Bayern-Sieg über Hertha Andere nennen es Arbeit

Langeweile, kaum Esprit, wenig Chancen: Und am Ende hat dann doch wieder der FC Bayern gewonnen. Das 1:0 über Hertha BSC war der Typus Arbeitssieg. So kann man natürlich auch Deutscher Meister werden.

DANIEL KOPATSCH/EPA-EFE/REX

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Szene des Spiels: In dieser Partie fiel nur ein Tor, aber der wichtigste Moment war eine Abwehraktion. Kurz nach dem Wiederanpfiff spitzelt Herthas Angreifer Davie Selke den Ball Richtung Bayern-Torlinie. Manuel Neuer ist bereits überwunden, aber Münchens Verteidiger Joshua Kimmich ist noch da. Er stolpert, er fällt, er stürzt und bekommt irgendwie den Ball noch an den Fuß und am Tor vorbei. Wenn das so Absicht war, dann war es brillant. Statt der Hertha-Führung fällt auf der anderen Seite wenige Minuten später das Bayern-Siegtor.

Ergebnis des Spiels: Es ist jetzt keine große Überraschung mehr: Bayern München gewinnt 1:0 gegen Hertha BSC durch einen Kopfballtreffer von Javi Martínez. Und damit sind in der Frühphase dieses Textes auch schon die beiden Highlights dieses Spiels abgeräumt.

Die erste Halbzeit: Ehrlich gesagt, quälend langweilig. Die Bayern mühen sich, Hertha lauert auf Konter und hätte damit einmal sogar fast Erfolg. Ansonsten plätschert alles vor sich hin.

Rerik gegen Lewandowski - Rot.
AFP

Rerik gegen Lewandowski - Rot.

Die zweite Halbzeit: Gleich vier bemerkenswerte Dinge. Das Tor, die Rettung von Kimmich, es gibt eine Rote Karte für Hertha-Verteidiger Karim Rekik, auf dem Platz vertreiben sich drei Tauben über Minuten die Zeit. Bei Ajax Amsterdam wird in der Pause gern "Three Little Birds" von Bob Marley gespielt, vielleicht wird das der Stadion-Nachfolger von "You'll never walk alone".

Spieler des Spiels: In diesem Sport werden sehr schnell Heldenmythen gestrickt. Derzeit ist Bayerns Javi Martinez an der Reihe. Der Spanier hatte weiß Gott bisher keine überragende Saison, aber am Dienstag, als es beim FC Liverpool darauf ankam, da bot er eine ganz starke Leistung. Da er am Ende Krämpfe hatte, wurde sein Startelfeinsatz gegen Hertha vier Tage später schon abgefeiert, als sei er Red Adair. Und dann macht er auch noch das einzige Tor. Kopfball nach einem Eckstoß, ein Tor so unprätentiös wie der Spieler selbst.

Ausfall des Spiels: Kingsley Coman, dieser hochbegabte Spieler, kam in der 56. Minute in die Partie, schon acht Minuten später musste er verletzungsbedingt wieder ausgewechselt werden. Tempospiel, Trickreichtum, Torgefahr - viel scheint im Moment beim FC Bayern davon abzuhängen, ob Coman gesund ist oder nicht. Dass das einzige Tor genau innerhalb dieser acht Minuten fiel, mag Zufall sein. Aber in München bangen sie jetzt schon wieder sehr um den Gesundheitszustand des jungen Franzosen. Coman ist auf dem Weg, so etwas wie der Marco Reus des FC Bayern zu werden. Man könnte auch sagen: Er übernimmt die Rolle von Arjen Robben.

Duell des Spiels: Robert Lewandowski gegen Karim Rekik. Die beiden geraten in der 84. Minute nach einem Zweikampf aneinander, der Niederländer rammt seinen Körper in den Bayernspieler, ein Fest für alle Wrestling-Freunde. Schiedsrichter Harm Osmers hatte für Wrestling offenbar nichts über, er zeigte Rot. Sky fragte den hauseigenen Experten Peter Gagelmann daraufhin nach der Berechtigung der Entscheidung. Gagelmann antwortete innerhalb von 30 Sekunden und in drei Sätzen: "Rot ist zumindest vertretbar. Die Rote Karte geht völlig in Ordnung. Rot ist zumindest nicht verkehrt." Wohl dem, der solche Fachleute hat.

Erkenntnis des Spiels: Fußball ist Arbeit. Wenn die Bayern tatsächlich noch Meister werden - und das wird ja zweifellos so passieren - dann könnten sie es tatsächlich schaffen, den Titel zu holen, ohne in der gesamten Saison ein einziges Spiel abgeliefert zu haben, an das man sich erinnert. Uli Hoeneß ist am Sonntag im TV-Doppelpass zu Gast. Es würde zu dieser Saison passen, wenn selbst dies nicht denkwürdig werden sollte.

Bayern München - Hertha BSC 1:0 (0:0)
1:0 Martínez (62.)
München: Neuer - Kimmich, Süle, Boateng, Alaba - Martínez, Goretzka (46. Thiago) - Gnabry, James, Ribéry (57. Coman / 66. Müller) - Lewandowski
Berlin: Jarstein - Lazaro, Stark, Rekik, Mittelstädt - Grujic, Maier (80. Dardai), Lustenberger - Duda, Kalou (80. Jastrzembski) - Selke
Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
Gelbe Karten: Kimmich, James
Rote Karte: Rekik (84.)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



insgesamt 64 Beiträge
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letitbe 23.02.2019
1. Fcb
Über Jahre hinweg haben die Bayern die Liga deklassiert, super Fußball,zelebriert und es wurde gemotzt weil keiner mehr hinterherkam. Jetzt arbeiten die Bayern die Liga auf und haben von den letzten 11 Spielen 10 gewonnen, ja auch so kann man Meister werden und jetzt passt es wieder nicht! Hauptsache über die Bayern gemotzt! Mir is egal wie der FCB gewinnt, und wir sind am Schluß vor den Ringelsöckchen!
maxgil 23.02.2019
2. Sch**ss
FCB, und ja, peinlich für die Liga, Fussball in D hat sich wohl erledigt, nicht mal Liverpool performt. Ich geh Golf gucken...
Mara Cash 23.02.2019
3. Arbeitssieg
Es war ein klassischer Arbeitssieg nach dem wichtigen Spiel in Liverpool unter der Woche, das entsprechend viel Kraft gekostet hat. Ich habe nichts anderes erwartet und fand die Leistung gegen Hertha okay.
minga1972 23.02.2019
4. Wichtiger Sieg
Ja, auch so muss man manchmal gewinnen. Das zeichnet gute Mannschaften aus. Dass SPON Sport mittlerweile ganz unverhohlen gegen Bayern schreibt und bei den Ringelsocken Fans ist, ist wohl nicht zu ändern. Ist aber auch nicht weiter schlimm....
Bärwurz 1412 23.02.2019
5. So deutlich hat Herrn Ahrends Herz noch nie ...
gegen die Bayern geschlagen. Selten einen so deutlichen parteiischen Artikel gelesen! Er triefte vor Bedauern. Mara Cash (#3.) hat die richtige Antwort gegeben!
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