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Münchens Sieg gegen Darmstadt: Bayern-Glanz mit Kratzer

Von Sebastian Winter, München

Bayerns Sieg gegen Darmstadt: Müllers Geniestreich Fotos
Getty Images

81 Prozent Ballbesitz, 18:0 Ecken, 36:6 Torschüsse - der FC Bayern war gegen Darmstadt hochüberlegen. Doch erst ein Traumtor von Thomas Müller ebnete den Weg zum Sieg. Zwei Erkenntnisse aus dem Spiel.

Nach dem Spiel wurde es schlüpfrig im Stadion, und ausgerechnet der sonst eher trockene Karl-Heinz Rummenigge war verantwortlich dafür. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender sprach über Thomas Müllers Traumtor gegen Darmstadt zur vorentscheidenden 2:1-Führung, diesen fabelhaften Fallrückzieher aus der 71. Spielminute ins linke obere Eck. "Ich habe gesehen, dass er ein paar Kratzer hat, als wenn ihn eine Frau bei was auch immer gekratzt hätte", sagte Rummenigge bezüglich jener Szene: "Aber es war nur der Gegenspieler."

Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer sagte über Müller, der neben seinem Fallrückzieher auch noch einen zweiten Treffer zum 3:1-Sieg beisteuerte, er sei "mehr als ein Phänomen".

Und was machte der Vielgelobte? Der berief sich nach seinem Treffer in aller Bescheidenheit auf Glück und die Gesetze des Fußballs, von Rummenigges Schlüpfrigkeit hatte er da noch gar nichts mitbekommen: "Wenn ich mal ein schönes Tor mache, will ich das nicht so hoch hängen. Denn wenn ich mal ein hässliches mache, ist das genauso viel wert."

Müller hatte mit seinem Fallrückzieher und seinem schlitzohrigen Tor zum 1:1-Ausgleich kurz nach der Pause eine ernüchternde erste Halbzeit vergessen gemacht. Die Bayern waren angerannt - und die Darmstädter durch ihren Kapitän Sandro Wagner 1:0 in Führung gegangen. Erst in der Schlussphase erzielte Robert Lewandowski den dritten Bayern-Treffer (84.).

Ribéry feiert Comeback

Die Bayern hatten 81 Prozent Ballbesitz, 18:0 Ecken, 36:6 Torschüsse, Arjen Robben schoss zehnmal auf das gegnerische Tor - öfter als alle Darmstädter zusammen. Diese Statistiken müssten eigentlich Ausdruck der völligen Überlegenheit des FC Bayern sein.

Doch überlegen war die Mannschaft von Josep Guardiola nur in der Offensive. Zu der gesellte sich auch wieder Franck Ribéry, der nach seiner Einwechslung (53.) vom Publikum gefeiert wurde - und ein Extralob von Rummenigge bekam: "Speziell als Franck reinkam, haben wir das Spiel verdient gewonnen." Immerhin hatte Ribéry Lewandowski zwei Torvorlagen geschenkt, ein Treffer zählte jedoch zu Unrecht wegen Abseits nicht.

Diese Offensive muss den Bayern auch vor dem schweren Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale bei Juventus Turin am Dienstag (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) keine Sorgen machen, sie hatten Chancen am Fließband, trafen zweimal die Latte. Robben alleine hätte drei Tore machen müssen.

Doch - Erkenntnis Nummer eins - die Verwertung ihrer Möglichkeiten war schwach, das müssen sich die Münchner vorwerfen lassen, "und das müssen wir in Turin auch besser machen", sagte Müller.

"Ich muss da weiter raus"

Die zweite Erkenntnis aus dem Darmstadt-Spiel wird den Bayern noch weniger gefallen, gerade im Hinblick auf das Turin-Spiel: Die Defensive wackelte - auch und gerade bei Darmstadts Führungstreffer.

Ausgerechnet der Debütant Serdar Tasci wirkte sehr unglücklich, als der Aufsteiger über die linke Seite nach vorne preschte. Der in der Winterpause von Spartak Moskau aus der Verletzungsnot heraus verpflichtete Ex-Stuttgarter kam schon bei der ersten Flanke zu spät. Als unmittelbar danach die nächste Flanke von der rechten Seite in den Münchner Strafraum segelte, traf Wagner am kurzen Eck per Kopf - sein Gegenspieler Tasci war hinter ihm abgetaucht. "Da kann er sich vom Stellungsspiel her anders verhalten", sagte Sammer hinterher.

