldt vor dem Spiel im "Kicker" zitiert worden. Was man halt so sagt vor einem Spiel gegen die Bayern. Tatsächlich waren die beiden einzigen Teams, die den Münchnern in dieser Saison Punkte abnehmen konnten, Arsenal und Eintracht Frankfurt, sehr defensiv vorgegangen. Schalke parkte ebenfalls den Bus, wie man heutzutage sagt. Aber sie parkten ihn nicht im eigenen Strafraum, sondern versuchten, die Abstände zum Mittelfeld eng zu halten. Die Fünferkette in der Abwehr erlaubte es ihnen dabei, dennoch nicht über die Außen überrannt zu werden. Die Defensividee funktionierte 69 Minuten lang ziemlich gut.

Hecht-Zirpel des Abends: Dreieinhalb Monate lang war Niklas Hecht-Zirpel der einzige Fußballer, der in dieser Saison einen Ausgleich gegen den FC Bayern erzielt hatte. Der Stürmer des Oberligisten FC Nöttingen hatte Anfang August in der ersten DFB-Pokalrunde zum 1:1 getroffen. Seither galt in der Bundesliga wie in der Champions League: Wenn Bayern führt, kann man den Sender wechseln, da passiert nichts mehr. Wer diese Devise heute beherzigte, der verpasste Meyers schönen Ausgleichstreffer.

Konkurrenz des Abends: Zeitgleich zum Spitzenspiel des 13. Bundesligaspieltags fand im Estadio Santiago Bernabéu der Clásico zwischen Real Madrid und Barcelona statt. Und in der Premier League feierte Jürgen Klopp einen beeindruckenden Sieg bei Tabellenführer Manchester City. Gerne hätte man alle drei Spiele gesehen. Für die internationale Präsenz der Bundesliga wäre es in Zukunft keine schlechte Idee, die Highlights mit etwas mehr Fingerspitzengefühl zu terminieren. Nicht jeder hat drei Bildschirme gleichzeitig zur Verfügung.

Konsequenz des Abends: Bayern führt die Tabelle an, mit acht Punkten Vorsprung vor Dortmund. Schalke liegt 17 Punkte hinter Platz eins - aber nur zwei Zähler hinter einem Champions-League-Rang.



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realist4 21.11.2015
1. Alles klar
"Nicht zu ungestüm, aber auch kein Beton, das muss unser Weg sein". So war es dann auch, eine Fünfer- und eine Viererkette ist kein Beton, das wäre es nur, wenn der elfte Mann auch noch vor dem eigenen Tor gestanden hätte.
donnerwetter 21.11.2015
2. Schön ist,
dass die Bayern jetzt wieder 8 Punkte Vorsprung auf Dortmund haben. Tucheldämmerung
ge1234 21.11.2015
3. Genau ...
...das zeichnet einen Weltklassetrainer wie Guardiola aus, dass er immer noch ein taktisches Ass im Ärmel hat.
Binideppert? 21.11.2015
4. Dass...
...Martinez ein starker Kopfballspieler ist, scheint man nach dessen langer Verletzungspause vergessen zu haben. Wenn der mal im Strafraum steht, wird es brandgefährlich.
hühnersuppe 21.11.2015
5. Das war peinlich...
für Schalke. Im eigenem Stadion mit allen! Spielern zu mauern. Ist das jetzt der neue Fußball der selbst ernannten Fußballmacht aus Gelsenkirchen??? Warum hat das Spielfeld eigentlich 2 Hälften und warum versammeln sich alle Spieler nur in einer? Nein Danke!
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