Bayern-Erfolg gegen Leverkusen Guardiola verleiht Flügel

Das ganz große Spektakel blieb aus. Doch das Duell zwischen den Tabellenspitzenreitern Bayern und Leverkusen verdient trotzdem das Prädikat "hochklassig" - vor allem wegen der taktischen Finesse beider Mannschaften.

AFP

Von Sebastian Winter, München


Mitte der zweiten Halbzeit musste sich Arjen Robben an der Seitenlinie behandeln lassen. Der Bayern-Spieler hatte sich im Zweikampf mit einem Leverkusener eine blutige Nase geholt. Die Ärzte versuchten, die Wunde zu stillen, während hinter ihnen Josep Guardiola tobte. Der Bayern-Trainer wollte nicht, dass Robben seinen Kollegen auf dem Feld so lange fehlte. FCB-Sportdirektor Matthias Sammer drückte es später so aus: "Pep war heiß wie Frittenfett, dass wir das Spiel gewinnen. Wenn es auf Messers Schneide steht, wenn es taktisch seziert wird, dann verzichtet er ungern auf ein so wichtiges Puzzleteil."

1:0 stand es während dieser Szene für die Münchner im eigenen Stadion. Franck Ribéry hatte sie in der 51. Spielminute mit einem Volleyschuss in Führung gebracht, sein Tor bedeutete zugleich den Endstand. Es war ein hochklassiges Bundesligaspiel, zumindest eine Stunde lang. Zwar hatten weder die Bayern noch Leverkusen viele Chancen, aber die Begegnung war umkämpft, temporeich - und ein Lehrstück für Taktikliebhaber.

Guardiola liebt die Taktik, und er hatte sich ein besonderes Gegenmodell ausgedacht für die offensiv ausgerichtete Bayer-Elf, deren Außenverteidiger zunächst wie erwartet extrem weit in die Bayern-Hälfte aufgerückt waren. Er stellte dem Werksteam überraschend ein 4-1-3-2-System entgegen, mit dem Strafraum-Experten Robert Lewandowski als linkem und Thomas Müller als rechtem Flügelstürmer. Eine Taktik, mit der der FC Bayern bereits vergangene Saison beim 3:0-Sieg in Dortmund Erfolg gehabt hatte. "Diese Strategie ist ihm ja nicht heute Nachmittag eingefallen, bei dieser Pressing-Konstellation wollten wir Anspielmöglichkeiten in der Tiefe und Breite haben", sagte Sammer.

Leverkusen hat's gemerkt

Im Klartext heißt das, dass die Bayern die sehr hoch stehenden Gegner mit langen Bällen auf Müller und Lewandowski übertölpeln wollten, diese sollten dann - im Verbund mit Mario Götze in der Mitte, sowie Arjen Robben und Franck Ribéry für Torgefahr sorgen. Guardiolas Taktik ging jedoch nur teilweise auf, auch weil Leverkusen sich schnell auf die außergewöhnliche Bayern-Formation einstellte. "Wir wussten schon, was wir machen sollten, aber Leverkusen hat nach zehn Minuten gemerkt, dass die Außenverteidiger nicht so hoch gehen dürfen. Dann hatten wir weniger Platz und es wurde nach vorne ein nicht ganz so prickelndes Spiel", sagte Müller.

Sein Kollege Lewandowski, der das 2:0 hätte schießen müssen, aber nur das Außennetz traf, schien weniger überzeugt von der Marschroute seines Trainers. Jedenfalls wirkte er nach dem Spiel noch immer reichlich irritiert: "Auf meiner Position musste ich nicht nur nach vorne spielen, sondern auch zur Seite, aber dann ist da in der Mitte niemand." Lewandowski wartete vor allem auf Götze, der aber kaum einmal in Erscheinung trat.

Ribéry war auffälliger, lief sich aber oft an den Gegnern fest. So fehlten den beiden Stürmern vor allem in der ersten Halbzeit die Anspielstationen in der Breite, von denen Sammer gesprochen hatte. Dennoch sagte Guardiola: "Sie haben das sehr gut gemacht." Der Bayern-Trainer meinte nicht unbedingt die Offensivaktionen, er ärgerte sich vor allem über die Pässe, die nicht ankommen wollten. Aber er freute sich zugleich darüber, dass Müller und Lewandowski Leverkusens Außenverteidiger Wendell und Tin Jedvaj so sehr beschäftigten, dass diese selbst kaum Offensivakzente setzten. "Die Links- und Rechtsverteidiger waren mehr gebunden durch unsere Anwesenheit", sagte Müller.

Mutiges Experiment

So hatten sich die Mannschaften quasi "neutralisiert", wie Sammer es ausdrückte. Eine Standardsituation brachte schließlich die Entscheidung. Sebastian Rode, der für Götze gekommen war und viel mehr Schwung brachte, hatte eine Ecke für die Bayern herausgeholt, in deren Folge Ribéry der entscheidende Treffer gelang.

