Max Eberl und der FC Bayern Warum sollte er sich das antun?

Der FC Bayern scheint Sportdirektor Max Eberl aus Mönchengladbach holen zu wollen. Ist dieses Angebot so verlockend, wie es klingt? Das hängt davon ab, wer in München wirklich das Sagen hat.

Max Eberl
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Max Eberl

Von Christoph Leischwitz, München


An dem Thema wird man dieses Wochenende nicht vorbeikommen: Wenn Borussia Mönchengladbach am Sonntag gegen Bayern München spielt (17.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky), wird der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl im Mittelpunkt stehen. Eberl gilt als heißer Anwärter darauf, seinen Job demnächst in München zu machen.

Überraschende Absage von Philipp Lahm

Dass Eberl immer noch oder besser wieder als Wunschkandidat gilt, liegt vor allem daran, dass Philipp Lahm dem FC Bayern vor fünf Wochen eine Absage erteilt hat. Sie hatte damals den Präsidenten Uli Hoeneß etwas überrumpelt, danach musste er sich wieder auf die Suche begeben - und war auf Eberl gestoßen. Doch ist der Job beim Rekordmeister für den attraktiver?

Lahm hatte in Vorgesprächen mit den Bayern-Oberen gemerkt, dass seine Vorstellungen deutlich von dem abwichen, was sich der Verein wünschte. Personen aus dem Umfeld des Klubs, die mit den Gesprächen vertraut sind, berichten, dass viel über Details gesprochen wurde, und wenig über das große Ganze. Zum Beispiel recht viel darüber, ob Lahm bei Auswärtsspielen mit der Mannschaft im Hotel übernachte. Und recht wenig darüber, ob er auch selbst entscheiden könne, welche Spielertypen künftig eigentlich zu dieser Mannschaft gehören.

Man scheiterte also an der Frage, wie eigenständig ein Sportdirektor beim FC Bayern arbeiten darf. Dem Vernehmen nach soll dabei Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge entgegenkommender gewesen sein als Präsident Hoeneß. In jedem Fall schwelt die Frage schon lange, streng genommen seit dem Amtsantritt von Christian Nerlinger auf dieser Position im Jahr 2009 (als Nachfolger von Hoeneß), und über den Rücktritt von Matthias Sammer im Sommer 2016 hinaus.

Es liege kein Angebot der Bayern vor, hatte Eberl kürzlich gesagt und gehofft, die Gerüchteküche damit kaltstellen zu können. Tatsächlich laufen aber wohl Verhandlungen. Wie die "Bild"-Zeitung am Mittwoch berichtete, fordert der Noch-Gladbacher wie schon Lahm vor ihm mehr Kompetenzen, konkret in Sachen Kaderplanung. In München hatte diese Aufgabe zuletzt Michael Reschke übernommen. Der Mann im Hintergrund mit dem Auge für starke Talente firmiert in München offiziell unter der Bezeichnung Technischer Direktor.

Hoeneß und das "Mia san mia"

Eberl dürfte selbst bei einem der größten Fußballklubs der Welt wenig Interesse daran haben, ein gut bezahlter Grüßaugust zu werden. Hoeneß hat indes die Hoffnung, das Bayern-Motto "Mia san mia" in einem immer internationaler werdenden Unternehmen wieder beleben zu können. Er will den Verein im Stil eines verschworenen Familienunternehmens führen, mit Vertrauten im engsten Umfeld.

Die jüngsten Personalentscheidungen zeigen das: Neffe Sebastian Hoeneß, Sohn des Bruders Dieter, soll ab der kommenden Saison U-19-Trainer der Bayern werden (auch wenn der Verein diesen Schritt noch nicht bestätigt hat). Jochen Sauer, ein langjähriger Vertrauter Dieters bei Hertha, wird im Sommer organisatorischer Leiter des neuen Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), das in einem 70 Millionen Euro teuren Neubau unweit der Bundesliga-Arena entsteht. Kürzlich erklärte ein aktueller Co-Trainer der U17, gern bald die U23 trainieren zu wollen. Sein Name: Tobias Schweinsteiger, der ältere Bruder von Bastian.

