Bayerns Sieg gegen Besiktas Alarmstufe Gelb

5:0 im Hinspiel, 3:1 im Rückspiel: Der Einzug des FC Bayern ins Viertelfinale gelang gegen Besiktas problemlos. Also alles gut? Mitnichten: Die Münchner begingen "dumme Fehler".

Jérôme Boateng kassiert die Gelbe Karte
REUTERS

Jérôme Boateng kassiert die Gelbe Karte

Aus Istanbul berichtet Christoph Leischwitz


Man fahre ja nicht nach Istanbul, um Sightseeing zu machen - das hatte Thomas Müller am vergangenen Samstag gesagt. In Wahrheit war die Champions-League-Reise für den FC Bayern aber dann doch ziemlich genau das.

Als die Münchner am späten Mittwochabend nach ihrem 3:1-Erfolg bei Besiktas Istanbul Richtung Flughafen aufbrachen, hörten sie sich an, als ob sie gerade eine Fortbildungsreise in Sachen Fußballkultur erlebt hatten: Die Fans von Besiktas waren offensichtlich eine Reise wert. "Die Atmosphäre war Wahnsinn, da summen einem die Ohren", sagte Torwart Sven Ulreich, und Sandro Wagner meinte: "Ich hatte schon auf der Bank Gänsehaut, ich war echt froh, als ich aufs Feld durfte." Von den elf Gegnern auf dem Platz schwärmte niemand.

Die Bayern hatten den aktuellen türkischen Meister und Vorrunden-Gruppensieger nach Hin- und Rückspiel 8:1 abgefertigt. Und selbst, wenn es den Fans gelang, mit ihren lauten Pfiffen die Kommunikation der Bayern-Spieler auf dem Rasen zu stören - so erzählte es Müller später - blieb die fußballerische Gegenwehr des Gastgebers überschaubar. Im eigenen Stadion, wo man in der laufenden Saison noch ungeschlagen ist, blieb Besiktas weitgehend harmlos.

Fotostrecke

13  Bilder
Bayerns Sieg in Istanbul: Verletzung, Verwarnungen, Viertelfinale

Souveräner als die Bayern hat sich keine Mannschaft für das Viertelfinale qualifiziert, das Freitagmittag ausgelost wird (12 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Jupp Heynckes hatte als erster Trainer überhaupt elf Champions-League-Spiele in Serie gewonnen, Sandro Wagner sein erstes Champions-League-Tor erzielt. Ein rundum gelungener Abend?

Es waren auch selbstkritische Töne zu hören. Jérôme Boateng etwa sagte, man habe zu viele "dumme Fehler" begangen. "Dazu hatten wir zu viele unnötige Ballverluste. Das wissen wir selber, da müssen wir kritisch mit umgehen. Wir müssen uns steigern, da kommen noch andere Gegner."

In einigen Aktionen fehlte die Cleverness, zum Beispiel Boateng: Er sah seine zweite Gelbe Karte und muss nun aufpassen, dass in den beiden Viertelfinalspielen keine dritte dazukommt, sonst ist er für eine Partie gesperrt. Durchaus ein Problem, das im Hinterkopf spukt, wenn Anfang April der Gegenspieler beispielsweise Cristiano Ronaldo heißt. Der Verteidiger meinte wohl auch sich selbst, als er von "dummen Fouls" sprach.

Auch Trainer Heynckes sprach vom "einzigen Wermutstropfen", zumal auch Mats Hummels und Rafinha verwarnt worden waren - die Bayern hatten in einem weitgehend unbedeutenden Spiel sogar mehr Gelbe Karten gesehen als der zumeist harmlose Gegner.

Heynckes weiß, wie bedeutsam diese Kleinigkeiten werden können. Im Finale 2010 hatte Franck Ribéry gesperrt gefehlt, die Bayern hatten sich damals vergeblich um eine Verkürzung seiner Rotsperre bemüht - sie verloren 0:2 gegen Inter Mailand. 2012 fehlten gleich drei Spieler gelbgesperrt, das "Finale dahoam" ging ebenfalls verloren. Im Viertelfinale der vergangenen Saison fehlte gegen Real Madrid im Hinspiel Robert Lewandowski verletzt, im Rückspiel Javi Martínez gesperrt - Bayern schied aus.

Thiago muss behandelt werden
AFP

Thiago muss behandelt werden

Dann ging am Abend auch noch die Sorge um, dass Thiago bei den kommenden Saisonhighlights fehlen könnte. Der Spanier wurde eine Viertelstunde nach seinem 1:0-Führungstreffer ausgewechselt. Doch Heynckes war verhalten optimistisch: "Thiago hat einen Schmerz unter der Fußsohle verspürt. Er wird morgen untersucht. Ich glaube nicht, dass es so schwerwiegend ist." Zumindest konnte Thiago auf dem Weg zum Flughafen schon wieder twittern - natürlich über die beeindruckende Stadion-Atmosphäre.

