Bayerns Remis in Leverkusen Was wollt´s denn alle?

Unruhe beim FC Bayern München? Weit gefehlt. Der Rekordmeister wehrt sich gegen die aufkommenden Gerüchte. Selbst einem torlosen Unentschieden in Leverkusen kann der Klub etwas Positives abgewinnen.

Von , Leverkusen

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Man muss wohl ein Glückskind wie Thomas Müller sein, um selbst nach einer Versetzung auf die Ersatzbank und einem torlosen Fußballspiel noch solch eine glühende Zuversicht auszustrahlen. Zum vierten Mal in Folge ist der FC Bayern in Leverkusen sieglos geblieben. Das sei aber so geplant gewesen, behauptete Müller. "Das hat sich bewährt, wir wurden die letzten drei Jahre Meister und deswegen wollten wir das auch dieses Jahr so machen."

Das war natürlich ein typischer Müller-Scherz, aber die Bayern waren tatsächlich recht zufrieden mit dem 0:0, obgleich ihr legendärer Siegeshunger an diesem Abend nicht gestillt werden konnte. "Wir haben nicht verloren, das war wichtig", sagte Robert Lewandowski, denn der komfortable Vorsprung auf Borussia Dortmund ist nicht geschrumpft und sie haben sich selbst und der Welt bewiesen, dass die Unruhen der vorigen Woche nicht zu einem Leistungseinbruch führen müssen.

Wobei die Sache mit der Unruhe in den Augen der Münchner ohnehin Merkmale einer Verschwörung hat. Da werde "gerade etwas konstruiert", sagte Müller, der sogar Verständnis für die Unruhestifter hat. Er sehe ein, "dass Restdeutschland sich einen kleineren Punktabstand wünscht zwischen Platz eins und zwei", sagte er. Aber die Bayern gehen beharrlich ihren Weg. Und sie scheinen sogar froh zu sein, dass die Widrigkeiten, die in irgendeiner Form zu jeder Saison gehören, diesmal schon im Januar auftauchen.

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Bundesliga: Erst viel Kampf und dann viel Spannung
Holger Badstuber erwähnte in seinen Statements nach dem Abpfiff mehrfach die "wichtigen Spiele", die erst noch kommen, was auf den ersten Blick merkwürdig klingen mag, weil so eine Partie bei einem Champions-League-Anwärter ja keineswegs belanglos ist. Aber der Blick auf die vergangenen beiden Jahre macht die Aussage des Innenverteidigers verständlich.

Damals waren die Bayern über viele Monate unnahbar, sie flogen von Sieg zu Sieg in allen Wettbewerben, erlebten dann aber jeweils in der entscheidenden Phase Momente der Schwäche und Pech mit Verletzungen. Das führte zu Halbfinal-Niederlagen gegen Real Madrid und den FC Barcelona in der Champions League und im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund.

Vielleicht ist in diesem Jahr das Timing etwas günstiger, jedenfalls haben schwächere Halbzeiten, wie die erste in Leverkusen, derzeit noch keine schwerwiegenden Folgen. "Bis zur Pause war es nicht so gut, da konnten wir unser Spiel vor allem über das Kämpferische aufziehen", sagte Badstuber, an dessen Seite der junge Joshua Kimmich verteidigte. Erst rechts in einer Art Dreierkette, in der zweiten Halbzeit dann innen in einer Viererabwehr. "Er hat das überragend gemacht, es war sein zweites Spiel auf dieser Position, und man darf nicht vergessen, dass er gegen Stürmer wie Chicharito und Stefan Kießling gespielt hat, die fast keine Chancen hatten", sagte Guardiola über den jungen Kimmich.

Kimmich als echte Alternative

Für genau solche Experimente wie jenes mit Kimmich eignet sich diese Phase der Saison erheblich besser als der März oder der April. Die Notlösungen von heute könnten in vier Wochen schon echte Optionen sein. So wird Badstuber, der nach der schweren Verletzung von Jérôme Boateng zu den Münchner Schlüsselspielern zählt, immer stabiler und hat Zeit, sich noch weiter zu steigern. "Ich fühle mich immer besser, ich erhole mich gut, kann die individuelle Arbeit weiter fortführen, das tut mir gut", sagte er. Und auch der neue Innenverteidiger Serdar Tasci, der in Leverkusen noch fehlte, muss nicht auf Anhieb funktionieren.

