Guardiola-Verpflichtung: Hoeneß' Weg zum Meisterstück

Von

Bayern-Präsident Hoeneß: Seit 1979 Manager des Clubs Zur Großansicht
Getty Images

Bayern-Präsident Hoeneß: Seit 1979 Manager des Clubs

Die Verpflichtung von Josep Guardiola ist das Verdienst eines Mannes: Uli Hoeneß. Der 61-Jährige machte Bayern München zum deutschen Großclub, scheiterte aber lange am nächsten Schritt - dem Club großen Glanz zu verleihen. Und nicht nur ein Festgeldkonto.

Uli Hoeneß ist ein Mann der Tat, er packt am liebsten selbst mit an. Ganz früher, als Jugendlicher in der Ulmer Metzgerei seiner Eltern, half er neben der Schule mit, den Laden zu schmeißen. Als Profi vertraute er nicht auf sein Talent, sondern disziplinierte sich eisern. Und später, als er bereits Manager des großen FC Bayern war, half er im Weihnachtsgeschäft im Fanshop aus.

Eines aber überlässt Hoeneß liebend gern anderen: seine Leistungen zu loben.

Kaum war am Mittwoch die Verpflichtung von Josep Guardiola als neuer Bayern-Trainer bekannt geworden, prasselte es von allen Seiten Glückwünsche in Richtung der Münchner. Selbst die Konkurrenz aus Dortmund nannte den Coup, den meistumworbenen Trainer der Welt nach Deutschland zu holen, "großartig".

Lob für die Bayern, das vor allem eines ist: Lob für Uli Hoeneß. Weltweit gibt es vielleicht eine Handvoll Vereine, die so eng mit einer Person verknüpft sind wie der deutsche Rekordmeister mit dem 61-Jährigen, in der Bundesliga sucht man Vergleichbares vergebens.

Fotostrecke

9  Bilder
Pep Guardiola: Erst Barça, bald Bayern
Seit bald 34 Jahren lenkt Hoeneß die wirtschaftlichen Geschicke des Clubs, erst als Manager, seit 2009 als Vereinspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender. Immer aber als Aushängeschild. Nach vielen Meisterschaften hat er nun auch sein Meisterstück abgeliefert. So geradlinig und stur der ehemalige Stürmer als Typ ist, so kontinuierlich Hoeneß an seinem Lebenswerk FCB arbeitete, so sehr wurde er doch auch immer wieder zurückgeworfen.

"Ich verstehe etwas von Finanzen und Geschäften. Ich verstehe etwas vom Fußball und Fußballspielen. Ich bin prädestiniert für diesen Beruf." Was sich wie ein Fazit einer langen, erfolgreichen Karriere liest, war tatsächlich die Selbsteinschätzung des Spielers Uli Hoeneß, der Ende der Siebziger nach Knieproblemen vor dem Karriereende stand. Kurz darauf übernahm Hoeneß dann tatsächlich den Managerposten bei den Bayern.

Das Selbstverständnis blieb über all die Jahre, hinzu kamen Erfahrung, Erlöse, Erfolge. Aus "sechs Millionen Umsatz und 3,5 Millionen Euro Schulden", wie er einmal der "Frankfurter Rundschau" sagte, machte Hoeneß den Club, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 332,2 Millionen Euro erzielte und einen Gewinn in Höhe von 11,1 Millionen Euro. Als erstes ging Hoeneß damals daran, die Schulden abzuarbeiten. Auf dem inzwischen schon legendären "Festgeldkonto" liegen inzwischen 127,6 Millionen Euro.

Möglich machte das Hoeneß' Geschick, große Sponsoren langfristig an den Verein zu binden. Dabei half ihm immer auch sein Gespür für Menschen. Egal, wie erfolgreich der Club war, Hoeneß legte stets Wert auf die Nähe zu den Bayern-Anhängern. Noch immer besucht er regelmäßig Fanclub-Treffen. Unter ihm wuchs der FC Bayern vom kleinen Verein zum Club mit rund 188.000 Mitgliedern weltweit, nur Benfica Lissabon (rund 225.000) liegt in dieser Statistik vor den Münchnern. Als Hoeneß den FC Bayern übernahm, war der SSV Ulm noch mitgliederstärkster Verein in Deutschland.

Beeindruckende Zahlen - und erstklassige Argumente, als es darum ging, Guardiola zu locken. Im Gegensatz zu den Scheich-reichen Nebenbuhlern Paris Saint Germain und Manchester City sowie Abramowitschs Chelsea muss man bei den Münchnern zudem nicht befürchten, dass die Geldgeber eines Tages keine Lust mehr haben.

Seine Familie lässt Hoeneß schließlich nicht im Stich. Ähnlich ist es bei Guardiola, der 41-Jährige ist ein Kind des FC Barcelona. Vereinstreue gilt den Katalanen mit dem Motto "Més que un club" ("Mehr als ein Club") ebenso viel wie Hoeneß, der bei den Bayern verdienten Ex-Spielern eine zweite Karriere als Trainer ermöglichte.

"Ich wollte etwas Großes: einen Club wie Real Madrid"

Der Verein als Familie, als gesundes Unternehmen, als national dominantes Team - all das hatte Hoeneß schon vor vielen Jahren erreicht. "Der FC Bayern hat es wie kein anderer Club geschafft, eine Marke zu entwickeln", sagte BVB-Boss Watzke im vergangenen Jahr der "Süddeutschen Zeitung". Marke klingt gut, Marke klingt aber eben auch nur nach Geschäft, nicht nach Träumen, Glanz, Ideen. Doch genau das war es, was Hoeneß wollte: eine Philosophie. "Ich wollte etwas Großes: einen Club wie Real Madrid", sagte Hoeneß im Interview mit "11 Freunde".

