Bayern-Sieg gegen Manchester United Starker Jahrgang

Zuletzt spielte er als Rechtsverteidiger, diesmal als Mittelstürmer: Beim Testsieg des FC Bayern gegen Manchester United ragte der vielseitige Serge Gnabry heraus. Niko Kovac passt das perfekt ins Konzept.

Serge Gnabry (M.)
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Serge Gnabry (M.)

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Einen Sommerkick in der Gestalt eines Freundschaftsspiels muss man nicht unbedingt besuchen - und trotzdem kamen am Sonntagabend 75.000 Bayern-Fans. Ein paar gute Gründe gab es aus ihrer Sicht ja auch.

Erstens war die Arena im Münchner Norden in der Sommerpause umgebaut worden, zu einer echten roten Heimat: Rund 25.000 vormals graue Sitze wurden ersetzt, Vereinswappen und ein geschwungenes "mia san mia" prägen jetzt die Tribünen, Kioskwände wurden von Fans mit vereinshistorischen Bildern bemalt. Nach dem Auszug des TSV 1860 München im vergangenen Jahr sieht die Arena endgültig so aus wie die Heimat des FC Bayern.

Die Münchner Arena im neuen Look
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Münchner Arena im neuen Look

Ein zweiter Grund: Es war das Heimspiel-Debüt für den neuen Trainer Niko Kovac, der in der Vorbereitungszeit einen souveränen Eindruck macht. Und der Gegner hieß immerhin Manchester United. Dem Vernehmen nach soll es ein Ablösespiel für Bastian Schweinsteiger gewesen sein, der vor drei Jahren von München auf die Insel wechselte.

Die Mannschaft von José Mourinho, die schon am Freitag in die neue Premier-League-Saison startet, tat dann jedoch so ziemlich alles, um das Gastspiel so langweilig wie möglich zu gestalten: Sie spielte uninspiriert, ungefährlich und weitgehend defensiv. Der Bayern-Spieler, der sich am stärksten gegen die Langeweile auflehnte, war Serge Gnabry. Für das 1:0-Siegtor sorgte er zwar nicht, das war Javi Martínez nach einem Eckball vorbehalten (59. Minute). Doch Gnabry war an diesem Abend der auffälligste Spieler.

Gnabrys Stärke ist seine Vielseitigkeit

Robert Lewandowski wurde in der ersten Halbzeit geschont, Sandro Wagner fehlte wegen Oberschenkelproblemen. Auch deshalb stand der 23-jährige Neu-Münchner zu Beginn des Spiels im Sturmzentrum. Viele halten Gnabrys Schnelligkeit für dessen große Stärke; in Hoffenheim, wohin die Bayern ihn ein Jahr lang ausgeliehen hatten, spielte er deshalb oft auf dem Flügel. Eine mindestens ebenso große Stärke ist jedoch seine Vielseitigkeit. So kam der Jung-Nationalspieler auf der USA-Reise der Bayerngegen Manchester City (2:3) sogar als Rechtsverteidiger zum Einsatz.

Dass Gnabry auch eine dauerhafte Mittelstürmer-Option ist, bewies er am Sonntag mit körperlicher und gedanklicher Schnelligkeit im gegnerischen Strafraum. Bei der ersten Chance der Bayern (7.) hatte er eine Hereingabe von der rechten Seite für den besser postierten Thiago durchlaufen lassen; in der 19. Minute zog er selbst ab und hätte Torhüter David De Gea beinahe überwunden. In der 46. Minute überrumpelte er die Abwehr mit einem Solo, für das er Raunen und Szeneapplaus erntete. Beim 1:0 durfte er noch mitjubeln, dann wurde er ausgewechselt.

Video: Sonderlob für Gnabry

"Er hat das heute sehr gut gemacht, das gefällt mir", sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Gnabry habe sich sehr gut eingefügt. Und das war keine Selbstverständlichkeit. Gnabry war verletzt nach München gekommen, nach einem Muskelbündelriss aus dem April trainiert er erst seit einem Monat wieder mit Ball. Nach dem Heimspiel-Debüt wollte er selbst nichts sagen. "Jungs, ich hab's echt eilig" ließ er die Reporter wissen - obwohl der Bus der Bayern zurück ins Trainingslager nach Rottach-Egern erst eine gute halbe Stunde später abfuhr.

Die Klasse von 1995

Leon Goretzka, der gegen Manchester United zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, hatte bei seiner ersten größeren Vorstellung unter der Woche vom starken Jahrgang 1995 geschwärmt. Joshua Kimmich, bei den Bayern schon Stammspieler, gehört dazu, Niklas Süle schon so gut wie. Nun schicken sich Goretzka (zwei Tage älter als Kimmich) und Gnabry an, es ihnen nachzumachen.