Ähnliches gilt für Arjen Robben, dem nach seiner langen Verletzung noch das Tempo fehlt. Und nicht zuletzt wurde in Leverkusen deutlich, dass man Douglas Costa seine wichtigsten Stärken nimmt, wenn er wie in der ersten Halbzeit im Zentrum spielen muss. "Da hatten wir ein bisschen Probleme, den Ball über drei, vier, fünf Stationen zu passen, in der zweiten Halbzeit haben wir es gut gemacht", sagte Guardiola und begründete das auch mit seinen Umstellungen. Costa habe "besser auf der Seite als in der Mitte" gespielt, erläuterte der Trainer, natürlich belebte die Einwechslung von Müller, der die besten Münchner Chancen hatte, das Spiel, der Stürmer bleibt unersetzlich.

Euphorisch sind die Bayern dann nicht in die Heimat geflogen, aber doch zufrieden und mit einer ganzen Menge brauchbarer Erkenntnisse im Gepäck: Die Abwehr kann auch ohne Boateng auf hohem Niveau ohne Gegentor bleiben, lange verletzte Spieler wie Robben und Badstuber entwickeln sich, und die angeblichen Konflikte um Josep Guardiola führen nicht zu einem Zerfall des Teams. Die Summe dieser Erkenntnisse ist vielleicht wirklich mehr wert als die beiden Punkte, die in Leverkusen geblieben sind.



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K:F 07.02.2016
1. FCB wird Deutscher Meister
Und ev. Pokalsieger. Das war es dann auch. FCB kann so beschissen spielen wie eh und je. Der Punktevorsprung reicht dafür allemal aus. Die Konkurrenz schwächelt auch noch. Alles in Butter beim FCB. Auf europäischer Ebene wird das aber nicht reichen. Die Guardiola Zeit endet beim FCB ohne CL Sieg. Kohle ist zum Fenster raus. Eine zusammengekaufte Truppe. Ohne Teamgeist.
maxgrauer 07.02.2016
2. Krise? Welche Krise?
Ein Unentschieden bei einem Champions League-Anwärter ist ja auch kein Grund eine Krise beim FCB auszurufen. Wie sagt der der Bayer: Passt scho.
axelmueller1976 07.02.2016
3. Probleme bei Bayern
Eigentlich nicht .Nur die DFL hat ein Schiri-Problem .Mit einem anderen korrekten Schiri hätte Bayern das Spiel klar gewonnen .Denn Lev.hätte nur mit 9 Mann zu Ende gespielt .Denn Kießling und Wendell wegen Notbremse als Letzter Mann gegen Robben hätten gehen müssen. Nur Schiri Kircher handelt ohne Regeln selbstherrlich.
918 07.02.2016
4. billige stimmungsmache als kampagne
Lahm Neuer Mueller Boateng Alaba Lewa Alle sage unisono live im TV das gleiche. Die Medien ignorieren und behaupten das Gegenteil und berufen sich auf einen anonymen Maulwurf. Dies ist eine klare Kampagn angezettelt von sky bild und kicker. Sportbild hat den vidalalkoholartikel lautlos vom netz genommen. Je laenger medien und Pseudos auch hier gegenteiligeres schreiben desto laecherlicher machen sie sich. „Natürlich wird da etwas konstruiert. Dadurch, dass der Trainer wechselt, ist etwas Unruhe da. Und es wird versucht, den FC Bayern noch etwas zu ärgern“, sagte Müller in den Katakomben der BayArena. Weiter äußerte Müller: „Ich verstehe, dass sich Rest-Deutschland wünscht, dass der Abstand zwischen eins und zwei etwas geringer ist. Aber bei uns ist die Stimmung super.“
Ultras 07.02.2016
5. Notbremse?
Also wenn die Klärungsaktion von Wendell eine Notbremse gewesen sein soll, dann ginge kein Spiel in der BuLi mit Elf gegen Elf zu Ende. Und wo sie die vermeintliche Notbremse von Kießling ausgemacht haben wollen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Der Beißreflex der Münchener Erfolgsfans nimmt bei ausbleibenden drei Punkten mitunter groteske Züge; gewinnt der FCB nicht, dann liegt das nicht daran, dass man einen Gegner hatte, der Paroli geboten hat und sich einen Punkt durchaus verdient hat, sondern am Schiedsrichter. Beim BVB lag es gestern auch nicht an einer bärenstarken Hertha, sondern am Zustand des Platzes. Die Schönwetter-Fußballer und deren erfolgsverwöhnte Fans aus München und Dortmund sollten mal lernen, eine Gegnerleistung gebührend anzuerkennen. Es gibt in der BuLi nämlich nicht zwei, sondern 18 Mannschaften, die Fußball spielen können.
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