Auch ein Ottmar Hitzfeld feierte schon große Erfolge, unter anderem den Champions-League-Triumph 2001. Doch auch wenn die deutschen Meistertitel weiter regelmäßig an der Isar landeten, der nächste Schritt hin zum deutschen Real Madrid gelang selbst unter dem studierten Mathematiker nicht, erst recht nicht unter Hitzfelds Nachfolger Felix Magath. Hoeneß musste etwas tun, was ihm an sich schwerfällt: etwas wagen und experimentieren.

Der erste Versuch mit Jürgen Klinsmann ging gründlich daneben, Louis van Gaal schaffte es tatsächlich, den Spielern neue Ideen zu vermitteln - scheiterte aber mit seiner egomanischen Art. "Management bedeutet ja Analysieren und Umsetzen", sagte Hoeneß einmal über seine gescheiterten Wagnisse. Richten musste es zweimal sein Freund Jupp Heynckes.

Neben den Trainern gingen die Bayern auch bei ihren Transfers neue Wege und beugten sich den Gesetzen des internationalen Spielermarkts. Für die Stars Franck Ribéry, Luca Toni, Arjen Robben, Mario Gomez und Manuel Neuer zahlte Hoeneß nun Ablösesummen, die er früher stets kritisiert hatte. Das Prozedere gipfelte in Mittelfeldspieler Javier Martinez, der für 40 Millionen Euro aus Bilbao kam. "Der hat nach normalen Maßstäben zehn, 15 Millionen Euro zu viel gekostet. Aber das war nun mal im Vertrag so drin", sagte Hoeneß im vergangenen Sommer. Bisher spielte Martinez solide, auf ein neues Niveau hat er das Team aber auch noch nicht gehoben.

Der etwas blasse Christian Nerlinger fädelte noch den Kontakt zu Guardiola ein, musste seinen Posten als Sportdirektor dennoch für Matthias Sammer räumen, vom meinungsstarken DFB-Jugendkoordinator versprach sich Hoeneß durchgreifende Änderungen im Verein. Doch Guardiola hat sich sicherlich einen großen Handlungsspielraum garantieren lassen, Sammer spielt dahinter nur die erste Nebenrolle.

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass noch ein Vermittler zwischen beiden gefordert sein wird. Uli Hoeneß wird das wahrscheinlich selbst anpacken.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hoeness kann eben alles
rbn 17.01.2013
ausser Hochdeutsch, ein echter Ulmer (wie Einstein).
2.
Andr.e 17.01.2013
Zitat von sysopDie Verpflichtung von Josep Guardiola ist das Verdienst eines Mannes: Uli Hoeneß. Der 61-Jährige machte Bayern München zum deutschen Großclub, scheiterte aber lange am nächsten Schritt - dem Club großen Glanz zu verleihen. Und nicht nur ein Festgeldkonto. Bayern München: Guardiolas Verpflichtung ist Hoeneß' Meisterstück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-muenchen-guardiolas-verpflichtung-ist-hoeness-meisterstueck-a-878083.html)
Nach dem Teaser befürchtete ich schlimmes - aber der Artikel gefällt, weil er das Klischee vom verwöhnten Snob-Club der Säbener Straße in ein etwas angepassteres Licht rückt.
3. Mehr, wir wollen mehr davon!
f._aus_kleefeld 17.01.2013
Könnte SPON nicht endlich eine Extra-Rubrik für den FCB einrichten? Diese Heldenverehrung und dieses Wetteifern um noch mehr, noch reicher, noch besser, noch erfolgreicher, noch abgehobener vom öden Rest geht mir auf den Zwirn.
4. Mir grauet schon...
BavarianStallion 17.01.2013
Zitat von sysopDie Verpflichtung von Josep Guardiola ist das Verdienst eines Mannes: Uli Hoeneß. Der 61-Jährige machte Bayern München zum deutschen Großclub, scheiterte aber lange am nächsten Schritt - dem Club großen Glanz zu verleihen. Und nicht nur ein Festgeldkonto. Bayern München: Guardiolas Verpflichtung ist Hoeneß' Meisterstück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-muenchen-guardiolas-verpflichtung-ist-hoeness-meisterstueck-a-878083.html)
Dieser Artikel ist wahrscheinlich wieder mal eine Steilvorlage für die notorischen Querulanten und Berufs-Bayernbasher hier im Forum, den sie aber mangels Fussballtalent nicht sicher annehmen können bzw. mal wieder vom Fuß verspringt.
5.
Claudio Tiberio 17.01.2013
Zitat von sysopDie Verpflichtung von Josep Guardiola ist das Verdienst eines Mannes: Uli Hoeneß. Der 61-Jährige machte Bayern München zum deutschen Großclub, scheiterte aber lange am nächsten Schritt - dem Club großen Glanz zu verleihen. Und nicht nur ein Festgeldkonto. Bayern München: Guardiolas Verpflichtung ist Hoeneß' Meisterstück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-muenchen-guardiolas-verpflichtung-ist-hoeness-meisterstueck-a-878083.html)
Ein schöner Bericht, auch wenn ich kein Bayern Fan bin, den Respekt hat sich Hoeneß allemal verdient! Feine Sache, das hier etwas riskiert wird, schließlich wollen wir ja Spektakel sehen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Bayern München
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 137 Kommentare

Fotostrecke
Ausländische Trainer-Stars: Zebec, van Gaal, "Trap"
Themenseiten Fußball
Tabellen