"Ich habe einen Schritt zu weit innen verteidigt, muss da weiter raus", entschuldigte sich der 28-Jährige später: "Ich hatte wenig Spielpraxis in letzter Zeit und noch konditionellen Rückstand." Auf dem Platz wirkte der Innenverteidiger unsicher, spielte extrem viele Quer- und Rückpässe und kaum die von Guardiola geforderten schnellen Vertikalpässe. Arturo Vidal dirigierte Tasci öfter, und von Müller musste er sich kurz vor der Halbzeit-Pause rüffeln lassen, als er mit einem Foul einen Freistoß verursachte, der fast in das 2:0 für Darmstadt mündete.

Schon nach 53 Minuten wurde Tasci für Juan Bernat ausgewechselt, Eigenwerbung für einen Platz in der Startelf gegen Turin hatte er nicht betrieben. Aber die Nadelstiche Darmstadts brachten auch seine Kollegen Joshua Kimmich und Co. etwas durcheinander.

Turin wird ein anderer Gegner, mit einer starken Offensive, das ist den Bayern bewusst. "Sie sind abgezockt", sagte der ebenfalls abgezockte Müller. Einen kleinen Vorgeschmack darauf gab vor ein paar Tagen Juventus-Stürmer Alvaro Morata, der von einer "Hölle" sprach, die die Bayern erwarte. Arjen Robben antwortete ihm nach dem Darmstadt-Spiel: "Die Hölle, ich glaube, das sind wir gewohnt."

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1. Schade, dass es für die Lilien nicht zu einem Punkt oder
isegrim der erste 20.02.2016
gar einem Sieg gereicht hat. Ich hätte es ihnen gewünscht, als Mutmacher vor dem wichtigen Spiel gegen Bremen. Aber wenn gleich 5 Stammspieler fehlen ;-)
2. Thomas Müller, Fußball-Gott!
spon_2937981 20.02.2016
Einer der großartigsten Spieler und besten Typen, die der deutsche Fußball je hatte. Schon jetzt eine Legende! Wahnsinn, dabei ist er weder ein Techniker noch ein Flitzer, kein Flankengott und auch kein Sturmtank. Einfach von allem ein bisschen, und das in einer weltweit wohl einmaligen Mischung und Qualität. Danke, Luis van Gaal !!! Bist zwar ein merkwürdiger Mensch und hast auch viel falsch gemacht, aber dass Du den Müller installiert hast: danke, danke, danke!
3.
Spanier.cs 20.02.2016
Ich befürchte schlimmes in Bezug auf Tasci. Pep hätte ihn durchaus schon im letzten Spiel testen können, damit er heute noch weiter Spielpraxis hätte sammeln können. Leider hat er nur heute die Chance bekommen und war sichtlich nervös, weil er um die Bedeutung der Chance vor dem Turinspiel wusste. Ich hoffe, Pep wird ihn wenigstens am Wochenende danach einsetzen und ihm eine erneute Chance geben!
4. Bayern - Schiedsrichter hilft beim Bayerndusel
ortibumbum89 20.02.2016
Tätlichkeit durch Rafinia; gelbe Karte. Rote Karte nicht gezogen; kein KOmmentar von Trainern, Fernsehen o.ä. Die Bayern dürfen das. Keiner spricht drüber. Keine Bevorteilung gibt es nur international - Juve wirds richten! Es darf auch nicht sein, dass 100 Millionen gegen 5 Millionen verliert oder schlecht aussieht. Schiedsrichter auch korrupt?
5. ortidummdumm89
spon_2937981 20.02.2016
Zitat von ortibumbum89Tätlichkeit durch Rafinia; gelbe Karte. Rote Karte nicht gezogen; kein KOmmentar von Trainern, Fernsehen o.ä. Die Bayern dürfen das. Keiner spricht drüber. Keine Bevorteilung gibt es nur international - Juve wirds richten! Es darf auch nicht sein, dass 100 Millionen gegen 5 Millionen verliert oder schlecht aussieht. Schiedsrichter auch korrupt?
Einfach mal das Interview mit Pep Guardiola ansehen und die Äußerung zur Rafinha-Szene: 'Klare rote Karte'. Sieht jeder so. Fans, Trainer, TV-Leute etc. Nur der Schiri nicht in der Situation. Er wird sich nach Ansicht der Fernsehaufnahmen in den Allerwertesten gebissen haben.
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