"Es war vielleicht weniger Spektakel als erwartet", sagte Arjen Robben noch. Aber das musste es auch gar nicht sein an diesem Abend. Die wichtige Erkenntnis für die Bayern war, dass sie ihr taktisches Repertoire ein weiteres Mal, und das mittels eines durchaus mutigen Experiments, erweitert haben. Sie können sich mittlerweile auch dem gegnerischen Spiel anpassen. Eine Eigenschaft, die Guardiolas Bayern vergangene Saison nicht unbedingt zugesprochen wurde.

Bayern München - Bayer Leverkusen 1:0 (0:0)
1:0 Ribéry (51.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat - Xabi Alonso - Robben, Müller (88. Schweinsteiger), Götze (46. Rode), Ribéry - Lewandowski (90.+2 Højbjerg)
Bayer Leverkusen: Leno - Jedvaj, Toprak, Spahic, Wendell - Bender (62. Rolfes), Castro - Bellarabi, Calhanoglu, Son (62. Drmic) - Kießling (75. Kruse)
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg) Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Bellarabi (1), Castro (2), Son (3)
Ballbesitz in %: 64,8 / 35,2
Torschüsse: 9 / 3

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insgesamt 42 Beiträge
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Freidenker10 07.12.2014
1.
Arme Medien... Ein Bayernspiel zu kommentieren dürfte ähnlich schwierig sein, wie ein Rennen eines Ferrari gegen einen Golf, vor allem wenn man es noch spannend verkaufen will...;-) Unterm Strich spielen da 500 Mio gegen 100 Mio, also was soll dieses ganze gequatsche, von wegen Leverkusen oder sonstwer hätte eine Chance?
dasistdasende 07.12.2014
2. So sieht das dann aus
wenn eine Mannschaft einen Sport völlig dominiert. 4 Artikel auf der Spon Fußbalsseite über FCB-LEV, danach internationaler Fußball und nichts über die 6 übrigen BL Spiele. Und diese "künstliche" Spannung, die die gesamte Presse in dem Spiel gesehen hat, muß mir wohl entgangen sein. Ich habe nur einen nie gefährdeten FCB Sieg gesehen. Naja, Bayer hat "nur" 1:0 verloren, ich denke mal dafür hätten sie eigentlich einen Trostpunkt verdient gehabt. Sollte man bei FCB Spielen evtl. einführen bei knappen Niederlagen. ;)
eisenfuss66 07.12.2014
3. Kausalzusammenhang fehlt
Zitat von Freidenker10Arme Medien... Ein Bayernspiel zu kommentieren dürfte ähnlich schwierig sein, wie ein Rennen eines Ferrari gegen einen Golf, vor allem wenn man es noch spannend verkaufen will...;-) Unterm Strich spielen da 500 Mio gegen 100 Mio, also was soll dieses ganze gequatsche, von wegen Leverkusen oder sonstwer hätte eine Chance?
Ohne Frage ist der FC Bayern die aktuell dominierende Mannschaft der Bundesliga. Aber die Rechung 500 Mio gegen 100 Mio hat sich ebenfalls in dieser Bundesliga Saison als Quatsch erwiesen. Sonst würde die 340 Mio von Dortmund nicht gegen Mainz, HSV, Hannover oder Frankfurt verloren. Vielleicht sollten Sie neben "frei" auch mal mit "denken" anfangen ;-)
Shelly 07.12.2014
4. Irgendein Fußballer, Trainer oder Moderator
Zitat von Freidenker10Arme Medien... Ein Bayernspiel zu kommentieren dürfte ähnlich schwierig sein, wie ein Rennen eines Ferrari gegen einen Golf, vor allem wenn man es noch spannend verkaufen will...;-) Unterm Strich spielen da 500 Mio gegen 100 Mio, also was soll dieses ganze gequatsche, von wegen Leverkusen oder sonstwer hätte eine Chance?
ich weiß es nicht mehr, hat einmal einen Satz gesagt, der da lautet: Man kann die 18 besten Trainer der Welt in die Bundesliga holen, man kann die besten Spieler der Welt gerecht auf die Mannschaften verteilen, man kann allen gleich viel Geld in die Hand geben - am Ende der Saison wird nur eine Mannschaft Meister und 2 Mannschaften steigen ab. Natürlich sind die Bayern vorn, das haben sie sich mit jahrzehntelanger Arbeit, sowohl in der Mannschaft, als auch im Management verdient. Davon (u.a. von den CL-Plätzen) profitieren alle. Wie erklären sie mir außerdem mit ihrer Sicht der Dinge, dass z.B. Augsburg (momentan) Dritter ist?
huelin 07.12.2014
5. Bin kein Bayern-Fan...
...aber wieso wird in dem Artikel mit keinem Wort erwähnt, dass Son (gelb-rot) und Bellarabi (dunkelrot) zwingend vorzeitig vom Platz gemusst hättten?
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