Heynckes war auch mit Blick auf eine weitere Personalie positiv gestimmt: Der so lange verletzte Manuel Neuer könne schon "80 Prozent seines Körpergewichts belasten", sagte er. Im April sei er zurück. Doch eigentlich ist das nicht gerade eine gute Nachricht: Ursprünglich hieß es mal, Neuer kehre nach der Winterpause zurück. Jetzt ist der Torwart immer noch nicht bei 100 Prozent.

Es gebe im Viertelfinale keine leichten Gegner mehr, sagen alle Bayern-Spieler. Trotzdem werden sie froh sein, wenn nicht gerade Manchester City oder der FC Barcelona zugelost wird. Und nach dem Viertelfinale die Gelben Karten gelöscht werden.



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gnarze 15.03.2018
1. Breite des Kaders
Durch die Breite des Kaders sollte der eventuelle Ausfall eines Innenverteidigers aufzufangen sein, Süle war in der zweiten Halbzeit souveräner als Boateng, Hummels hatte einen gebrauchten Tag, Martinez(bester Mann auf dem Platz) kann auch Innenverteidiger. Ich sehe das - auch gegen einen Kracher im Viertelfinale - nicht ganz so negativ. Ebenso bei Ullreich - da sehe ich keinen Qualitätsverlust
cmann 15.03.2018
2. Solange
Bayern trotz etlicher "dummer Fehler" ,gegen einen zugegebener Maßen nur mittelmäßigen Gegner, gewinnt binn ich eigentlich ganz zufrieden. Wenn ich dann berücksichtige das Heimniederlagen von Besiktas nicht sehr häufig vorkommen ist die Leistung des FCB wohl eher positiv zu werten. Bezeichnend auch die selbstkritische Haltung der Spieler. Aber es ist üblich geworden den einzigen BL Verein der regelmäßig zumindest das 1/4 Finale der CL erreicht schlecht oder kritischer zu bewerten. Die zum Teil dürftigen Leistungen der "sogenannten Spitzenvereine" der BL werden eher relativiert und wohlwollend kommentiert was für die insgesammt eher kritische Haltung der SPON Redaktion gegenüber dem BL Primus spricht.
derlabbecker 15.03.2018
3. Rafinha....
.... hätte glatt rot sehen müssen. Von hinten im Mittelfeld mit Anlauf in die Beine.... unfassbar bei einem Gesamtstand von 7-1 zu dem Zeitpunkt.
stoffi 15.03.2018
4.
Zitat von derlabbecker.... hätte glatt rot sehen müssen. Von hinten im Mittelfeld mit Anlauf in die Beine.... unfassbar bei einem Gesamtstand von 7-1 zu dem Zeitpunkt.
Das stimmt zwar, war hart an der Grenze, aber der Schiri hat auch bei den Gegnern grosszügig gepfiffen. Alles in allem war der Schiri ok.
Klangstof 15.03.2018
5. Es wird Zeit für echte Nagelproben..
Ich habe gerade nochmal die aktuellen Runden im Carabao-Cup nachrecherchiert, also den League Cup in England, der ja von der Reputation unter dem FA Cup anzusiedeln ist, aber sogar dort haben zuletzt Arsenal-Chelsea und in der letzten Runde Arsenal-City gegeneinander gespielt. Was will ich sagen? Die Premier League Clubs haben permanent in drei nationalen Wettbewerben Top Spiele gegeneinander am Start, das ganze Jahr über. Wenn man City, Man Utd, Chelsea, Arsenal, Liverpool, Tottenham nimmt, dann sind aus den früheren "Big4" jetzt eigentlich die "Big6" geworden, die sich eben mehrmals im Jahr die Bälle um die Ohren hauen. Kommen wir eben damit zum FCB: Welche Herausforderungen hatten die Bayern in dieser schon sieben Monate alten Saison? Jo, zweimal gegen die Zirkustruppe PSG. RB, BVB in der Liga? Ja, die Hinspiele sind gelaufen, aber die zwei Teams messen sich in dieser Saison mit der Eintracht und das ist mein Club! Allen ist klar, was ich meine. Es wird also Zeit, dass der FCB im Viertelfinale einen fetten Brocken bekommt, damit Jupps Kettenhunde endlich mal was Richtiges zu beißen bekommen, gerne gegen Real, Barca oder City! Also, ich hoffe mal, dass der Fußballgott bei der morgigen Auslosung richtig Bock hat!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.