Heynckes und Martínez Bayerns Traumpaar

Javi Martínez ist nicht nur Matchwinner beim Sieg gegen Celtic. Er ist die Symbolfigur für den Aufschwung des FC Bayern unter Trainer Jupp Heynckes, seinem Entdecker und Mentor.

Aus Glasgow berichtet Florian Kinast


Nach Abpfiff wurde es gruselig im Paradies, passend zu Halloween. Aus den Boxen des "Paradise" genannten Celtic Park dröhnte Michael Jacksons Zombie-Hymne "Thriller" - und dann tauchte wenig später auch noch Javi Martínez auf. Er sah wild aus, hatte ein dickes Pflaster über dem rechten Auge und sagte zum Erschaudern der Zuhörer: "Wenn ich jedes Mal bei einem Treffer bluten muss, dann blute ich gerne." Dann verschwand er wieder, in die dunkle Nacht von Glasgow.

Javi Martínez war an diesem Dienstagabend tatsächlich ein Albtraum, zumindest für die Mannschaft vom Celtic FC. Für den FC Bayern war er der Matchwinner, weil er hinten im Mittelfeld konsequent abräumte und natürlich, weil nur drei Minuten nach dem Ausgleich der Gastgeber sein Kopfballtreffer den 2:1-Sieg der Münchner und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League besiegelte. Die Platzwunde gab dem Moment noch eine besondere Note.

Martínez mit blutender Wunde
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Martínez mit blutender Wunde

Martínez war nicht nur am Dienstag der entscheidende Mann. Kein anderer Spieler symbolisiert den Aufschwung der Bayern unter Jupp Heynckes mit sechs Siegen in sechs Spielen so wie er. Seit dem Rauswurf von Carlo Ancelotti und dem Comeback von Heynckes blüht der 29-Jährige auf.

Endlich darf er wieder auf seiner Lieblingsposition spielen, als Sechser im defensiven Mittelfeld, und nicht mehr wie unter Ancelotti als Innenverteidiger wider Willen. "Javi ist brutal wichtig, ein Hauptfaktor, warum wir in den letzten Wochen weniger Chancen zulassen als zuvor und stabiler in der Abwehr stehen", sagte Torwart Sven Ulreich nach dem Spiel, "er macht viele Wege und läuft viele Räume zu, ist ganz stark im Spiel nach vorne".

Ähnlich klingt Arjen Robben, wenn er sagt: "Man kann Javi nur loben, er ist so wichtig im defensiven Mittelfeld, so wie in jener Zeit, wo wir mit Herrn Heynckes so erfolgreich gespielt haben." Robben spielt auf die Triple-Saison 2012/2013 an.

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Bayerns Erfolg in Glasgow: Aufgewacht!

Zu Heynckes hat Martínez eine enge Bindung. Der 72-Jährige war sozusagen sein Entdecker, sein Förderer und Mentor. Der, der ihn vor fünf Jahren zu den Bayern holte. Intensiv hatte Heynckes im Frühjahr 2012 Athletic Bilbao beobachtet, seinen Ex-Klub, den er in zwei Amtszeiten trainiert hatte (von 1992 bis 1994 und von 2001 bis 2003). Er war begeistert von den Qualitäten des damals 23-Jährigen, der Athletic bis ins Finale der Europa League führte. Heynckes wollte Martínez unbedingt, mehrmals rief er bei Bilbaos Vereinspräsident Josu Urrutia an, er konnte gut mit ihm, Urrutia war noch als Spieler unter Heynckes aktiv.

Schließlich wurde der Transfer kurz nach der EM 2012 in Polen und der Ukraine festgezurrt, für die damals fest geschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro - und das für viele anfangs zu teure Investment lohnte sich: Mit Martínez kam der Erfolg, der Spanier wurde die große Stütze der folgenden Saison mit drei Triumphen.

Als Heynckes ging, kamen schwere Verletzungen

Dann ging Heynckes, es kam Josep Guardiola, vor allem aber kamen schwere Verletzungen, am Sprunggelenk, am Meniskus, an der Leiste. Wegen eines Kreuzbandrisses fehlte Martínez fast ein ganzes Jahr. Ganz der Alte war er nie mehr. Mit Heynckes hat er aber nun endlich wieder seinen Trainer - den, der ihn am besten versteht.

Die Bayern haben gerade das Achtelfinale der Champions League erreicht, am Samstag geht es zum Spitzenspiel nach Dortmund, im Pokal im Dezember kommt der BVB nach München. Noch ist es viel zu früh, vom nächsten Triple zu sprechen. Doch der Erfolg ist zurückgekehrt. Sechs Spiele unter Heynckes, sechs Siege (eines davon im Elfmeterschießen) - so lautet die Bilanz des neuen alten Trainers.

"Man sieht ganz deutlich die Handschrift des neuen Trainers", sagte Arjen Robben, der bei den Reportern noch von der Gänsehaut-Atmosphäre im Celtic Park schwärmte. "Es gibt nicht viele Stadien, in denen es besser ist als hier." Auf Nachfrage, wo etwa, sagte er: "München."

Die meist einschläfernd maue Stimmung in der Heim-Arena im Münchner Norden überhaupt nur mit dem ergreifenden und ohrenbetäubenden Lärm im Paradies zu vergleichen, das sorgte für große Heiterkeit. So endete der Abend nicht gruselig, sondern lustig.

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romeov 01.11.2017
1. Unter Ancelotti war er abgetaucht
... das ist wirklich auffällig mit wieviel mehr Übersicht er spielt, seit Heynckes zurück ist.
rambazamba1968 01.11.2017
2. Entdecker?
Entdeckt hat ihn wohl eher guardiola.
doppelnass 01.11.2017
3. Krise, Hochjubeln, Krise, Hochjubeln
Geht's in allem auch etwas kleiner? Vidal in der Krise (gestern übrigens top Leistung), Müller erst in der Krise, dann Weltklasse. Und nun Martinez. Super Spieler, schon immer. Bei der nächsten Niederlage ist wieder Krise, nech?
Nonvaio01 01.11.2017
4. Jupp
setzt die leute eben da ein wo die gut sind. Martinez im DM, Mueller wieder hinter Lewa und nicht auf der aussenbahn. Ich wuerde lieberThiago und Martinez im Mittelfeld sehen.
MattKirby 01.11.2017
5. Bei einem
40 Millionen Transfer von Entdeckung zu sprechen ist etwas übertrieben. Selbst mir als Laie fiel Martínez in den UEFA Cup spielen als extrem stark auf. Meines Erachtens nach einer der stärksten Defensiven in Europa. Technisch gut, athletisch, kopfballstark, menthal stabil und dazu ein "Normalo" ohne Allüren.
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