Vor dem ersten Pflichtspiel im Supercup gegen Pokalsieger Eintracht Frankfurt (Sonntag, 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sieht es zumindest schon einmal so aus, als ob dieser 95er-Jahrgang bei einem wichtigen Schritt in der Entwicklung des Vereins zum Erfolg beitragen kann: der dringend nötigen Verjüngung. Die guten Leistungen der Neuen helfen auch Trainer Kovac, in Ruhe an seinem Konzept weiterarbeiten zu können.

Zur Verjüngungskur passte es, dass am Freitag der 31-jährige Arturo Vidal aus Rottach-Egern abreiste, um nach Barcelona zu fliegen. Ohne die Verpflichtung Goretzkas wäre es kaum zu der Entscheidung gekommen, den "Krieger" ziehen zu lassen. Vier Wochen vor seinem 30. Geburtstag ist auch noch nicht geklärt, ob Jérôme Boateng Münchner bleibt. Sportdirektor Salihamidzic sagt dazu seit Tagen nichts. Sollte auch der Weltmeister von 2014 gehen, könnten ihn die Bayern durch einen Weltmeister von 2018 ersetzen: Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart, siebeneinhalb Jahre jünger als Boateng. Derzeit ist der Franzose wohl für die Saison 2019/20 eingeplant.

Von den Arena-Kiosken sind erst sechs von 16 Wänden bemalt, darunter mit Bildern vom Champions-League-Erfolg 2001 oder dem Triple von 2013. Die anderen Kioske wurden freigelassen - für mögliche künftige Erfolge. Dazu würde Gnabry mit den anderen 1995ern gerne beitragen. Als er Anfang Juli in München vorstellig wurde, sagte er über seine Ziele: "Ich mache es kurz: so viele Titel gewinnen wie möglich."



insgesamt 41 Beiträge
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stoffi 06.08.2018
1. Mehr davon
Endlich mal wieder Tempo im Spiel. Ein guter Einstand. Während des Spiels dachte ich:,, warum haben die eigentlich Renato Sanchez nicht verkauft und Brand gekauft?" Da hat Niko Kovac gutes Potential mit dem er mehr als nur einen Titel holen kann
Papazaca 06.08.2018
2. Schlechtes ManU gegen mittelprächtige Bayern
Erstmal muß man sagen: Es war trotz allem ein Trainingsspiel, sehr heiß und bei ManU fehlten noch wichtige Spieler. Bei den Bayern rannte Ribery oft fest, Robben überzeugte. Die FCB Defensive überzeugte gegen eine Mannschaft, die kaum angriff. Dieses junge ManU ist ein Schatten des früheren ManU, da muß noch viel passieren. Mourinho könnte wirklich ein Kandidat für eine der nächsten Trainerentlassungen werden. Dieses ManU war kein Massstab für die Bayern, die nach vorne auch nicht gerade inspiriert spielten. Die Bayern sind trotzdem der klare Favorit für den Titel.
Sal.Paradies 06.08.2018
3. Jose möchte gehen
Mourinho bettelt förmlich um seine Entlassung und der Club kann/wird froh sein, wenn dieser Stänkerer endlich seinen Abschied nimmt. Seit vielen Jahren keine Änderungen bei ihm. Ein Mann der den Fussball zerstören möchte und sich dafür noch selbst auf die Schulter klopft. Und Gnabry tut gut daran den "Medien" aus dem Weg zu gehen. Sobald er den Mund aufmacht kann er am nächsten Tag lesen er fordere einen Stammplatz und muss dann Kalle+Uli in einem persönlichen Gespräch erklären, dass hier mal wieder Fake News laufen und er das so niemals nie gesagt hätte. Und wenn der 95`Jahrgang richtig reift und gut wird, wird auch die Nationalmannschaft daran partizipieren und nicht umsonst sind das alles jetzt schon Nationalspieler. Kovac traue ich zu sich in München durchzusetzen. Der hat Rückrat und einen Plan und wird sehr viel offensiver aufstellen wenn er das Material dazu hat. Und wer hat damals diese hässlichen grauen Sitze eingebaut? Ein Farbenblinder... ;-)
spadoni 06.08.2018
4. Magerer 1-0 Sieg
der A-Mannschaft des FC Bayern München gegen eine B-C Mannschaft von Manchester United, wo genau 11 Stammspieler fehlten !!
gloriavictoria 06.08.2018
5. Keine Konkurrenz
Für die Bundesliga wird es vermutlich wieder einmal reichen! ;-)
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