Bayern-Niederlage in Leverkusen Kovac ärgert sich über "fahrlässige" Spieler

1:0 geführt, 1:3 verloren - und dann auch noch weiter hinter den Tabellenführer zurückgefallen. Zur schlechten Stimmung beim FC Bayern kommt noch das Rätselraten um die Verletzung von Manuel Neuer hinzu.

AP

Aus Leverkusen berichtet


Peter Bosz scrollte durch seine Nachrichten. Viele davon waren in der vergangenen Stunde angekommen, die meisten mit fröhlichen Emojis versehen. Aber "keine von einem Dortmunder", versicherte Leverkusens Coach Bosz mit einem Grinsen. Der Dank des Tabellenführers an den ehemaligen Trainer ist ihm dennoch gewiss. Obwohl der BVB nur unentschieden spielte, baute er den Vorsprung auf den FC Bayern aus.

Sieben Punkte Rückstand sind es für die Münchner nach dem 1:3 bei Bayer Leverkusen, das eine Serie nach sieben Bundesligasiegen beendete. Entsprechend schlecht gelaunt schritten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß davon. Und da konnten sie noch gar nicht wissen, dass Borussia Mönchengladbach die Münchner später sogar noch von Platz zwei verdrängen sollte.

Ein paar Sekunden nach den Bossen kam Hasan Salihamidzic aus der Tür. Man habe sich trotz Halbzeitführung "in der zweiten Halbzeit den Schneid abkaufen lassen", sagte er. Leverkusen habe dann aus "wenigen Chancen viele Tore gemacht", klagte der Sportdirektor. Angesprochen auf Sven Ulreich, der einen Freistoß zum 1:1 ins Torwarteck kassiert hatte, sagte Salihamidzic nur: "Das muss ich mir angucken."

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Der Betroffene selbst hatte hingegen eine klare Meinung. "Wenn der ein oder andere Experte sagt, den muss ich halten, dann soll er das machen." Ulreich war davon überzeugt, dass er beim Freistoß von Leon Bailey aus etwa 25 Metern ohne Chance war: "Der Ball geht ins Torwarteck. Da heißt es dann immer, dass er den haben muss. Aber der war sehr gut geschossen. Kompliment an den Freistoß."

Vier Schüsse hatte Ulreich in seinem ersten Pflichtspiel seit dem verlorenen Pokalfinale im Mai gegen Eintracht Frankfurt auf das Tor bekommen, drei ließ er passieren. Bei den Treffern von Kevin Volland und Lucas Alario war er tatsächlich chancenlos.

Die Fehler, so die Analyse von Niko Kovac, waren vorher gemacht worden. Der Münchner Trainer war sichtlich schlecht gelaunt, er warf einigen Spielern vor, "fahrlässig" gewesen zu sein: "Die haben gesagt, das werden die Jungs hinten schon meistern." Kingsley Coman durfte sich dabei in erster Linie angesprochen fühlen. Er ließ Mitchell Weiser vor dem 1:2 ziehen und blieb stehen, nachdem er ihn nicht am Trikot zu fassen bekam.

Trainer Kovac redet mit Goretzka
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Trainer Kovac redet mit Goretzka

Zum vierten Mal in dieser Saison kassierten die Bayern in einem Bundesligaspiel drei Tore. Das war ihnen in der vergangenen Spielzeit nur ein Mal passiert. In der bedeutungslosen letzten Partie gegen den VfB Stuttgart verloren sie sogar 1:4.

"Du kannst nicht den Anspruch haben, drei zu kassieren und dann noch zu gewinnen. Jeder weiß, dass die Meisterschaften hinten entschieden werden. Vorne werden nur die Spiele gewonnen", wetterte Kovac, der sich dann auch noch am Verwirrspiel um Manuel Neuers Verletzung beteiligte. "Er hat eine Blessur", sagte der Trainer, ohne sie näher zu definieren. Wie lange der Nationaltorhüter ausfallen werde, könne er nicht sagen: "Ich bin kein Arzt." Er übertrieb bestimmt, als er sagte: "Wenn ich jetzt von fünf Monaten spreche, schreien alle."