Sportlicher Leiter des NLZ wird Bayern-Urgestein Hermann Gerland, aktuell noch Co-Trainer unter Carlo Ancelotti. Eberl hat als ehemaliger Bayern-Nachwuchsspieler 1993 auch einige Partien unter Gerland bestritten, 1991 spielte er genau eine Halbzeit für die Profis. Einen Sportdirektor-Kandidaten mit mehr Stallgeruch als ihn gibt es aktuell nicht.

Das macht ihn für die Bayern attraktiv. Aber macht es die Bayern auch für Eberl attraktiv? Dessen aktueller Vizepräsident bei der Borussia, Rainer Bonhof, glaubt das nicht. Er sei sich "sehr sicher", dass Eberl in Mönchengladbach bleiben werde.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
mr-mucki 16.03.2017
1. Der Manager Markt ist sehr leer
Wollen wir ehrlich sein. Der Manager Markt (Sportdirektor bzw. Vorstand Sport) ist extrem leer. Die Generation Matthaeus, Thon (WM 90, Voeller und Klinsmann koennte man noch als Ausnahme ansehen) kann es nicht, wie sie immer wieder unter Beweis stellen. Die Generation Helmer, Ziege, (EM 96) (M. Sammer ist hier die grosse Ausnahme) hat auch keine grossen Leuchten hervorgebracht. Fast alle sind zu TV Sendern gegangen. Die Generation Effenberg, Kahn, Scholl hat auch keinen richtig guten Manager hervor gebracht, auch die stellen sich lieber im TV vor, als in einen Verein zu gehen. Im Prinzip haben sich nur Preetz, Schmadkte und Eberl aus dem Fussballern hervorgetan. (Zorc und Bobic sind echt keine guten Manager). Darum ist dieser Markt extrem leer. Fuer Bayern sehe ich eigentlich nur externe Personen die hier einspringen koennten oder man ueberzeugt Lahm doch.
swf3 16.03.2017
2. Was macht Rainer Bonhof denn
so sicher, dass Eberl weiter in der niederrheinischen Provinz, genauer gesagt, in Gladbach bleibt. Das kann nur Wunschdenken sein.
scooby11568 16.03.2017
3. Warum er sich das antun sollte?
Bei allem Respekt vor Gladbach, aber mehr als beim FCB kann er in Deutschland nicht erreichen.
Oihme 16.03.2017
4. Machtfrage offen
Solange in München nach der Rückkehr von Hoeneß die Machtfrage noch nicht geklärt ist, ist dort auch der Posten des Sportdirektors ein Schleudersitz, den sich Eberl nicht antun sollte.. Von der eigenen Unentbehrlichkeit überzeugt, mischt sich Hoeneß längst schon wieder in viel zu viele Dinge ein, die ihn als Präsident und Aufsichtsratschef im Grunde nichts angehen. Die bisherigen Signale Rummenigges, sich das nicht gefallen zu lassen, waren mehr als deutlich. Noch nie zuvor wurde Hoeneß zum Beispiel wegen seiner Äußerungen zum Hummels-Transfer von Rummenigge öffentlich gerüffelt. Und wenn Watzke neuerdings sagt, dass Rummenigge sein Ansprechpartner in München ist, und sonst niemand, lässt das auch tief blicken. Es wäre naiv zu glauben, dass das ohne jede Rücksprache mit KHR geschah.
Sal.Paradies 16.03.2017
5. Wie bitte?
Dass Sie sich so viel Gedanken machen, welche Generation wen hervor gebracht hat und wie gut er reüssierte, macht jetzt schon den Eindruck, dass Sie über den Tellerrand raus gucken. Aber dass Sie M.Zorc für einen "schlechten" Manager halten, nach all den Erfolgen in Verbindung mit unzähligen Top-Spielern und Talenten, bleibt wohl Ihr Geheimnis? Also was diese Expertise angeht, stürzen Sie leistungstechnisch heftig ab, soviel ist sicher.... ;-)
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