Andererseits gab es keinen Grund, um eine Verletzung ein solches Bohei zu machen, wenn Sven Ulreichs Prognose zutreffen sollte. "Ich glaube eher weniger, dass ich am Mittwoch im Tor stehen werde", sagte der Ersatz mit Blick auf das Pokalspiel bei Hertha BSC. Neuer sei im Training "hängen geblieben, ein "Finger ist dann dick geworden", klärte Ulreich auf, was Salihamidzic für sich hatte behalten wollen. Gefragt nach der genauen Verletzung, sagte der Sportdirektor: "Ich weiß es, aber ich sag's nicht."

Bayer Leverkusen - Bayern München 3:1 (0:1)
0:1 Goretzka (41.)
1:1 Bailey (53.)
2:1 Volland (63.)
3:1 Alario (87., nach Videobeweis)
Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tah, Sven Bender, Wendell - Aranguiz - Havertz (45.+1 Baumgartlinger), Brandt - Volland - Bailey (84. Alario), Bellarabi (90.+2 Paulinho)
München: Ulreich - Rafinha (79. Sanches), Süle, Hummels, Alaba - Kimmich, Goretzka - Thomas Müller (74. Gnabry), James (77. Davies), Coman - Lewandowski
Schiedsrichter: Tobias Stieler
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bellarabi (3), Aranguiz (2), Wendell (4) - Kimmich (3), Coman



insgesamt 92 Beiträge
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peterpretscher 02.02.2019
1. Die Bayern Defensive verliert das Spiel(fahrlässig) gegen die.....
.......BAYER Offensive, die das Spiel gewinnt und Neuer‘s Einsatz im nächsten Spiel ist ungewiß und die Stimmung bei den Bayern ist schlecht. Kein gutes Zeichen für die Zukunft!
Objectives 02.02.2019
2. Bayern wird Meister
Dortmund wird noch öfter federn lassen. Heute wurde eine große Chance verpasst - von Dortmund.
Alias_aka_InCognito 02.02.2019
3. Die familiäre Bayernwelt
Bayern ist ja schon sechs mal hintereinander Meister geworden, da sollte es doch recht und billig sein, eine kreative Pause, auch aus Opportunitätsgründen gegenüber der Liga und all den anderen Fußballfans in Deutschland einzulegen. Das Problem bei den Bayern ist, die sind wie der Apple des Fußballs. Alles wirkt so konstruiert und unauthentisch. Diese Lederhosenfolklore und "Mia san mia" wirken wie gemacht Erlebniswelten wie ein synthetisches Oktoberfest. Und genau dieser Konstruktivismus der Bayernumgebung setzt sich in den Fußball fort. Der Fußball ist dort momentan nicht aus einem Guß, sondern Stückwerk von einem überforderten Macher. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch das Alter der Spieler, die schon teilweise von mehreren überdominanten Trainern wie Guardiola und van Gaal geformt sind. Das sind schon gemachte Leute, auf die ein Kovac keinen Zugriff mehr hat. Kovac hat in München null Gestaltungsmacht, er kann keinen persönlichen Fußball dort konstruieren. Wenn die Bayern ihre anorganische Entwicklung fortsetzen, dann ist spätestens in der nächsten Saison sowohl Kovac als auch 3/4 der Mannschaft nicht mehr auf dem Platz. Bayern erfindet sich einfach neu, genug Geld haben sie ja und bei denen ist nichts unmöglich, Tripel ist in jeder Saison drin, auch bei einer zur europäischen Spitze relativen Low-Budget-Mannschaft.
Wolfgang Porcher 02.02.2019
4. die Motivation eine Spur mehr
bei den Frankfurtern war stärker, wegen dem Fortgang ihres Trainers, das Team mehr aufeinander eingeschworener, beide sind TopTeams,
labuday 02.02.2019
5. Dortmund verliert noch genau 1 Spiel - bei den Bayern.
Zitat von ObjectivesDortmund wird noch öfter federn lassen. Heute wurde eine große Chance verpasst - von Dortmund.
Bei dem Vorsprung aber kein Problem., denn die Bayern müssen auch noch zu Gladbach und zu Leipzig. Dortmund kann sich neben der Niederlage bei Bayern noch 3 Unentschieden leisten. Die Bayern werden maximal 3.er oder sogar 4.er
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